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Musik Die Jüngsten siegen bei der „Geigen-Olympiade“
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07:54 27.04.2018
Die 11-jährige Chloe Chua aus Singapur beim Menuhin-Geigenwettbewerb in Genf. Quelle: Olivier Miche
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Genf

Mit virtuosem Geigenspiel haben die jüngsten Teilnehmer des renommierten Menuhin-Wettbewerbs die Konkurrenz in den Schatten gestellt. Christian Li (10) aus Australien und Chloe Chua (11) aus Singapur gewannen am Freitagabend in Genf gemeinsam den ersten Preis im Junior-Finale für Talente bis 16 Jahre.

Bis in die letzte Runde hatte es auch die zwölfjährige Clara Shen aus München geschafft. Sie kam auf Platz vier. In der Alterskategorie bis 22 Jahre gewann am Samstag die Armenierin Diana Adamyan (18). Viele frühere Gewinner des Wettbewerbs haben Karriere gemacht, etwa Julia Fischer und Daishin Kashimoto, 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker.

Das Publikum im vollen Konzertsaal Victoria Hall haben Li und Chua schon auf ihrer Seite, bevor sie überhaupt den Bogen ansetzten: als die Kleinen auf die Bühne kommen, geht ein entzücktes Raunen durch die Reihen. Li spielt den Sommer aus Vivaldi's „Vier Jahreszeiten“. Als er sich an Ende umdreht und das Orchester wie ein routinierter Maestro mit einer Handgeste zum Aufstehen auffordert, tobt der Saal.

In der Jury sind Stars wie der Norweger Hennig Kraggerud, der 2017 einen Echo Klassik bekam, und Soyoung Yoon aus Südkorea, die den Menuhin-Wettbewerb 2002 gewonnen hatte. Gründer war der Stargeiger Yehudi Menuhin (1916-1999) selbst. Der Wettbewerb läuft seit 1983 und gilt wegen der hohen Anforderungen als „Geigen-Olympiade“.

„Es war eine Ehre für mich, vor einer so prominent besetzten Jury zu spielen“, sagte Clara Shen. Sie hat bereits mit elf ihr Solodebüt mit der Bayerischen Philharmonie gegeben. Sie habe sich mit den späteren Siegern während des Wettbewerbs schnell angefreundet. „Geigerisch haben sie großes Talent, und ich hoffe für sie, dass sie später wunderbare Musiker werden können“, meinte sie.

„Ich bin voller Freude, dass sie durch ihr Können so viel erreicht“, sagte ihre Mutter Min Zheng. Claras Eltern kamen vor mehr als 30 Jahren aus China zum Studium nach Deutschland. Beide sind Ingenieure. Die Familie lebt in Puchheim bei München. „Viele denken, solche Leistung ist nur mit Druck zu erreichen, das ist Quatsch“, sagt Min Zheng. Sie kennt das Image der asiatischen Tiger-Mutter, die ihr Kind zu Höchstleistungen antreibt. Ihr sei das fremd.

Weil ihr sechs Jahre älterer Bruder Klavier spielte, sei Clara schon früh mit zu Konzerten gegangen. Dort habe sie mit viereinhalb Jahren eine Geige gehört und selbst „so einen braunen Kasten“ haben wollen, wie sie das Instrument nannte. Die Eltern hätten gezögert, „weil wir uns das Quietschen ersparen wollten“, das Anfänger meist erst auf einer Geige produzieren. Clara habe aber schnell gelernt.

„Sie hat ein immenses Verständnis für Musik“, sagt einer ihrer Lehrer, Professor Paul Roczek vom Mozarteum in Salzburg, der eigens zum Finale nach Genf kam. „Wie sie das macht, bleibt ihr Geheimnis.“

Mehr als die Hälfte der 43 Wettbewerbsteilnehmer hat asiatische Wurzeln, darunter sieben der zehn Finalisten. „Asiaten haben viel öfter ein absolutes Gehör“, meint Roczek. In Europa treffe das nur auf zehn Prozent der Menschen zu, in Asien auf mindestens dreimal so viele. „Und das in Verbindung mit einer hohen Geschicklichkeit.“

„Asiatische Eltern sind sehr geduldig“, sagt Claras Mutter. Und gründlich: „Wir waren der Auffassung, wenn sie Geige spielen will, dann soll sie es richtig machen.“ Deshalb habe sie lange nach einem passenden Lehrer gesucht. „Man muss die Kinder auch richtig fördern.“

Clara dürfte nach ihren Schilderungen aber besondere Voraussetzungen mitbringen. Die Schülerin der 7. Klasse sei im Gymnasium in Stufe 5 und 6 die Jahrgangsbeste gewesen. Beim Schwimmen sei sie so gut, dass Lehrer ihr dies auch schon als Leistungssport empfohlen hätten.

dpa

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