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Musik Imany: „Nur weil es Pop ist, muss es nicht doof sein!“
Nachrichten Kultur Musik Imany: „Nur weil es Pop ist, muss es nicht doof sein!“
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00:00 15.09.2016
Mag ihre eigene Stimme nicht besonders gerne: die Sängerin Imany. Quelle: Universal Music

Mit der vom russischen House-Duo „Filatov & Karas“ neu abgemischten Version ihres ursprünglich für den Soundtrack zum Kinofilm „Soul Les Jupes Des Filles“ („Was Frauen wirklich wollen“) aufgenommenen Songs steht die 37-Jährige in Deutschland seit zwei Monaten ganz oben, Ablösung ist weiter nicht in Sicht. Aber die tropische Vocal-House-Nummer ist völlig untypisch für den Stil von Imanys zweitem Album „The Wrong Kind Of War“. Imanys Lieder und ihre dunkle Stimme erinnern an Billie Holiday und an Sade. Und „Don‘t Be So Shy“ gibt es auf dem Album sogar zweimal – einmal als Remix, einmal im Sinne der Erfinderin. Der OZelot unterhielt sich mit Imany in Berlin.

Bis heute habe ich mit meiner Stimme ein Problem. Ich singe, weil ich mich dabei wohl fühle.“

Imany, Soul- und Popsängerin

Imany, welche Fassung von „Don’t Be So Shy“ gefällt dir selbst denn am besten?

Imany: Na ja, der Dance-Mix ist natürlich interessant und ganz anders als das Original. Ich mag den schon. Und mal ehrlich, es ist natürlich total überwältigend, wie gefragt meine Musik plötzlich ist, nur wegen dieser Nummer. Aber meine eigene Version, nur mit der Orgel und meiner Stimme, die liegt mir natürlich noch ein Stückchen näher.

Der Song stammt aus der zwei Jahre alten Liebeskomödie „Soul Les Jupes Des Filles“. Warum ist das so ein Hit geworden?

Imany: Ich weiß es nicht. Der Song ist gut, und die beiden Jungs haben ihren russischen DJ-Voodoo-Zauber darüber verstreut. Doch dass der so abgeht? Manchmal hat man keine Erklärung.

Wie hast du von dem Remix erfahren?

Imany: Erst mal gar nicht. Ich kriegte das erst mit, als „Don’t Be So Shy“ in Russland längst in den Charts war. Dann fragten sie mich offiziell um meine Freigabe, und ich meinte: „Warum eigentlich nicht? Kann ja nicht schaden.“ Mit dem Remix hatte ich an sich nichts zu tun, und jetzt bestimmt er mein Leben (lacht).

Der Song ist sehr sexy. Mit Absicht?

Imany: Logisch. „Don’t Be So Shy“ war für eine besonders erotische Szene in dem Film gedacht.

Manche deiner neuen Songs, etwa „Silver Lining“ und „I Used To Cry“, klingen hell und aufbauend. Andere, wie „No Reason No Rhyme“, sehr melancholisch. Bist du, was Stimmungen angeht, ein extremer Mensch?

Imany: Nein, ich bin da nicht extremer als andere Menschen. Ich glaube, ich habe auf dem Album die passende Balance zwischen Traurigkeit und Glück. Ja, es gibt Tränen, aber am Ende geht es eher in Richtung des Lichts und der Hoffnung.

Um welchen Krieg geht es im Titelsong?

Imany: Um ein Paar, das in dem Moment, als es vorbei ist, merkt, dass es den falschen Kampf gekämpft hat. Die beiden waren bescheuert. Sie hätten für ihre Liebe kämpfen müssen, nicht für deren Ende. Im übertragenen Sinne lässt sich so eine Situation auch auf die großen Themen der Menschheit anwenden. „Rising Tide“ handelt davon, dass wir uns hier ständig mit Kleinigkeiten aufreiben oder Länder bombardieren, von denen wir keine Ahnung haben, während wir dabei sind, das Weltklima für immer gegen die Wand zu fahren.

Für Popmusik ist das ziemlich anspruchsvoller Stoff.

Imany: Aber nur weil es Pop ist, muss es ja nicht doof und banal sein! Ich versuche, über echte Dinge zu sprechen. Selbst „Don’t Be So Shy“ hat Anspruch. Sicher, da geht es nur um Sex, aber auch Sex ist ein göttlicher Akt. Die Wurzel von Sex ist die Liebe. Und die Liebe ist etwas Ernsthaftes für mich.

Du bist nach der Schule nach New York gegangen und hast als Model gearbeitet. Wann hast du gemerkt, dass dir deine Stimme gefällt?

Imany: Bis heute habe ich mit der Stimme ein Problem. Als Kind fand ich sie viel zu laut, und ich litt richtig unter Komplexen. Ich singe auch nicht, weil ich meine Stimme so mag, sondern weil ich mich beim Singen gut und wohlfühle. Den Frieden mit meiner Stimme habe ich noch nicht gemacht.

Live: 25.11., Hamburg (Große Freiheit 36), 26.11.,  Berlin (ColumbiaTheater)

Interview von Steffen Rüth

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