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Musik Heißkalt:„Wir beäugen die Musik-Industrie kritisch“
Nachrichten Kultur Musik Heißkalt:„Wir beäugen die Musik-Industrie kritisch“
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00:00 29.09.2016
Seit kurzem nur noch zu dritt: Marius Bornmann (v.l.), Mathias Bloech und Philipp Koch sind Heißkalt. Quelle: promo

Heißkalt gehört zu den derzeit innovativsten Bands in Deutschland. Die Musik der Stuttgarter changiert zwischen Postrock und Hardcore und ist energisch und dunkel.

Wir machen uns viele Gedanken über die Welt.“

Marius Bornmann,

Schlagzeuger

Man hat alles in der Hand und muss das Industrie-Spiel in keinster Weise mitspielen.“Marius Bornmann, Schlagzeuger

Ihr macht rasiermesserscharfen, kompromisslosen Alternative Rock und Hardcore mit deutschen Texten. Gab es dafür ein Vorbild?

Marius: Als wir anfingen, gab es keine prominenten Beispiele für härtere Gitarrenmusik auf Deutsch. Es gab zwar Bands wie Escapado oder Turbostaat, aber wir wurden zuerst in eine Schublade mit Gruppen wie Madsen gepackt. Das hat sich im Lauf der Zeit gewandelt.

Im „Lied über Nichts“ heißt es: „Am Ende gewinnt doch immer der Kapitalismus“. Verweigert ihr euch den Gesetzen der Musikindustrie?

Marius: Wir verweigern uns der Industrie nicht, aber wir beäugen sie kritisch und machen vieles auf unsere Weise. Im Prinzip hat man alles in der eigenen Hand und muss das Industrie-Spiel in keinster Weise mitspielen. Wir machen uns nicht nur Gedanken über die Musikindustrie, sondern generell über die Welt. Wir reden viel über alternative Konzepte und versuchen, auch unsere Hörer zum Nachdenken zu bringen.

Nach „Vom Stehen und Fallen“ ist kürzlich das Album „Vom Wissen und wollen“ erschienen. Wolltet ihr an einen gewissen Sound oder ein Gefühl anknüpfen?

Marius: Grundsätzlich wollten wir nicht alles auf den Kopf stellen und da anknüpfen, wo wir aufgehört hatten. Aber der Sound, wie er jetzt auf Platte gelandet ist, hat sich erst nach und nach ergeben. Wir wollten mit Arrangements experimentieren und mit Songstrukturen brechen. Was passiert, wenn ein Song mal keinen Chorus hat? Dadurch ist eine sehr sperrige Platte entstanden, die auf jeden Fall eine Weiterführung des Vorgängers ist. Es war viel Arbeit im Proberaum, aber keine gezielte Sache.

Wie hart arbeitet ihr an eurer Musik?

Marius: Sehr hart. Das Musikmachen ist für uns keine Nebensache und wir gehen auch nicht nur aus Spaß auf Tour. Uns ist sehr wichtig, wie unsere Musik klingt und was wir damit rüberbringen.

Wir verbringen im Studio viel Zeit mit Detailarbeit. Wir können uns auch vorstellen, in Zukunft mit verschiedenen Herangehensweisen zu spielen.

Vom Alter her gehört ihr eigentlich zur Generation Hip-Hop. Wieso seid ihr bei der harten Gitarrenmusik gelandet?

Marius: Wir sind jetzt alle Mitte bis Ende 20. Vor 10, 15 Jahren fingen wir an, uns für Gitarrenmusik zu interessieren, weil uns die Energie dieser Art von Musik eher packte als die Energie von Hip-Hop. Damit konnte ich damals gar nichts anfangen. Heute sehe ich das etwas differenzierter.

Bushidos Album „Sonny Black“ gilt als jugendgefährdend und steht auf dem Index. Fändet ihr es cool, auch auf dem Index zu landen?

Marius: Für uns wäre das die verkehrte Herangehensweise. Es hat meistens einen politischen Hintergrund, wenn man mit einer harten Aussage auf dem Index landet. Wir würden niemals unsere Musik mit Worten verzieren, nur um zu provozieren.

Wogegen rebelliert ihr mit euren Songs?

Marius: Grund zu rebellieren gibt es momentan genug. Was unsere Musik angeht, steht eine Sache im Vordergrund: nämlich dass man menschlich miteinander umgeht und sich nicht vor Fremden verbarrikadiert. Dass man mit offenen Armen aufeinander zugeht und sich gegenseitig hilft.

Live: 6. 10., Mau Club, Beginn: 20 Uhr

Interview von Olaf Neumann

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