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Es wird so viel herumgepunkt!

Es wird so viel herumgepunkt!

Bela B., der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, hat eine neue Solo-Platte mit dem Titel „Bastard“ herausgebracht

Er liebt Trash. Und er liebt Spaghettiwestern. Jetzt hat Bela B. beim Hörspiel zum Genreklassiker „Sartana. Noch warm und schon Sand drauf“ mitgemacht – und dazu gleich noch sein neues Solo-Album „Bastard“ veröffentlicht. Wir sprachen mit ihm über rauchende Colts und Punkrock.

Bela, du hast den Italowestern „Sartana“ als Hörspiel aufgenommen. Warum?

Bela B.: Der Regisseur, Leo Koppelmann, hatte erst die Idee, mit mir ein klassisches Horrorthema als szenisches Hörspiel zu machen. Im Gespräch sind wir aber auf Spaghettiwestern gekommen, und da ich kurz vorher diesen Film gesehen hatte, sagte ich, dass man, wenn man Lust auf das Genre hat, so etwas machen sollte und keinen Film aus der ersten Reihe wie „Django“ oder „Für eine Handvoll Dollar“.

Wie ging es weiter?

Es folgte ein Jahr Arbeit, an das Synchronbuch von Rainer Brandt heranzukommen; das war nicht so einfach. Dass die Band und Peta Devlin dabei sein würden, war von vornherein klar, auch Stefan Kaminski. Ich habe noch Oliver Rohrbeck mit reingebracht, weil ich mit dem befreundet bin. Dann haben wir das Hörbuch aufgenommen und das Album gleich mit. Jetzt sitze ich hier und promote beides.

Es ist ein selbst für Spaghettiwestern abwegiger Film mit einem Untertitel, den man kaum besser erfinden könnte: „Noch warm und schon Sand drauf“. Es klingt wie Fake News.

Ach, da gibt es noch ganz andere. In dem Song dazu habe ich viele Zitate aus anderen Filmtiteln genommen, „Mein Colt ist dein Fahrstuhl zum Schafott“ zum Beispiel. Das ist fast mein Favorit. Das Wort „Fahrstuhl“ in einen Western-Titel zu bringen, ist schon abenteuerlich. Es gibt so viele dieser Filme, dass ich gar nicht alle gucken kann. Aber es begegnet mir immer wieder formidabler Trash.

Aber du bist schon Fan des Genres?

Ja. Ich liebe die Klassiker wie „Für eine Handvoll Dollar“, „The Good, the Bad and the Ugly“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ich freue mich aber auch immer, meist sogar mehr, wenn mich so ein räudiges Teil packt, das die in zwei Wochen heruntergedreht haben. Es ist eine ganz eigene Welt. In der Blütezeit des Spaghettiwestern, letztlich in zehn Jahren, haben die 60 Filme pro Jahr gedreht.

Wann ging es für dich los? Das war so eine Bahnhofskinosache. Ich weiß noch, wie ich mit Jan, einigen bekannt als Farin Urlaub, in einem „Handvoll Dollar“-Doppel war.

Er steht auch darauf?

Ja, wobei ihm seine Zeit zu schade ist, sich dem wirklichen Trash zu widmen. Ich dagegen habe sogar eine ansehnliche Sammlung von Hai-Filmen. Ich genieße den Müll. Manchmal grenzt es zwar an harter Arbeit, aber da ich von meiner Mutter so erzogen bin, dass man seinen Teller leer isst, gucke ich mir so einen Film dann auch bis zum Ende an.

In dem Hörspiel heißt es, der Spaghetti-Western sei der Punk unter den Filmgenres. Was heißt das?

Im Nachhinein habe ich es bereut. Es wird so viel herumgepunkt, Businesspunk, Marketingpunk ... Es wird zur Plattitüde. Aber irgendwie stimmt der Satz: Beides ist unsauber, richtet sich gegen Konventionen und Gewohnheiten.

Wie viel Freude hat es gemacht, die Musik zu schreiben, die ja vollsteckt mit all den Konventionen des Genres?

Wir haben ja schon bei Den Ärzten Morricone-Ansätze zur Genüge benutzt. Das hat mir immer schon Spaß gemacht. Ich glaube, der Einfluss dieser Soundtracks auf die Gitarrenmusik der 80er Jahre ist gewaltig. Aber ja, das hat tierisch Spaß gemacht – war aber auch eine Herausforderung. Der Chinese im Western steckt zum Beispiel voller rassistischer Klischees. Darum sind wir bei dem Lied dazu über die Küche gegangen. Ich bin sehr stolz, wie das geglückt ist. Oder „Ode an das Bahnhofskino“: Den Song hätte ich thematisch so auch bei Die Ärzte angeboten. Darum steht, finde ich, diese Platte schon für sich, auch ohne Hörbuch.

Wie sieht das live aus?

Die Sprecher sitzen links, vom Publikum aus gesehen, in einer Reihe, rechts befindet sich die Bandbühne. Dazu kommt noch Stefan Kaminskis Podest mit seinem Geräuschethron. Das wirkt sehr imposant; er spricht dazu noch etwa acht Stimmen. Und Peta und ich sitzen mittig, auch in schöner Kleidung? ...

... mit Colt?

Mit Colt. Und ich habe geübt, ihn zu drehen und richtig einzustecken. Wir haben eine Leinwand über uns, für Film-Szenen und die Comic-Bilder von Robert Schlunze aus dem Booklet. Die bringen das Publikum immer wieder in die Handlung, weil das Hörspiel ja mehrere Ebenen hat: neben dem Western noch die, wo wir über Spaghettiwestern reden, und die, wo Peta, die Band und ich die Songs performen.

Da ist viel los auf der Bühne, und wir geben dem Publikum wenig Zeit zu verschnaufen. Zwei Stunden 15 geht das Ganze.

Wie wichtig ist die Metaebene?

Sehr. Sie stellt den Bezug zu mir her, der dieses Genre liebt und erklärt. Die Leute werden mit uns lachen, nicht über das Genre.

OZ

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