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Musik Father Misty: Auf dem Weg vom Kult- zum Superstar
Nachrichten Kultur Musik Father Misty: Auf dem Weg vom Kult- zum Superstar
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00:00 13.04.2017

Er ist schon äußerlich eine imposante Erscheinung, dieser hochgewachsene, löwenmähnige Joshua Michael Tillman alias Father John Misty. Seine Liveshows, in denen er mit dramatischer Gestik über die Bühnen tobt, gehören zu den eindrucksvollsten im Pop, sie sind Kult. Nun hat der 35-jährige Songwriter eine Platte gemacht, die seinem eigenen hohen Anspruch gerecht wird - als leicht verschrobener Superstar für sensible Intellektuelle, der seine bittersüßen Texte in prachtvolle Softpop-Melodien verpackt.

Bei einem so klugen US-Künstler scheint klar, dass ein neues Album nicht ohne Politik auskommen kann. Schon das Video zum Titelsong „Pure Comedy“ nährte vor einigen Wochen den Verdacht, dass sich Father John Misty am frisch gewählten Präsidenten Donald Trump abarbeiten will.

Es sei aber eher Zufall gewesen, dass Trumps bedrohlich wirkende Amtseinführung und die Videoproduktion zusammenfielen, sagt der Sänger im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Und er betont, nicht zum letzten Mal in dem Gespräch: „Es geht nicht nur um Donald Trump auf diesem Album. Es gibt doch auch sonst keinen Mangel an Idiotie auf unserem Planeten.“

Ja, „Pure Comedy“ sei ein Protestalbum – „aber ich protestiere eigentlich schon mein ganzes Leben lang“, betont Tillman. „Und das beschränkt sich auch nicht auf Republikaner oder konservative Christen oder Mittelklasse-Amerikaner. Ich will auch gar nicht nur mit dem Finger auf andere Leute zeigen.“

Mit den 13 teilweise sehr langen, in ihrer Textlastigkeit oft an Bob Dylan erinnernden Folkrock-Liedern habe er ein größeres Panorama entwerfen wollen. „Eigentlich geht es darum, wie kurz das Leben ist, wie winzig und hilflos wir Menschen sind. Und es geht um die Liebe, die wir gern nur als romantische Sache betrachten – dabei ist sie im wahrsten Sinne entscheidend für unser Überleben.

Wir müssen mehr aufeinander aufpassen.“

Father John Misty hat dafür einige sehr bewegende, persönliche Worte gefunden, etwa im grandiosen Opener („Am Ende haben wir nur uns selbst“) oder in der Ballade „In Twenty Years Or So“ („Es ist ein Wunder zu leben, wir müssen nichts fürchten“). Dennoch, so vermutet der Ex-Schlagzeuger der Neo-Folk-Erfolgsband Fleet Foxes, werde am Ende wohl alles reduziert auf politische Aspekte. „Es stinkt mir, dass diese Platte jetzt nur als das Anti-Donald-Trump-Album gilt.“ Eigentlich wolle er „den Menschen doch Vergnügen bereiten, sie ermutigen“. Nun bekomme er böse Reaktionen von beiden Seiten. „Die Rechten empfinden das Album als weinerliche, linksliberale Tirade gegen Religion und ihren Lebensstil. Die Linken sehen darin den selbstgerechten Mist eines zynischen Schlaumeiers.“

Werner Herpell

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