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Funny van Dannen: „Niemand sollte sich verstecken müssen“

Funny van Dannen: „Niemand sollte sich verstecken müssen“

Der Liedermacher hat sein 14. Album „Come on – Live im Lido“ herausgebracht / Dem OZelot sagt er, warum er für mehr Lockerheit im Leben plädiert

So jemanden wie Funny van Dannen (58, verheiratet, vier erwachsene Söhne) gibt es nur ein einziges Mal auf der Welt. Der Maler, Schriftsteller und Liedermacher – Geburtsname Franz-Josef Hagmanns, Geburtsort Tüddern am Niederrhein – schafft es auch auf seinem 14. Album „come on – Live im Lido“ wieder, so nahtlos wie natürlich zwischen feinem Humor und tieferem Ernst zu pendeln. Und im Gespräch in seinem Berliner Wohnatelier macht er das genauso.

Funny, du Schelm.

Funny van Dannen: Oh Gott, was habe ich getan?

Jogi Löw geoutet. Und zwar in deinem neuen Lied „Latente Homosexualität“.

Funny (lacht laut): Ach, herrje, klar. Aber ich lasse das ja in der Schwebe. Der Bundestrainer soll sich selber irgendwann outen. Oder auch nicht.

Also, du singst ja schon, dass Löw eben nicht latent homosexuell ist, sondern

Funny: Ja, ja, ich weiß. Aber der Song ist natürlich ein Witz. Man muss das ja auch nicht so sehen wie ich.

Du denkst also schon, dass er

Funny: schwul ist? Ja, ich tendiere zu dieser Annahme. Aber wie gesagt, ich habe gar kein Interesse an einem Outing oder so. Darum geht es ja gerade in dem Song.

Worum geht es genau?

Funny: Darum, dass dieser Blödsinn endlich aufhört, dass Leute denken, sie müssten sich wegen ihrer sexuellen Orientierung verstecken. Ich finde es unsäglich, dass wir uns im Jahr 2016 noch mit solchen Fragen und Problemen herumschlagen. Ich finde es schrecklich, dass die Leute nicht einfach offen leben können, wie sie wollen und wie sie sind.

Also ist „Latente Homosexualität“ wie so oft bei dir ein heiterer Song mit einem ernsten Hintergrund?

Funny: Genau. Mein Interesse in dieser Frage ist, die Gesellschaft zu lockern. Einige fragwürdige Kreise sind ja schon wieder auf dem Weg zurück in den noch tieferen Mief. Ich bestehe darauf, dass wir den Weg des gesellschaftlichen Fortschritts weitergehen.

Du hast dein Album live im Berliner Club Lido aufgenommen. Warum dort?

Funny: Der Club hat eine tolle Atmosphäre und mit ungefähr 500 Leuten genau die richtige Größe für mich. Und ganz früher, als ich nach Berlin kam, Ende der 70er, hatte ich dort um die Ecke meine erste Wohnung. Damals war das Lido noch eine Probebühne, und später ein Kino.

Die Lieder waren für das Publikum also alle neu?

Funny: Ja, das war im Grunde so ein Schnellschuss. Wir waren noch gut in Schwung von der Tournee, ich hatte all diese Lieder, also sagte ich mir: „Komm, ich mache was damit“. Es waren zwei schöne Abende. Dass ein Album daraus entsteht, war zwar meine Hoffnung, aber ich wollte erst mal gucken. Hat dann alles prima funktioniert.

In „Wir Deutschen“ wagst du einen relativ sanften, versöhnlichen Blick auf uns. Du sagst: „Wir Deutschen sind so normal“ oder auch: „deutsche Herzen sind nicht mehr rau wie Stein“. Findest du die Deutschen wirklich so sympathisch?

Funny: Ja, an sich schon. Ich wollte mit dem Lied ein Gegengewicht schaffen gegen die ganze Hysterie und den Wahnsinn, der gerade überall abläuft. Also, zum Beispiel die Flüchtlinge. Ich verstehe diese ganzen Kritiker und Besserwisser nicht, die sich immer aufspielen und so tun, als würde unser reiches Land untergehen, nur wenn wir ein paar tausend mehr von denen hier aufnehmen. Ja, man muss doch wirklich nicht verrücktspielen, wenn Leute zu uns kommen, denen es wirklich dreckig geht. Dass grundsätzlich geregelt werden muss, wer unter welchen Voraussetzungen ins Land darf, das ist klar und überfällig. Aber diese Hysterie, noch verstärkt von solchen Scheißvereinen wie AfD und Pegida, die wollte ich mal runterfahren.

Interview von Steffen Rüth

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