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„Ich will meine Stimme erheben!“

„Ich will meine Stimme erheben!“

Die Halbschwester von Norah Jones, Anoushka Shankar, verbindet auf ihrer neuen Platte Musik mit politischen Statements / Auch Rapperin M.I.A. hat bei einem Stück mitgewirkt

Sie ist die Tochter des legendären, 2012 verstorbenen Ravi Shankar, die Halbschwester von Norah Jones, und sie war von klein auf umgeben von berühmten Musikern wie George Harrison. Seit Jahren ist Anoushka Shankar, 34, selbst ein Superstar. Der OZelot unterhielt sich mit der in London lebenden Mutter zweier Jungs in Berlin.

Anoushka, was war zuerst da: Die Musik oder die Geschichte dieses Albums?

Anoushka Shankar: Die musikalische Idee kam vor der Erzählung. Ich wollte ein Album machen mit dem Trio Sitar-Hang-Shehnai. Das sind allesamt sehr ungewöhnliche Instrumente, die zusammen für einen tollen, perkussiv geprägten Sound sorgen.

Die Sitar kennen wir, das ist ein Zupfinstrument. Aber was sind denn bitte Hang und Shehnai?

Anoushka: Die Hang ist noch ein recht neues Instrument, sie sieht aus wie ein Ufo. Viele New-Age-Leute und Hippies spielen Hang, das ist letztlich eine Trommel. Die Shehnai ist ein Windinstrument, also eine Flöte.

Dein Ehemann Joe Wright, der als Filmemacher unter anderem „Abbitte“ inszeniert hat, ist der Co-Produzent von „Land of Gold“. Wie hat man sich das vorzustellen?

Anoushka: Diskussionsfreudig. Zum Glück sind wir auch danach immer noch verheiratet (lacht). Normalerweise gehen wir uns bei der Arbeit eher aus dem Weg. Er hat vor allem bei der Geschichte geholfen, die ich erzählen wollte. Der cineastische Bombast einer Nummer wie „Crossing the Rubicon“, das war auch seine Idee.

Wann hat sich der Inhalt des Albums herauskristallisiert?

Anoushka: Im vergangenen Sommer. „Boat to Nowhere“ war eines der ersten Stücke. Es ist ein instrumentales Stück Musik, jeder kann sich daraus ziehen, was immer er möchte, die Fantasie ist da grenzenlos. Ich jedenfalls stellte mir vor, wie das wohl ist auf so einem Flüchtlingsboot, nachts, mitten auf dem Meer.

Ist „Land of Gold“ ein politisches Album?

Anoushka: Ja. Ich habe viele dieser Bilder von verzweifelten Menschen und ertrunkenen Kindern immer noch im Kopf. Ich will meine Stimme erheben und sagen, dass ich es falsch finde, wie wir mit Flüchtlingen und Kriegsopfern umgehen.

Als Sprecherin der Kampagne „One Billion Rising“ kämpfen Sie seit Jahren gegen Diskriminierung, sexuelle Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen. Sie machten vor einigen Jahren auch ihre eigene Missbrauchsgeschichte öffentlich. Wie waren die Reaktionen darauf?

Anoushka: Die waren heftig, mitfühlend und liebevoll. Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass mein Video, in dem ich darüber erzähle, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein, solch ein riesiges und weltweites Echo hervorruft. Teilweise hat mich das sehr mitgenommen. Aber ich habe diesen Schritt nie bereut, ich stehe immer noch absolut hinter dieser gesamten Kampagne.

Die Schauspielerin Vanessa Redgrave spricht im Stück „Remain the Sea“ ein Gedicht der Lyrikerin Pavana Reddy. Wer ist das?

Anoushka: Eine indische Poetin. Ich habe Pavana auf Instagram getroffen. Ich bat sie, ein Gedicht für mich zu schreiben, und sie schrieb diese wundervollen Verse über den Schmerz einer Mutter und ihres Kindes, die aus ihrer Heimat weggehen müssen, um zu überleben. Und Vanessa, die ich als Kind schon kennenlernte, ist eine wunderbare, starke Frau, eine Feministin und Künstlerin, ein Vorbild.

Auch die Rapperin M.I.A. ist dabei. Eine sehr meinungsfreudige und laute Person.

Anoushka: Ja, M.I.A. ist krass, aber geil krass. Sie ist ein bisschen verrückt, und ich bin total stolz, dass sie bei mir mitmacht.

Im Lied „Reunion“, einem positiven Lied nach vielen harten, singt der Mädchenchor Girls for Equality. Was sind das für Mädchen?

Anoushka: Die sind acht bis zwölf Jahre alt und aus London. Den Namen haben sie sich selbst ausgedacht. Als ich davon hörte, dachte ich, dass der Chor unbedingt aufs Album muss. Diese Mädchen sind wahnsinnig inspirierend. Für Kinder gibt es ja heutzutage nicht viele gute, gesellschaftliche Vorbilder. Und dann ist da diese Gruppe kleiner Mädchen, die sich selbst Feministinnen nennen — großartig!

Von Interview von Steffen Rüth

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