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Harry Styles: Nachdenkliches Debüt

Harry Styles: Nachdenkliches Debüt

Mit One Direction füllte er weltweit große Hallen / Jetzt hat der Brite seine erste Soloplatte herausgebracht – sie klingt reif und nachdenklich

Es ist mehr als 18 Monate her, da stand die britisch-irische Erfolgs-Boygroup One Direction letztmals zusammen auf der Bühne. Zum Leidwesen ihrer meist weiblichen Fans verabschiedeten sich die vier Jungs Ende 2015 in eine unbestimmte Auszeit. Auch um sich um Solo-Projekte zu kümmern. Fanliebling Harry Styles hat die Zeit genutzt – und sein erstes Solo-Album herausgebracht.

One Direction, zusammengesetzt in der Castingshow „The X Factor“, waren vor ihrer Pause eine der angesagtesten Boybands der Welt. Hits wie „Story of My Life“ oder „Drag Me Down“ liefen im Radio rauf und runter. Styles und seine Kollegen Louis Tomlinson, Niall Horan, Liam Payne und Zayn Malik, der im März 2015 ausstieg, brachten zwischen 2010 und 2015 fünf Alben raus, verkauften über 50 Millionen davon und gingen jedes Jahr auf große Tournee. 

Als es zu Ende ging, wollten die vier jungen Männer Anfang 20 nur eins: ihre Ruhe. „Da freuen wir uns drauf: alle zu sehen, zu entspannen, und einfach mal einen Moment lang zurückzublicken und zu denken, Mann, wir haben echt was ziemlich Cooles gemacht“, sagte Horan damals.

Styles arbeitete kurze Zeit später bereits an seinem Solo-Album, aber auch an einer Hollywood-Karriere. Im Kriegsfilm „Dunkirk“ von Christopher Nolan, der im Sommer in die Kinos kommt, spielt der 23-Jährige einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. 

Danach ging es für Styles ins Studio nach Jamaika, wo er mit seiner Band die meisten Songs für sein Debüt-Album aufnahm. Darauf singt er vor allem über seine ganz persönlichen Erfahrungen. „Das Wichtigste für mich war es, ehrlich zu sein. Das hatte ich vorher nie gemacht“, sagte er dem US-Musikmagazin „Rolling Stone“. 

Die Platte hat deshalb einen simplen, aber nachvollziehbaren Namen: „Harry Styles“. Schon die erste Single, „Sign of the Times“, zeigt einen reifen und nachdenklichen jungen Mann.

Die fast schon epische Indie-Pop-Ballade ist fünfeinhalb Minuten lang und befasst sich mit der aktuell wieder einmal konfliktreichen Weltlage. „Wir reden nicht genug / Wir sollten uns öffnen / Bevor es alles zu viel wird / Werden wir jemals lernen? / Wir waren hier schon einmal / Das kennen wir bereits.“ 

Nachdenkliche und ungewöhnliche Worte für einen Boygroup-Sänger, der sich damit eine neue Zielgruppe erschließen könnte. Weg von kreischenden Teenies, hin zur älteren Generation, mit dem Sound von  Prince und David Bowie, an den sich der britische „Guardian“ bei „Sign of the Times“ erinnert fühlt. Unter den zehn Songs sind laut „Rolling Stone“ klassische Rocksongs („Kiwi“) und verschachtelt-psychedelische Popstücke („Meet Me in the Hallway“). 

Auch das zweite, vorab veröffentlichte Liebeslied „Sweet Creature“ klingt wenig nach Boygroup, viele auf Twitter erinnert es an die Beatles oder Fleetwood Mac. Es war der erste Song, den Styles für sein neues Album geschrieben hat. Mit dem geht der Frauenschwarm im Herbst auf Welttour, die ihn auch in kleinere Hallen nach Köln und Berlin führt. Die Tickets waren in kürzester Zeit ausverkauft.

Und was machen Styles’ „1D“-Kollegen inzwischen? Ex-Mitglied Malik hat seine Solo-Karriere längst erfolgreich gestartet, etwa mit dem „50 Shades“-Soundtrack „I Don’t Wanna Live Forever“. Horan brachte im Herbst die Akustik-Ballade „This Town“ raus, der frischgebackene Vater Payne will ebenfalls bald solo loslegen. Und Tomlinson kümmert sich um seinen einjährigen Sohn und sein Plattenlabel. Schwer vorstellbar, dass sich die Fans von One Direction auf eine baldige Rückkehr freuen können.

Thomas Bremser

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