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Ein Fest mit Originalen

Ein Fest mit Originalen

Gitarrist Michael Schenker spricht über sein aktuelles Projekt, das auf CD und DVD zu haben ist und bald live nach Deutschland kommt.

Dein neues Album heißt „Michael-Schenker-Fest“ – was hat es damit auf sich?

 

OZ-Bild

Das „Michael-Schenker- Fest“ feiert der Gitarrist gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern und Sängern der Band MSG.

Quelle: Foto: Emili Muraki

Michael Schenker: Es ist ein Fest. Das bedeutet Celebration und dient der Vergangenheit – und zwar ist es ein Fest mit originalen Sängern. Ein Promoter in Japan hatte die Idee, Graham Bonnet als Vorband für MSG auftreten und ihn ein Stück mit uns gemeinsam spielen zu lassen. Und das brachte mich auf die Idee, mal meine Vergangenheit mit den jeweiligen Originalsängern zu feiern. Es ist eine Kombination von verschiedenen Epochen. Wir haben Robin McAuley und Steve Mann von der McAuley-Schenker-Group. Dazu kommen der originale Schlagzeuger und der Bassist vom Album „Assault Attack“, auf dem Graham Bonnet gesungen hat. Dann die originale Rhythmus-Sektion von Gary Barden. Also, im Grunde haben wir alle MSG-Originale der 80er Jahre da. So etwas kann man gar nicht planen, aber wenn etwas geschehen soll, dann wird es auch geschehen, fast wie von selbst.

Welche Bedeutung hat Japan dabei?

Japan hat eine breite Masse, die die Kunst der Lead-Gitarre versteht. Das ist ja meine Passion: Lead- und Solo-Gitarre, kombiniert mit Pure Self-Expression (englisch: Reiner Selbst-Ausdruck). Damals mit UFO und den Scorpions hatte ich es nie bis nach Japan geschafft, aber die Leute dort haben immer schon darauf gewartet. Von der ersten Scorpions-Platte, als ich 15 war, über die Entwicklungen bei UFO, bis ich 23 war – das haben die Japaner alles mitbekommen. Als wir dann die erste MSG-Platte gemacht haben, hat man uns gleich nach Japan geschickt. Und wir kommen da an und die Leute hatten nur auf uns gewartet. Das war ein Wahnsinns-Erlebnis. Ich bin ja aus Deutschland weggegangen, weil mich hier keiner verstanden hat. Es war Discomusik angesagt. Rock war vielleicht noch zu verkraften, aber Solo-Gitarre hat hier niemand verstanden. In Japan war das schon immer anders.

Mit den drei Sängern kommst du 2017 auch nach Deutschland zum Festival „Bang your Head“ ...

Ja, wir sind dort Co-Headliner. Und dann wollen wir auch eine Tour machen. Es braucht nur alles Zeit. Auf jeden Fall planen wir große Konzerte, was viel Anlauf braucht, damit es auch gut besucht wird. Wir haben Angebote für England und Spanien, und wir versuchen aber auch Frankreich und Deutschland.

Also wird es auch danach weitere Konzerte in Deutschland geben?

Ja, wir arbeiten an ganzen Touren! Im Grunde eine Welttour, aber natürlich nicht alles auf einmal. Aber das Michael-Schenker-Fest wird auch in Deutschland weitergehen.

Ihr trefft Euch da, um alte Sachen zu spielen. Macht ihr auch neue Projekte zusammen?

Die Ideen, was man alles machen kann, sind im Grunde grenzenlos. Aber man muss das auch alles koordinieren. Eigentlich will ich 2017 meine dritte Platte mit Doogie White unter dem Namen „Temple of Rock“ machen. Da hätte man ja auch schon genug Sachen zusammen, um daraus eine eigene Tour zu machen. Ideen gibt es Tausende. Ich habe viel Übung darin, mehrere Sachen auf einmal zu machen.

„Temple of Rock“ geht also auch weiter?

Ja, es geht alles weiter, was ich in der Vergangenheit angefangen habe – außer UFO und Scorpions. Und selbst das mache ich weiter, nur nicht mit originalen Sängern. Bei UFO habe ich mich über sechs Platten hinaus entwickelt. Das sind ja alles meine Werke, die ich geschrieben habe. Die werde ich natürlich nicht weg lassen. Aber mit originalen Sängern werde ich mich auf MSG beschränken.

Wie entstehen deine Lieder?

Ich bastel auf der Gitarre was zusammen, erfinde so die Melodien und zeig sie dann dem Sänger. So habe ich das schon früher bei den Scorpions gemacht. Mein Bruder hat das dann übernommen.

Wie kamst Du zum Gitarrespielen? Warst du auf einer Musikschule?

Nein! Ich bin ein ganz natürlicher Musiker. Ich bringe mir gern Sachen selbst bei. Und bei der Gitarre war so viel Freude dabei, da habe ich jeden Fortschritt genossen. Vom ersten Klingen einer Saite bis zum nächsten Ton. Das habe ich jahrelang gemacht, habe immer wieder was entdeckt, immer wieder Freude am Augenblick gehabt. Wie auf einer Schatzsuche – play and discover! Spiele und entdecke! Ich war ja zunächst in einer Tanzkapelle. Mit elf habe ich die Hitparade nachgespielt und die populäre Musik, die im Radio gespielt wurde. Als Led Zeppelin, Deep Purple und Black Sabbath zum Vorschein kamen, wusste ich, was los ist. Da habe ich entschieden: „Kein Kopieren mehr.“ Und deshalb höre ich, seit ich 17 Jahre alt war, keine Musik mehr. Dadurch habe ich eine eigene Handschrift. Ich erlebe die Intuition aus mir selbst. Das ist Pure Self-Expression. Das kommt von meiner Seele und ich öffne es der Welt. So entsteht eine neue Farbe, die noch nie jemand gesehen hat. Ein Trend wird irgendwann alt, weil immer wieder das Gleiche recycelt wird. Meine Musik bleibt frisch, weil sie immer neu ist. Ich bin ein Trendmaker. Was ich in den 70ern gemacht habe, das wurde in den 80ern benutzt. Mein Bruder Rudolf rief mich irgendwann an und sagte mir, dass in Amerika alle meinen Stil spielen. Das war mir gar nicht bewusst. Aus reiner Spielfreude habe ich etwas hergestellt, das dann auf der ganzen Welt nachgemacht wurde. Andere holen sich die Dinge von mir, weil sie wissen, dass sie frisch sind. John Norum von Europe zum Beispiel gibt es auch ganz offen zu. Der ruft mich an und sagt: „Hey Michael, guck mal, was ich schon wieder von Dir geklaut habe.“ (lacht)

Hattest du früher Poster an der Wand? Gab es eine Lieblingsband?

Ja, ganz viel. Harpo hing da. Und ein paar Bravo-Bilder. Alle möglichen von Gus Backus bis Elvis Presley, Beatles, Stones, alles kunterbunt. Die Beatles waren am Anfang meine Band. Die Rolling Stones mochte ich erst später. Von denen wurde ich ja mal gefragt, ob ich vorspielen will. Aber das war mir zu gefährlich. Auf jeden Fall hatten wir Geschwister immer Musik gehört und nie die Texte verstanden. Deshalb war für mich immer der Sound entscheidend, die Instrumentalsachen. Auch der Gesang, aber nicht die Worte. Ich wurde nicht von Texten beeinflusst, sondern immer von der Musik selbst.

Welches Konzert hast du zuletzt besucht?

Eigentlich gar keins. Ich versuche mich wirklich auch umzudrehen. Ich will nichts sehen und hören, will einfach nicht beeinflusst werden. Ich halte mich auch von allen Festivals immer fern, komme kurz vorher an und bin danach auch sofort wieder weg. Nur so kann ich diese Frische erhalten, indem ich mich nicht beeinflussen lasse.

Interessiert dich denn die Arbeit der Kollegen gar nicht?

Na ja, man muss sich einfach entscheiden. Gern würde ich, aber wenn ich Pure Self-Expression machen möchte, dann muss ich mich schützen. Man muss etwas loslassen, um etwas anderes zu bekommen. Wenn man gern schlank bleiben möchte, aber auch gern Torte isst, dann muss man sich für eins entscheiden. Ich habe nur einmal eine Ausnahmezeit gemacht und habe mir Eddie van Halen und Yngwie Malmsteen angehört. Das musste einfach sein, weil es sensationell war. Da war ich einfach neugierig. Aber ansonsten ziehe ich das eisern durch und höre ganz bewusst keine Musik.

Gitarrist mit Weltruhm

Michael Schenker wird 1955 in Niedersachsen geboren. Mit elf Jahren gründet er seine erste Band, trifft in seiner zweiten Band „Copernicus“ auf Sänger Klaus Meine. Gemeinsam mit Meine steigt er 1969 bei den Scorpions ein – der Band seines älteren Bruders Rudolf Schenker. Später übernimmt er jahrelang die Gitarre in der britischen Band UFO und ist für einige Erfolgshits mit verantwortlich. Die 1979 gegründete Michael-Schenker-Group (MSG) spielt in wechselnden Besetzungen mehrere Alben ein und wird mit Sänger Robin McAuley zur McAuley-Schenker- Group. Mit seinem aktuellen Bandprojekt „Temple of Rock“ hat Schenker seit 2011 drei Studioalben veröffentlicht.

Interview von Ove Arscholl

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