Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Musik Hamburg feiert Naganos „Frau ohne Schatten“
Nachrichten Kultur Musik Hamburg feiert Naganos „Frau ohne Schatten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:02 17.04.2017
Für die Strauss-Oper „Die Frau ohne Schatten“ gab es begeisterten Premierenbeifall. Quelle: Markus Scholz
Anzeige
Hamburg

Schlicht gesehen ist Richard Strauss' Opernwerk „Die Frau ohne Schatten“ Fantasy pur. Um den Zeitgeist zu bedienen, hätte man für das von Hugo von Hofmannsthal erfundene Märchenspiel um den Geisterfürsten Keikobad nur die aktuellsten Licht- und Videoshow-Effekte auffahren müssen.

Doch Hamburg entschied sich gegen galaktisches Feuer. Auf der Bühne nichts weiter als lange nackte Stangen, die wie kommunizierende Röhren aus der gleißenden Höhe des Geisterreichs in die Tiefe der Menschenwelt stoßen.

Ein symbolstarkes Netz-Werk, das signalisierte: Hier geht es nicht nur um den Kampf zweier vorgeblich feindlicher Sphären, hier geht es ums Miteinander, um humanen Zusammenschluss. Ganz so, wie es Hofmannsthals Libretto vorgab und Strauss es mit der ingeniösen Verflechtung seines gesamten Themen-Materials musikalisch realisierte. Es war ein Glück des Premierenabends, dass Kent Nagano am Pult der vorzüglichen Philharmoniker just diese grandiosen Verflechtungen und Überlagerungen aufs Bezwingendste hörbar machte.

Regisseur Andreas Kriegenburg, mit dem Nagano schon mehrfach in München zusammengearbeitet hatte, hielt das hochkomplexe Bühnen-Geschehen mit unterschiedlichem Gelingen in Fluss. Durchaus schlüssig kehrte er die psychologische Glaubwürdigkeit vor allem des Färber-Paares heraus, dem die kinderlose Kaiserin, Keikobads Tochter, den menschlichen Schatten der Fruchtbarkeit abjagen muss, um den Kaiser vor tödlicher Versteinerung zu retten.

Es ist ein verzweifelter Kampf gegen das zerstörende Gift der Selbstsucht, von der allein der Färber Barak frei ist. Er war denn auch in der Person des strahlkräftigen Andrzej Dobber der große Kraftpol dieser Inszenierung. Wobei ihm mit Lise Lindstrom eine höchst attraktive junge Färberin zur Seite stand, die einmal nicht als keifende Hyäne vorgeführt wurde, sondern von Beginn an als liebesfähig und wandlungsbereit. Die Kalifornierin sang die Partie mit erregender Intensität.

Die stärkste Identifikationsfigur der Hamburger Neuproduktion aber war die Kaiserin der Emily Magee. Sie gab dem hochdramatischen Prozess des Verzichts zugunsten des leidenden Färberpaares mit anrührendster Leidenschaft Stimme und Gestalt. Der heldisch auftrumpfenden Amme der Linda Watson war sie so ein glanzvoller Widerpart, während Roberto Sacca den Kaiser vor allem geschmeidig und elegant hielt.

Kriegenburg hätte freilich der Färberin und der Kaiserin nicht auch noch Doubles beigeben müssen, die zudem in Krankenbetten über die Bühne geschoben wurden. Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, unter traumatischem Gebär-Zwang: ziemlich dick aufgetragen.

Das Finale mit den ewig ballspielenden Kindern und den beiden Paaren auf blütenweißen Parkbänken trieb gar ungehindert in den Kitsch. Nur gut, dass Nagano bei aller bombastischen Verzückung die Balance hielt, ohnehin vor Schärfen und grellen Attacken nicht zurückschreckte. Es gab langen, begeisterten Premierenbeifall.

dpa

Mehr zum Thema

Die Offiziellen Deutschen Charts erscheinen wegen der Osterfeiertage erst am Dienstag (18.4.). Aber es gibt schon einen Trend.

12.04.2017

Bei der Verdi-Gala im „Bachgarten“ erklingen die bekanntesten Arien des Komponisten. Solisten und Chormitglieder der Festspieloper Prag treten auf.

13.04.2017

Mit der Überraschungsveröffentlichung im letzten Jahr von „untitled unmastered.“ hat Kendrick Lamar die Wartezeit auf sein neues Album verkürzen wollen. Und das ist jetzt erschienen, „Damn.“ heißt es.

14.04.2017

Jane Birkin singt seit mehr als 30 Jahren Gainsbourg. Doch diesmal klingen die Chansons des „Enfant terrible“ anders. Ihre Tournee bringt die 70-Jährige auch nach Deutschland.

16.04.2017

Die Sängerin hat sich lange aus den sozialen Netzwerken herausgehalten. Jetzt ist sie wieder da und hat schöne Baby-News für ihre Fans.

15.04.2017

In den 90ern feierte die Band Jamiroquai ihre größten Erfolge. Dazu trug auch ihr ehemaliger Keyboarder Toby Smith bei. Kürzlich ist er überraschend verstorben. Nun widmet ihm der Band-Frontmann einen Nachruf.

15.04.2017
Anzeige