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Musik „Ich bin ein kurioses Geschöpf“
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10:36 11.04.2013
Die Geige gehört zu ihr, seitdem sie sechs Jahre alt ist: Lindsey Stirling kombiniert Klassik mit Rock und Elektro. Quelle: promo
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Ganz so erotisch aufgeladen wie etwa bei dem geschätzten Kollegen David Garrett ist sie dann doch nicht, die Beziehung zwischen Lindsey Stirling und ihrer Geige, welche aus dem frühen 20. Jahrhundert stamme und kein teures Markenprodukt sei. „Meine Violine und ich?“. Lindsey muss lachen. „Nein. Wir sind kein Liebespaar, die Verbindung bleibt platonisch. Sie kommt auch nicht mit in mein Bett. Für mich ist sie eher wie ein Mädchen, wie eine sehr gute Freundin.“

Lindsey Stirling, 26 Jahre alt, gebürtig aus Südkalifornien und wohnhaft (wenn sie denn mal zu Hause ist) in Arizona, erobert mit ihrer besten Freundin gerade so ziemlich die ganze Welt. Und das eher überraschend. Denn die Musik, die Stirling macht, hat nichts mit dem zu schaffen, was sich sonst so in den Verkaufscharts tummelt. Lindsey kombiniert auf dem Debütalbum, das so heißt wie sie selbst, ihr durchaus virtuoses Geigenspiel mit elektronischen Elementen, insbesondere mit Dub-Step, und als wäre das noch nicht durchgeknallt genug, tanzt sie auf der Bühne auch noch herum wie Fräulein Derwisch höchstpersönlich. Auf Gesang verzichtet sie, Lindseys Kommunikationsmittel sind Violine und Tanz. Ein eigenwilliger Stilmix, wie ihn sich kein Musikvermarktungsstratege dieser Welt hätte ausdenken können. „Irgendwie habe ich schon meinen sehr eigenen Stil erfunden“, sagt Stirling, „aber ich habe mich auch sehr vieler fremder Quellen bedient. Es ist ein bisschen wie beim Kochen. Ich habe Zutaten genommen, die es schon gibt, und daraus mein eigenes Rezept zusammengestellt.“ Geigenpopstars wie David Garrett oder Vanessa Mae seien ein Einfluss, aber auch Dance-Musiker, etwa Skrillex und die Swedish House Mafia.

Dementsprechend breit gefächert ist ihr Publikum: vom sechsjährigen Mädchen bis zum 70-jährigen Opa. Die Platte „Lindsey Stirling“ schaffte es in Österreich bis auf Platz eins der Charts, in Deutschland auf Platz vier.

Dabei sah es lange Zeit gar nicht so aus, als ob der neue Crossover-Star von seinem Schaffen würde leben können. Was nicht am fehlenden Ehrgeiz lag. Mit sechs bekam Lindsey eine Geige und spielte als Kind schon fröhlich Paganini, „während meine vier Geschwister (zwei leibliche, zwei aus Russland adoptierte) und ich dazu durchs Wohnzimmer tanzten.“

Aber davon leben? Lindsey Stirling studierte Rehabilitations-Therapie, sie arbeitete danach „mit Mädchen, die Probleme hatten nach einem Drogenentzug oder Ähnlichem“. 2010 trat sie bei der Castingshow „America‘s got Talent“ an und erreichte das Viertelfinale. Als die Jury urteilte, sie klinge „wie ertrinkende Ratten, die erwürgt werden“, sei dies der „bitterste Moment“ ihres Lebens gewesen.

Doch der Rückschlag, die Demütigung, da ist sie ganz Amerikanerin, motivierte sie erst richtig. Zusammen mit einem befreundeten Filmemacher richtet sie sich bei Youtube einen eigenen Kanal ein, „Lindseystomp“ nennt sie ihn. Regelmäßig stellt Stirling nun Videos von sich, ihrem Spiel und ihrem Tanz ins Netz, es wächst eine treue und begeisterte Fangemeinde heran. Bis jetzt hat „Lindseystomp“

fast 250 Millionen Klicks und rund anderthalb Millionen Abonnenten aufzuweisen.

Dass die Plattenindustrie auf sie aufmerksam wurde, war dann nur der nächste logische Schritt. „Ich war ein kurioses Geschöpf“, sagt Lindsey Stirling, „und jetzt bin ich plötzlich ein kurioses Geschöpf, das Erfolg hat.“ Sie muss nicht lange nachdenken, was ihr besser gefällt.

Geige und Dubstep
Lindsey Stirling (* 21. September 1986) kommt aus Orange County in Kalifornien und lebt heute in Arizona. Sie ist Violinistin, Bühnenkünstlerin und Komponistin. Ihr Violinenspiel nennt sie selbst „Violinenrocksongs“ und setzt es als Choreografie in Szene. 2007 eröffnete sie ihren YouTube-Kanal „lindseystomp“, auf dem sie viele ihrer Musikvideos veröffentlichte. Seitdem erreichte der Kanal ungefähr 270 Millionen Videoaufrufe (Stand: Januar 2013). 2010 war Stirling Viertelfinalistin in der fünften Staffel von America‘s Got Talent, wo sie als Hip-Hop-Violinist bekannt wurde.

• http://lindseystirlingviolin.com

Steffen Rüth

Im Kraftwerk-Line-Up war Karl Bartos „der zweite von links“, wie seine Plattenfirma die Position des Musikers beschreibt. Von „Radio-Aktivität“ (1975) bis „The Mix“ (1991) war Bartos an den wichtigsten Kraftwerk-LPs beteiligt.

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