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Gisbert zu Knyphausen über neuen Mut und treue Fans

Kreativpause Gisbert zu Knyphausen über neuen Mut und treue Fans

„Die Welt ist grässlich und wunderschön“, sang Gisbert zu Knyphausen vor einigen Jahren. Auch seine neuen Lieder schwanken zwischen Wehmut und leiser Hoffnung. Durch ein trauriges Ereignis klingen die Texte des Wahl-Berliners jetzt sogar noch etwas zerbrechlicher.

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Gisbert zu Knyphausen in Berlin in seinem Tonstudio.

Quelle: Maurizio Gambarini

Berlin. Seit dem gefeierten Debüt vor knapp zehn Jahren verknüpft Gisbert zu Knyphausen (38) in seinen Songs kitschfreie Melancholie, vorsichtigen Optimismus und sensible Alltagsbeobachtungen. Der gebürtige Hesse aus dem Rheingau klingt trotz einiger Hamburg-Jahre weniger norddeutsch knorrig als Element Of Crime, weniger abstrakt als Blumfeld oder Tocotronic.

Die Deutsche Presse-Agentur sprach mit Knyphausen über seine Karrierepause, Themen des neuen Albums „Das Licht dieser Welt“ - und die Treue seiner Fans.

Frage: Es hat sieben Jahre gedauert seit dem zweiten Studioalbum, fünf seit der Zusammenarbeit mit Nils Koppruch im Bandprojekt Kid Kopphausen. Was ist inzwischen passiert?

Antwort: Ja, ich habe mir Zeit gelassen und viele unterschiedliche Ideen angesammelt, die ich auf dem Computer ruhen ließ. In der Zwischenzeit war ich im Iran und in Russland unterwegs, habe bei Olli Schulz in der Band gespielt. Irgendwann bin ich mit dem Texten gar nicht mehr hinterhergekommen, da war mein Spieltrieb wieder entfacht. Und es gab die bewusste Entscheidung zu gucken, was musikalisch noch so passieren kann. Dafür habe ich mit neuen Musikern gearbeitet - auch wenn es weh tat, mich von meiner alten Band zu trennen.

Frage: Hatte die Pause auch mit dem Tod deines Freundes Nils Koppruch zu tun? Er starb vor fast genau fünf Jahren kurz nach der Veröffentlichung eurer gemeinsamen Platte „Kid Kopphausen I“.

Antwort: Auf jeden Fall, das war eine Art Schockstarre, in die ich da geraten bin. Wenn so eine Band losgeht und so viel Spaß macht, und dann passiert so etwas - dann hat man das Gefühl, gegen die Wand zu laufen und zu Boden zu gehen. Es hat mich nach Nils' Tod sehr traurig gemacht, wenn ich die Gitarre anfasste. Ich musste mich sammeln und aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Ich hatte in dieser Zeit zwar Songideen, wollte aber nicht immer nur traurige Lieder schreiben.

Frage: Gibt es auf dem neuen Album „Das Licht dieser Welt“ Brücken aus deiner Zeit mit Nils Koppruch ins Hier und Jetzt?

Antwort: Ja, die Lieder „Niemand“ und „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“ stammen aus dieser Phase. „Niemand“ entstand mit dem Kid-Kopphausen-Album, fiel damals aber hintenüber. Der Song war mir aber immer wichtig und hat jetzt den prominenten Platz des Eröffnungsstücks bekommen. „Etwas Besseres...“ hatte Nils zu schreiben begonnen, dieses Lied habe ich mir nochmal vorgenommen, es leicht ergänzt und abgeändert, so dass es nun für mich funktioniert. Es gibt sogar einen Schnipsel mit Nils' Gesang am Ende. Das war ein schöner Weg, den Kreis zu schließen.

Frage: Der Titelsong „Das Licht dieser Welt“ klingt sehr persönlich - als seiest du gerade Vater geworden.

Antwort: Ich bin nicht selbst Vater geworden, konnte mich aber in dieses Glücksgefühl gut reinversetzen. Denn vielen meiner Freunde, auch meinen Brüdern ist das in den letzten Jahren passiert. Das hat mich inspiriert, ebenso eine Schilderung des norwegischen Schriftsteller Karl Ove Knausgard, die mich zu Tränen gerührt hat. Und ich selbst bin immerhin Stief- oder Ziehvater geworden - meine Freundin hat eine Tochter. Die beiden tauchen auf im Lied „Dich zu lieben ist einfach“. Das ist wohl der Text, den man am ehesten eins zu eins auf mein Leben übertragen kann.

Frage: Erstmals singst du zwei englische Texte, mit deutlich hörbarem deutschen Akzent. Wie kam es dazu?

Antwort: Es war vor allem Neugierde im Spiel, auch durch die Reisen, die ich zuletzt gemacht hatte, mit vielen neuen englischen Textideen. Ich kann natürlich im Deutschen viel feiner texten, weil ich da einen ganz anderen Wortschatz habe. Doch davor sollte man keine Angst haben. Ich fände es aber albern, als Nicht-Muttersprachler einen englischen oder amerikanischen Akzent nachzuahmen. Dabei würde ich mir sehr falsch vorkommen. Die beiden Lieder sollten trotz der englischen Sprache sehr nach mir klingen.

Frage: Bei deiner Tournee sind viele Konzerte schon früh ausverkauft. Du scheinst treue Fans zu haben...

Antwort: Schon bei Auftritten mit der Kid-Kopphausen-Band und ein paar Solokonzerten im vorigen Jahr habe ich gemerkt, dass mich die Leute nicht so schnell vergessen. Was ein total schönes Gefühl ist. Jetzt freue ich mich sehr darauf, die neuen Songs live zu spielen. Es wird einen Querschnitt aus altem und neuem Material geben. Ich spiele gern lange Konzerte, da ist genug Platz für ganz viele Lieder.

ZUR PERSON: Der 1979 in Wiesbaden geborene Sänger und Gitarrist Gisbert zu Knyphausen veröffentlichte 2008 sein selbstbetiteltes Debütalbum, das ihn auf Anhieb in der ersten Reihe der deutschen Liedermacher etablierte. 2010 zog der Weingutsbesitzer-Sohn von Hamburg nach Berlin und brachte sein zweites, bei Kritik und Käufern ebenfalls sehr erfolgreiches Werk „Hurra! Hurra! So nicht“ heraus. Nach einem Album mit Nils Koppruch unter dem Bandnamen Kid Kopphausen (2012) zog sich Knyphausen einige Jahre zurück. Nun erscheint sein drittes Soloalbum - wie schon früher begleitet von einer limitierten Edition des Knyphausen-Rieslingweins aus dem hessischen Rheingau. 

Das Album „Das Licht dieser Welt“ von Gisbert zu Knyphausen erscheint an diesem Freitag (27. Oktober) über Pias. - Konzerte 2017: 27./28.10. Berlin (Lido), 29.10. Hamburg (Uebel & Gefährlich), 30.10. Leipzig (Werk 2), 01.11. Köln (Gloria), 02.11. München (Technikum), 03.11. Zürich (Bogen F), 04.11. Schorndorf (Manufaktur), 05.11. Hannover (Faust). -

dpa

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