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Ina Müller und die Suche nach dem Liebeslied

Nach Müllerin Art Ina Müller und die Suche nach dem Liebeslied

Ein reines Liebeslied, ganz ohne Ironie oder eine kleine Pointe - Texter Frank Ramond habe sich für sie die Finger wundgeschrieben, erzählt Ina Müller. Für ihr neues Album haben die beiden es wieder versucht.

Hamburg. Da will Ina Müller endlich über ihr neues Werk sprechen - und dann das: Die, die in einem der neuen Lieder singt, dass sie manchmal irgendwie zu laut sei, ist einfach nur heiser. Kein Grund für die Vollblutmusikerin und TV-Moderatorin, Interviews abzusagen.

Mit dickem Schal um den Hals und heißem Getränk im Becher wird eben geflüstert. Zu erzählen hat die in Hamburg lebende Frau vom platten Land in Niedersachsen immer viel - ob in ihrer Talkshow „Inas Nacht“, die gerade wieder mit neuen Folgen im Ersten angelaufen ist, oder in ihren Songs.

„Ich bin die“ hat die 51-Jährige das am Freitag (28. Oktober) erscheinende Album genannt. Und ist sie wirklich so wie die, die der Titelsong beschreibt? „Die meisten Attribute, die man bei "Ich bin die" hört, haben wir in Schlagzeilen über mich gefunden“, sagt die Entertainerin, die schon lange vor ihrer Karriere in Musik und Fernsehen als Kabarettistin Erfolg hatte. „Die, die brüllend auf dem Tresen steht, die immer viel zu laut mitsingt, die nicht zuhört, die immer unterbricht, gern mal einen hebt. Und ich glaube: Das alles trifft irgendwie auch zu.“

13 neue Stücke nach „Müllerin Art“ - musikalisch zubereitet in einer Mischung aus Chanson, Pop und Country, textlich so frech und witzig wie nachdenklich und berührend. „Ich kann damit leben, dass das Formatradio mich nicht spielt, aber ich möchte, dass die Leute sich die Texte richtig anhören“, sagt die Musikerin, die wieder mit Texter Frank Ramond zusammengearbeitet hat. „Die größte Herausforderung war es, auch nach den vorherigen Alben wieder neue Themen zu finden, die bei mir sind. Wir robben uns immer wieder ran und überlegen, was könnte es jetzt werden.“

Über Beziehungen und Trennungen, verpasste und genutzte Chancen singt sie ebenso wie übers Älterwerden und erste Krankheiten. Auch wenn sich enge Freunde in ihrem Alter träfen, werde „schon ständig über die ersten Krankheitsgeschichten gesprochen“. Da gehe es dann um „Rücken, Reflux, Augenlasern oder Kniegelenke“ - ganz so wie in ihrem Lied „Immer eine mehr wie Du“. In „Wenn Du jetzt aufstehst“ schaut ein junger Mann in der Bahn plötzlich wieder sehr genau hin - doch nicht etwa, um einer Frau wie ihr jetzt schon einen Sitzplatz anzubieten?

So ausgeflippt und quasselstrippig Ina Müller auch sein kann: Wenn sie fragt, „Wie Du wohl wärst“ und damit Gedanken anspricht, die sich manche Frau macht, die nie ein Kind bekommen hat, ist das Gänsehaut pur. „Ich selber wollte nie Kinder, aber mir ist aufgefallen, dass sehr viele Frauen zu dem Thema eine Geschichte haben, das war mir gar nicht so bewusst“, erzählte sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Und dann immer die Frage: Na, wann ist es denn soweit? So etwas kann sicher auch sehr quälen.“ Bis zum letzten Album habe sie sich gefragt, wann das Thema in ihren Interviews keine Rolle mehr spielen werde.

Eine Premiere für sie ist „Sowas wie Glück“: „Zum ersten Mal habe ich ein ungebrochenes, reines Liebeslied auf dem Album. Also keine Trennung, kein Betrug, sondern Eins zu Eins ein Liebeslied.“ Seit vier Alben habe Ramond sich die Finger dafür wundgeschrieben - ihr fehlte jedesmal „die Ironie oder eine kleine Pointe“. Aber: „So richtig allein geschafft habe ich es ja auch diesmal nicht, es ist ein Duett geworden“, erzählt sie über das Stück mit ihrem Kollegen Jan-Philipp Kelber. „Es musste mir also wieder jemand dabei helfen. Ich mag dieses Lied extrem gerne.“ 

Mit ihrem Freund, dem Musiker Johannes Oerding (34), komponierte sie wie beim vorangegangenen Album („48“) auch diesmal einen Großteil der neuen Stücke nachts gemeinsam am Müller'schen Küchentisch. Getrennte Wohnungen will das Paar auch in Zukunft behalten: „Zusammenziehen steht auch weiterhin nicht an. Es gibt ein paar Sachen, die liegen einfach nicht auf meiner DNA – und Zusammenziehen und Ehe gehören dazu“, sagt sie. „Ich frage mich auch, warum die Institution Ehe nicht abgeschafft oder wenigstens reformiert wird, bei der Fehlerquote, die es da gibt.“

dpa

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