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Musik Gentleman verwebt Geschichte in Musik
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00:00 18.04.2013
Mit Hut, Bart und neuer Platte: Der Kölner Musiker Gentleman. Quelle: Pascal Bünning/ promo

Seit 20 Jahren steht Tilmann Otto alias Gentleman auf der Bühne. Sein Vater ist ein deutscher Pastor aus Köln, seine Frau stammt aus Amerika und sein Publikum findet er auf der ganzen Welt.

Mal macht Gentleman Roots-Reggae und Dancehall, mal HipHop und Pop. „New Day Dawn“, das siebte Studioalbum des Sängers und Songwriters, ist das Ergebnis all dieser Einflüsse. Mit dem OZelot spricht der 38-Jährige über den Tod seines besten Freundes und warum Lachse ihm gute Laune machen.

OZelot: Tilmann Otto, erstmals singst und spielst du auf einem Album alle Songs ohne Duett-Partner. Willst du dich mit der aktuellen Platte neu erfinden?

Gentleman: Man fängt mit jedem Album bei null an, aber ich wollte mich nicht bewusst neu erfinden. Vieles ist einfach passiert, weil ich Hunger auf Neues und auch viel erlebt hatte.

Das sollte sich musikalisch manifestieren. Wir haben uns teilweise so lange ins Studio eingeschlossen, bis ein Song wirklich fertig war. So viel Eigenregie gab es bei mir noch nie. Zwar habe ich das Material zum größten Teil allein geschrieben, aber ich arbeite gern mit anderen zusammen. Dieses Album ist sehr vielseitig. Es gibt sowohl rootslastige Songs als auch moderne elektronische Beats.

OZelot: Die Aufnahmen sind in Köln, Berlin und Kingston entstanden. Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit in Deutschland und in Jamaika?

Gentleman: In Kingston bin ich mit Leuten zusammen, die das Beste aus mir als Sänger herauskitzeln. Hier in Deutschland gibt es nicht viele, die mir Tipps in der Richtung geben können. Der Jamaikaner Danny Brownie zum Beispiel ist ein Produzent mit enorm viel Erfahrung. Manchmal geht es nur darum, an einer Stelle ein bisschen höher zu singen oder ein bestimmtes Wort anders auszusprechen.

OZelot: Welche persönlichen Erlebnisse aus der letzten Zeit sind in die Songs mit eingeflossen?

Gentleman: „Another Drama“ zum Beispiel geht zurück auf mein Konzert in Kairo im vergangenen Jahr. Wir sind damals mit unserem kleinen Tourbus am Tarir-Platz vorbeigefahren und konnten die Revolution direkt riechen. In Kairo habe ich Geschichte live erlebt: Was Menschen bewegt, mit dem Alten abzuschließen und Neues zu ersehnen. Der Song handelt davon, dass Demokratie wirklich Zeit braucht. Leider wurde der arabische Frühling zum arabischen Herbst.

OZelot: In einem anderen Song beschäftigst du dich mit dem Tod. Was gab Anlass dazu?

Gentleman: Mein bester Freund ist gestorben. Er hieß Werner und war als Fotograf 20 Jahre mit uns unterwegs. Das habe ich in dem Song „Memories“ verarbeitet. So bin ich mit der Situation und dieser Leere viel besser klargekommen. Man muss diese Phasen akzeptieren. In dem Albumtitel „New Day Dawn“ schwingt viel Hoffnung mit, denn ich finde uns Menschen gar nicht so schlecht. Ich bin immer noch sozialkritisch und hinterfrage vieles, und trotzdem geben mir bestimmte Strömungen Hoffnung.

OZelot: Welche zum Beispiel?

Gentleman: Ich gehe mit meinem Sohn am Rhein entlang und stelle fest, es gibt da drin wieder Lachse. Als ich so alt war wie er, war es undenkbar, dass die Flüsse in Deutschland jemals wieder sauber werden oder dass Rauchen irgendwann nicht mehr cool sein würde. Vegetarier gelten heute nicht mehr als exotisch. Menschen gehen wieder auf die Straße, wenn ihnen etwas nicht passt.

Regime werden gestürzt mit Hilfe der neuen Medien. Allerdings muss man mit dem Neuen richtig umgehen können. Ich glaube, wir leben in einer bedeutenden Epoche. Allerdings vermisse ich in der globalisierten Welt ein wenig das Individuelle. Früher schrieb man Briefe, heute tippt man Text-Messages.

OZelot: Ist Musik in der Lage, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen?

Gentleman: Ich finde, Musiker müssen auch politisch und sozialkritisch sein. Die Melodie muss aber stimmen. Sonst hört keiner zu.

Ein Leben zwischen Köln und Jamaica
Gentleman wurde in Osnabrück geboren, ist in Köln aufgewachsen und lebt dort immer noch. Der Sohn eines evangelisch-lutherischen Pastors nennt Jamaika seine „zweite Heimat“, weil er dort regelmäßig hinreist.

Der inzwischen zweifache Vater begann seine Karriere, als er mit der Band Freundeskreis zusammenarbeitete und die Single Tabula Rasa herausbrachte. Er gilt als einer der wenigen deutschen Reggaemusiker, deren Musik auch in Jamaika populär ist. Sein drittes Album „Confidence“ stieg 2004 auf Anhieb auf Platz 1 der deutschen Charts ein.

• Online:

www.gentleman-music.com

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