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„Ich trieb es wilder als alle!“

„Ich trieb es wilder als alle!“

Der Popsänger Robbie Williams hat gerade eine neue Platte herausgebracht / Dem OZelot sagt er, warum seine Partyzeit vorbei ist und warum er dafür fast mit seinem Leben bezahlt hätte

Er hat das Rauchen wieder angefangen. Aber das war es auch schon mit den Lastern. Robbie Williams (42) wirkt schlank und motiviert, als wir ihn abends im Berliner Hotel „Ritz Carlton“ treffen, er kommt gerade von der Aufzeichnung einer TV-Show und ist freundlich aufgekratzt. Im Interview anlässlich seines elften Albums „The Heavy Entertainment Show“ (typischer Robbie-Pop-Rundumschlag mit Gästen wie The Killers, Ed Sheeran und Rufus Wainwright, auch Guy Chambers, der Co-Autor der größten alten Robbie-Hits wie „Angels“ ist endlich wieder mit im Boot) lässt er sein Gegenüber nicht aus den Augen, sitzt ganz vorne auf der Sesselkante und wirkt ein ganz klein bisschen so, als wolle er noch irgendwie Beute reißen. Im Gespräch wird dann klar: Der Mann hat einfach Hunger.

Robbie, deine neue Single heißt „Party Like A Russian“. Wie machen sie denn Party, die Russen?

Robbie Williams: Massiv und ausschweifend. Kein Vergleich zu den Deutschen und zu den Engländern, die ja so gerne denken, sie wären die geilsten Partyhengste. Vergiss es, Russen spielen in einer höheren Liga. Das ist echt Hardcore. Niemand macht Party wie die Russen.

Woher weißt du das so genau? Hast du recherchiert?

Robbie: Ich war da! An meinem eigenen Leib habe ich russische Partys erlebt. Es war wirklich größer, härter, mächtiger als ich es je gesehen hatte. Die dicksten Eier, die größten Brüste, ich ziehe meinen Hut. So geil. Wodka, Schnaps, Mädchen, Jungs, Mode, Nacktheit. Wow. Der Song soll den Geist einer solchen Party einfangen, er ist eine Ode an den Hedonismus.

Wann war denn deine letzte Russenparty?

Robbie: Ich mache all das nicht mehr. Aber ich habe noch diese Mentalität tief in meinem Inneren drin. Ich bin ein sehr böser Junge, der lieb geworden ist. I am a very naughty boy gone good.

Wo versteckt sich denn der böse Robbie?

Robbie: Der besucht mich jede Nacht in meinen Träumen. Im Ernst.

Und du lebst ihn in deiner Musik aus. „Pretty Woman“ handelt von einem Abend im Strip-Club, auch in „Hotel Crazy“, einem funky Duett mit Rufus Wainwright, wird ordentlich die Sau rausgelassen.

Robbie: Ich fürchte, dass sind eher die Fantasien dieser beiden wunderbaren Herren. Ich weiß nicht, was die beiden partymäßig so draufhaben, aber zumindest Ed ist ja noch jung. Ich hoffe, er macht es wild, ist aber glaube ich gerade sehr in seine Freundin verliebt und kuschelt.

Vermisst du das Leben des jungen, ungestümen Robbie?

Robbie: Die ehrliche Antwort lautet: Nein. Mir fehlt das nicht. Ich bin sogar froh, dass ich das nicht mehr machen muss. Ich würde das körperlich nicht schaffen, ich will und kann den Preis nicht mehr bezahlen. Die fürchterlichen Kater, die Kopfschmerzen, die Depressionen – das ist es nicht wert. Je älter du wirst, desto kürzer werden die Höhepunkte und die Euphorie, das Verhältnis stimmt nicht mehr.

Bereust du dein früheres Leben?

Robbie: Nein. Ich bin froh, dass ich gemacht habe, was ich gemacht habe, als ich es gemacht habe. Weil es eine echte Lebenserfahrung war, die auch Spaß machen konnte. In guten Phasen war das unglaublich aufputschend und geil, am Ende hätte ich jedoch fast mit meinem Leben bezahlt.

Wirklich? War es so extrem?

Robbie: Yeah, yeah. Ich trieb es bunter und wilder und krasser als irgendwer sonst in meinem Umfeld. Wir dachten, wir wären die Größten, die 24-Stunden-amTag-Party-Gang. Aber in Wirklichkeit war dieses Verhalten die Overtüre für die Entscheidung, entweder zu sterben oder in den Entzug zu gehen und sauber zu werden. Ich ging in den Entzug. Die eindeutig bessere Option.

Auf deinem Album gibt es die süße Ballade „Love My Life“. Wem sagst du in dem Song, er oder sie sei „schön“, „stark“, wundervoll“ und „frei“?

Robbie: Ein wenig mir selbst. Aber ich richte den Song vor allem an Teddy, meine Tochter, und auch an Charlie, meinen Sohn. In meiner Therapie habe ich gelernt, dass alles auf die Kindheit zurückzuführen ist, auf die Beziehungen zu unseren Familien, unseren Eltern. Ich hoffe, dass ich meinen Kindern genug Grundierung und Unterstützung und Liebe werde geben können, damit sie nicht so kaputt und abgefuckt werden wie ich es einmal war. Ich liebe meine Frau und meine Kinder über alles. Ich muss und ich möchte mental und körperlich für sie da sein, sie umsorgen und verlässlich sein.

Ist deine Frau Ayda Field das vernünftige Gegengewicht in eurer Ehe?

Robbie: Ähem, nee. Meine Frau ist mir ziemlich ähnlich. Sie ist auch ein bisschen durch den Wind, verrückt, chaotisch. Ich habe mich immer hingezogen gefühlt zu schrägen Menschen. Und auch die Kinder sollen später bitte nicht zu vernünftig und spießig werden, denn das ist langweilig (lacht). Bis jetzt sind sie sehr glücklich, sie haben eine tolle Zeit. Sie leben nicht einer vergleichbaren Welt zu der Welt, in der ich als Vierjähriger lebte.

Interview von Steffen Rüth

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