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Eine Verbeugung vor Yehudi Menuhin

Ulrichshusen Eine Verbeugung vor Yehudi Menuhin

Es ist die tiefe Verbeugung vor einem großen Musiker. Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ehren Yehudi Menuhin - 22 Jahre nach einem legendären Konzert.

Ulrichshusen. So wie vor 22 Jahren scheint er auch jetzt wieder alles im Blick zu haben. Überlebensgroß schwebt das Abbild des großen Dirigenten Yehudi Menuhin (1916-1999) über dem Orchester, das auf der Bühne der Festspielscheune von Ulrichshusen (Mecklenburg-Vorpommern) ihm zu Ehren spielt.

„Für mich war klar: Wenn es ein ganzes Wochenende für Yehudi Menuhin geben soll, dann muss es an diesem Ort geschehen“, sagt Geiger Daniel Hope in der Konzertpause.

Der Ziehsohn des legendären amerikanischen Musikers, dessen Geburtstag sich im April dieses Jahres zum 100. Mal jährte, hatte für die Hommage ein vielfältiges Programm zusammengestellt und wurde für die Interpretation zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester am Freitag und Samstag an historischer Stelle vom Publikum gefeiert.  

Am 6. August 1994 hatte Menuhin mit dem London Symphony Orchestra in Ulrichshusen gastiert und damit die ungewöhnliche Spielstätte eröffnet. Die riesige Feldsteinscheune, die mehr als 1000 Zuhörern Platz bietet, ist heute Hauptspielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, eines der größten Klassikfestivals in Deutschland.

„Mein Vater hat gespürt, dass hier etwas Tolles entsteht, in dieser Verbindung von Natur, alten Gebäuden und Musik. Er hat dieses Festival geliebt und er hat diese Landschaft geliebt“, erzählt Zamira Menuhin-Benthall. Die Tochter Menuhins, selbst Musikerin, war als Ehrengast zu der zweitägigen musikalischen Gedenkfeier nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen. „Es waren großartige Konzerte. Und ich kann die Empfindungen meines Vaters zutiefst nachempfinden“, bekennt sie. 

Mit drei Konzerten und einer Gesprächsrunde erinnerten die Festspiele an das Wirken des Ausnahmedirigenten und -geigers Yehudi Menuhin. Hope selbst schreibt seinem Mentor einen entscheidenden Einfluss auf die eigene künstlerische Entwicklung zu. Beide kannten sich seit 1984. Schon als Kind stand Hope mit Menuhin auf der Bühne, der Beginn einer langjährigen künstlerischen Partnerschaft und - wie Hope immer wieder betont - einer tiefen Verbundenheit, die über den Tod des Maestros 1999 hinausreicht.

Zum zehnten Todestag Menuhins 2009 hatte Hope bei dem libanesisch-französischen Komponisten Bechara El-Khoury ein Erinnerungsstück in Auftrag gegeben, das er am Samstag zusammen mit den Musikern aus Zürich auch in Ulrichshusen aufführte. Außerdem setzte Hope Werke von Mendelssohn Bartholdy, Bartók, Vivaldi, Elgar und Bach auf den Spielplan.

„Keines dieser Stücke ist zufällig in das Programm geraten. Zu den Kompositionen oder den Komponisten stand Menuhin in einer besonderen Beziehung“, erläutert Hope die Auswahlkriterien. Dabei rage Mendelssohns Violinkonzert d-Moll besonders heraus, das dieser im Alter von zwölf Jahren verfasst habe. „Menuhin hat dieses verschollene Stück in die Konzertsäle geholt. Eine unglaubliche Fügung, denn beide waren in ihrer Zeit Wunderkinder und großartige Künstler“, sagt Hope.

Die Gala in Ulrichshusen markierte am Wochenende etwa die Halbzeit der dreimonatigen Festspiele. Nach Angaben der Veranstalter wurden bislang etwa 60 000 Tickets verkauft und damit 80 Prozent des verfügbaren Angebots. Angesichts des großen Publikumsinteresses rechnet die Festivalleitung bis zum Abschlusskonzert am 17. September mit ähnlich vielen Gästen wie im Rekordjahr 2015, als 75 000 Musikliebhaber zu den mehr als 100 Veranstaltungen kamen.

dpa

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