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„Im Kellerloch ging’s los!“

„Im Kellerloch ging’s los!“

Die Band Mighty Oaks ist auf Deutschland-Tour und kommt am 3. Mai nach Berlin / Der OZelot sprach mit Ian Hooper, Craig Saunders und Claudio Donzelli

Die „mächtigen Eichen“ sahen 2014 aus wie urbane Hipster und machten die Musik der Stunde: Folk-Pop, der viele an Mumford & Sons erinnerte. Drei Jahre danach ist die in Berlin lebende Band mit ihrem neuen Album „Dreamers“ und einer Tour zurück. Dem OZelot erzählen Ian Hooper, Craig Saunders und Claudio Donzelli von ihren musikalischen Anfängen, Käsefüßen und Zukunftsplänen.

Ihr lebt jetzt schon eine ganze Weile in Berlin. Wollt ihr nicht mal ein Großstadt-Album herausbringen, auf dem es ums Berghain geht oder um Carsharing, ganz ohne Natur-Ästhetik?

Ian Hooper: Ins Berghain kommen wir gar nicht rein!

Craig Saunders: Ein Lied, in dem wir über Hundekacke meckern (lacht) – da müssen wir Ian fragen, er schreibt die Texte.

Kennengelernt habt Ihr euch in Hamburg. Gibt es etwas, das ihr vermisst?

Ian Hooper: Die Menschen in Hamburg sind schon ein bisschen entspannter, habe ich das Gefühl. Im Winter in Berlin, da wird sich nicht gegenseitig angelächelt.

Claudio Donzelli: Hamburg fühlt sich mehr wie eine Stadt an. Berlin ist wie eine Stadt in der Stadt, mit mehreren Städten drum herum. Man kennt seine Nachbarn nicht.

Craig Saunders: Franzbrötchen!

Kommt Ihr aus musikalischen Familien?

Craig Saunders: Ich nicht. Ich hatte mit 17 das erste Mal eine Gitarre in der Hand. Mein Vater war Lkw-Fahrer, meine Mutter hatte auch nichts mit Musik zu tun. Aber die Mutter meiner Oma war angeblich eine Sängerin. Vielleicht hat es ein paar Generationen übersprungen.

Ian Hooper: Wir hatten immer Musik zu Hause. Meine Mutter kam aus Dublin, die Iren sind sehr musikverbunden. Und mein Vater hat immer in Irish Bands gespielt, obwohl er aus Chicago kommt. Es war für meine Mutter sehr wichtig, dass ich und meine Schwester diese Seite der Familie kennen und nicht, wie viele Amerikaner, großwerden und dann nichts von der Außenwelt mitkriegen.

Dementsprechend waren wir viel bei ihrer Familie. Und dann trifft man sich halt in den Kneipen.

Eckkneipen sind ja auch ein klassischer Spielort für Folk - die Initialzündung?

Ian Hooper: Vielleicht unterbewusst. Die Band meines Vaters fand ich erst mal peinlich. Bei den Schulfesten, zum Beispiel am St. Patricks Day, haben sie immer gespielt. Er hat gerufen und von der Bühne mir zugewinkt – und ich saß im Publikum und bin im Sessel versunken. Jetzt finde ich das natürlich ganz großartig. Ich habe auch meine erste Gitarre vom Gitarristen der Band bekommen.

Claudio Donzelli: Mein Vater spielte ein bisschen Gitarre und hat mich auf jeden Fall zur Musik gebracht. Ich habe keine Erinnerung, in der ich Musik nicht geliebt habe: Hören, spielen, darüber reden, alles. Seit ich sechs bin, lerne ich Klavier. An Weihnachten und Ostern habe ich dann immer vorgespielt.

Gibt es musikalische Vorbilder, für die Ihr euch heute schämt?

Claudio Donzelli: Eiffel 65!

Ian Hooper: Ja, die sind groß. Auch, weil die italienisch sind. Ich erinnere mich ganz genau, wie ich das Lied gefeiert habe, in Dublin. Ich habe das bei meiner Tante hoch und runter gehört.

Craig Saunders: Shakin’ Stevens. Als ich ein kleines Kind war, fand ich ihn super. Das war so eine Art englischer Elvis. Wollte er zumindest sein. Ach, es war so peinlich:

Jeans-Outfit, weiße Sneakers.

Ian Hooper: Sneakers und Jeans-Outfit sind „in“! Wir Amerikaner nennen das „kanadischer Smoking“.

2013, kurz vor eurem Durchbruch mit „Howl“, habt Ihr noch in kleinen Spelunken gespielt – zum Beispiel im „Häll“ in Heidelberg. Erinnerungen an den Abend?

Ian Hooper: Das hat sich bei uns eingebrannt. Wir hatten das schlechteste Hotel aller Zeiten. Und ich erinnere mich an Wandgemälde im Herr-der-Ringe-Stil hinter der Bühne.

Claudio Donzelli: Im Hotelflur hatte ein Handwerker mit riesigen Füßen seine Schuhe abgestellt. Die stanken so unglaublich.

Craig Saunders: Wir haben die dann weggeräumt und in einer Plastiktüte in einen Mülleimer getan. Es ging nicht anders. Sorry!

Schaut man sich die aktuelle Tour zu „Dreamers“ an, scheint die Zeit der kleinen Hallen vorbei zu sein, die Hotels sind einem Tourbus gewichen. Was sind eure nächsten Ziele?

Ian Hooper: In Deutschland spielen wir wirklich nicht mehr in so kleinen Läden. Aber wenn wir in den USA oder England auf Tour gehen, haben wir sicher keinen Luxus. Auf der letzten Tour haben wir zum Beispiel im „Soup Kitchen“ in Manchester gespielt. Das ist ein Loch im Keller, aber trotzdem geil. So hat es hier auch angefangen. Das ist halt die Frage und irgendwie auch eine Gefahr: Wie wächst man organisch weiter? Viele Leute haben angefangen, uns in Clubs zu sehen und die wollen halt nicht, dass es größer wird. Das kann ich einerseits verstehen, andererseits möchte man sich weiterentwickeln.

Interview: Oliver Beckhoff

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