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Musik „Ich war auch ein Außenseiter“
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00:00 22.09.2016
Arnim Teutoburg-Weiß (l.), der Sänger der Beatsteaks, und Dirk von Lowtzow (Tocotronic). Quelle: Tom Otte

Der Regisseur Fatih Akin hat den Kultroman von Wolfgang Herrndorf über zwei Teenager-Jungs auf großer Abenteuer- und Erwachsenwerde-Reise verfilmt. In den Kinos ist er gerade angelaufen. Der OZelot unterhielt sich mit Dirk in Berlin über die Zusammenarbeit, die Freude des Außenseiterseins und die aktuelle deutsche Polit-Debatte.

Ich hatte

als Teenager andere Interessen als die meisten Jungs in meinem Alter.“Dirk von Lowtzow, Sänger von Tocotronic

Dirk, in „Tschick“ geht es um zwei Jungs, die sich als Außenseiter empfinden. Kannst du dich mit dem Thema des Films und des Romans identifizieren?

Dirk von Lowtzow: Oh ja, selbstverständlich. Das Gefühl des Andersseins, das kenne ich sehr gut.

Wie warst du selbst mit 14, also im Alter der beiden Hauptfiguren Maik und Tschick?

Dirk: Ich bin in der westdeutschen Provinz aufgewachsen, in der kleinen Stadt Offenburg an der französischen Grenze. Ich habe mich schon ziemlich klar als Außenseiter gefühlt.

Warum?

Dirk: Weil ich die Aktivitäten, die bei uns für einen weißen, männlichen, wahrscheinlich heterosexuellen Jugendlichen vorgesehen waren, total ablehnte. Alles war auf Sport fixiert, auf Fußball insbesondere, das war überhaupt nichts für mich. Ich war total unsportlich damals. Ich habe mich schon früh, so mit 13, 14, für Rockmusik und für Punk interessiert. Mit meiner ersten E-Gitarre verbrachte ich die Nachmittage im Keller und malte mir Bands aus, in denen ich spielte.

Wussten die anderen über deine Vorlieben Bescheid?

Dirk: Klar. Ich habe versucht zu provozieren, vor allem durch Kleidung. Es gab viele Beleidigungen, ich wurde oft als schwul bezeichnet.

Hat dich das getroffen?

Dirk: Nee, das hat meine Persönlichkeit eher herausgebildet. So nach dem Motto: „Ihr seid so, und ich bin anders. Ich muss nicht nach euren Regeln spielen.“ So wurde ich zu einer rebellischen, aber auch permanent narzisstisch gekränkten Persönlichkeit Was für die Produktion von Kunst ja beides nicht schlecht ist (lacht).

Du bist Gastsänger bei den Beatsteaks, gemeinsam gebt ihr die von dir ins Deutsche übersetzte Version von „French Disko“, eines Songs der Indie-Band Stereolab aus den neunziger Jahren zum Besten. Wie kam es zu dieser Kombination?

Dirk: Arnim Teutoburg-Weiß, der Sänger der Beatsteaks, rief mich im Juni an und erzählte mir, dass die Beatsteaks gefragt wurden, den Titel-Song für die „Tschick“-Verfilmung zu machen. Sie hatten sich für „French Disko“ entschieden, jedoch festgestellt, dass der mit starkem Akzent gesungene Text gar nicht auf Französisch, sondern auf Englisch ist. Und dass die Worte sehr politisch sind, das ganze Lied fast wie ein marxistisches Pamphlet daherkommt. Also fragte Arnim mich, ob ich das nicht ins Deutsche übersetzen möchte.

Wesentliche Schlagworte in „French Disko“ sind „Rebellion“ und „Solidarität“. Sind das Begriffe, die gerade zurzeit besonders wichtig sind?

Dirk: Absolut. Ich würde jedoch zwischen den Begriffen differenzieren wollen: Der Rebell handelt stark aus einer Antihaltung heraus, ich assoziiere ihn stark mit der Jugend. Der Rebell ist eigentlich der Kern der Kunst und der Rockmusik. Ohne Rebellion gäbe es keinen Rock’n’Roll, ohne Rebellion wäre alles Schlager.

Solidarität?

Dirk: Ist die Vokabel, die ich aktuell, in einer Zeit, in der der Rassismus wieder grassiert, am allerwichtigsten finde. Angesichts des weltweiten Rechtsrucks brauchen wir so viel Solidarität, wie wir bekommen können.

Kannst du schon verraten, wie es mit Tocotronic weitergeht?

Dirk: Ich schreibe gerade ein neues Album. Musik ist ein Handwerk, und wir sind immer im Dienst. Irgendeiner muss es ja machen (lacht).

Interview von Steffen Rüth

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