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Musik Heimatlieder und Hassgesang: Schwieriger Umgang mit Rechtsrock
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11:52 12.03.2013
Mausoleum vor der O2-World in Berlin: Eine Werbeaktion für das neue Rammstein Album «Made in Germany 1995-2011». Foto: Florian Schuh
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Berlin

Die Debatte, wann etwas rechtsextreme Musik ist oder nicht, wann es um Heimatverbundenheit und wann um wirklich extremistische Texte geht, ist nicht neu. Gruppen wie Böhse Onkelz haben Millionen Platten verkauft. Ihre Lieder laufen im Radio, auch wenn Kritiker ihnen Deutschtümelei vorwerfen.

Problematisch wird es für viele erst dann, wenn die Heimatverbundenheit in Nationalismus und offenen Fremdenhass umschlägt. Auch das ist kein Randphänomen in Deutschland: Bundesweit gibt es Hunderte rechtsextreme Rockbands, in denen Neonazis Schlagzeug oder Gitarre spielen. Sie nennen sich Blitzkrieg oder Macht&Ehre - und hetzen gegen Ausländer oder schwadronieren vom „Endsieg“.

Nach Beobachtung des Verfassungsschutzes wird Musik für Rechtsextremisten zur Verbreitung ihrer Ideologien immer wichtiger. Erst vor einigen Tagen setzte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wieder Schulhof-CDs der NPD auf den Index. Die rechtsextreme Partei soll die CD im Landtagswahlkampf in Niedersachsen in einer Auflage von 20 000 Stück eingesetzt haben. Seit Jahren versuchen Neonazis so, ihr Gedankengut auf Schulhöfen zu verteilen und Nachwuchs zu gewinnen.

Rechte Musik sei eine gefährliche „Einstiegsdroge“, warnte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) bei einer Fachtagung des Verfassungsschutzes. In Brandenburg gibt es über 20 Neonazi-Rockbands, so viel wie in kaum einem anderen Bundesland. Mit dem Vertrieb von Musik und Kleidung verdient die Szene inzwischen jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Ein Musiksoziologe erklärte bei der Tagung, dass hetzerische Krawallmusik die Hemmschwelle zu Gewalttaten senken könne.

Aber was ist Krawall und was harmlose Heimatliebe? Wie weit geht Meinungsfreiheit und was muss auf den Index? Darüber streiten Experten immer wieder. In einem Text von Frei.Wild heißt es: „Südtirol, sind stolze Söhne von dir. Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her.“ Anhänger der Band können nicht verstehen, was daran rechtsextrem sein soll. Gegner finden die Texte nationalistisch, die Musiker wehren sich gegen die Vorwürfe. Nach heftigen Protesten wurde die Band schließlich von der Liste des Musikpreises Echo gestrichen.

In einer Stellungnahme der Band am Samstag hieß es, die Gruppe - und vor allem der Sänger Philipp Burger - distanziere sich eindeutig von jeder Form des politischen Extremismus. Burger habe sich vor 15 Jahren von seiner Vergangenheit als Skinhead gelöst und fordere bei Konzerten schon immer „Nazis raus“.

Andere sehen das anders. „Frei.Wild vermitteln in ihren Texten eine Blut- und Bodenideologie. Das ist wirklich lupenrein rechtsextrem - da gibt es nichts misszuverstehen“, sagt Torsun Burkhardt, Sänger der Electro-Punkband Egotronic. Irritierend findet er die große Empörung von Medien und Musikfans, die sonst an Deutschtümelei keinen Anstoß nähmen - etwa bei der Band MIA.

Die Berliner Popgruppe hatte aus Protest gegen Frei.Wild ihre Teilnahme am Echo-Rennen abgesagt. Vor einigen Jahren stand MIA. wegen ihres Hits „Was es ist“ aber selbst in der Kritik. Der Song besingt einen neuen, entspannten Umgang mit Herkunft und Geschichte. „MIA. propagieren hier einen Schlussstrich-Patriotismus“, meint Sänger Burkhardt. Sie wollten sich endlich wieder ohne schlechtes Gewissen zu Deutschland bekennen dürfen. Dass sich viele Deutsche heute einen unbeschwerten Patriotismus wünschen, zeigt sich immer wieder am schwarz-rot-goldenem Fahnenmeer zu Fußball-Weltmeister- oder Europameisterschaften. Viele haben bei diesem neuen Bekenntnis zu Deutschland allerdings auch ein mulmiges Gefühl.

dpa

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