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Musik Jamie Cullum: „Ich sprenge Grenzen“
Nachrichten Kultur Musik Jamie Cullum: „Ich sprenge Grenzen“
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03:37 23.05.2013
Immer noch voller Energie: Jamie Cullum (33). Quelle: promo
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Jamie Cullum ist der erfolgreichste Jazz-Künstler aus England — auch, weil er das Genre mit poppigen Einflüssen vermengt. In seinem neuen Album „Momentum“ geht es ums Erwachsenwerden. Dem OZelot sagt der 33-Jährige, wie viel Jazz noch ihm steckt und warum man Beyoncé auf Albumlänge hören sollte.

OZelot: Es sind dreieinhalb Jahre seit deinem letzten Album vergangen. Was war los?

Jamie Cullum: Ich habe zwei Kinder bekommen, das war eine riesige Veränderung. Aber es war zeitgleich meine produktivste Phase. Ich hatte weniger Zeit, über meine Arbeit nachzudenken, ich habe einfach gemacht. Auf den vorangegangenen Alben habe ich mehr darüber nachgedacht, was ich tue, wie welche Songs klingen sollen.

OZelot: Du wirst oft als Jazz-Künstler bezeichnet, die neue Single „Everything You Didn‘t Do“ ist aber eher Pop. Wie viel Jazz steckt noch in dir?

Jamie: Jazz ist ein Teil von mir, speziell auf diesem Album. Jazz läuft zweifellos durch die Platte, da ist ein Jazz-Gefühl, eine Jazz-Sensibilität. Aber es ist keine Jazz-Platte, sondern eine Pop-Songwriter-Platte. Ich habe das auch nicht hinter mir gelassen. Ich würde mich jetzt als Jazz-Pop-Rock-Crossover-Superkünstler bezeichnen. Ich sprenge Grenzen.

OZelot: Da kann man schnell verdächtigt werden, nur auf Verkaufszahlen zu schielen — oder?

Jamie: Dieser Vorwurf war zu erwarten. Wenn ich auf den Mainstream-Markt schielen würde, müsste ich eine Big-Band-Platte mit Standards aufnehmen. Es ist riskanter, sich als Songwriter neben die vorhandenen, sehr guten Kollegen zu stellen.

OZelot: Was ist „Momentum“? Eine Sammlung von Songs oder ein Werk mit einem roten Faden, der sich durch alle Stücke zieht?

Jamie: Es ist eine Sammlung von Songs. Das ist ein Album immer. Aber am Ende habe ich bemerkt, dass es ein übergeordnetes Thema gibt, weil die Songs alle vom Erwachsenwerden handeln. Ich war in vielerlei Hinsicht noch ein Kind, als ich mit meinen Kindern die Verantwortung eines Erwachsenen bekam. Mit Kindern musst du Stellung beziehen. Es geht in vielen Songs um dieses kindische, verantwortungslose Verhalten, das man irgendwann ablegen muss.

OZelot: Ein wichtiger Einfluss ist Beyoncé, du coverst aber Björk.

Jamie: Es hat alles einen sehr ähnlichen Charakter. Björk hat diesen musikalischen Entwicklungsdrang, diese Spannung, diese Kanten in der Musik, das ist dem Jazz nicht unähnlich. Beyoncé hat den Rhythmus, die Art, wie sie ihre Stimme einsetzt. Ich liebe an moderner Popmusik diesen Bass, die Base-Drums. Ich mag es, Referenzen einzustreuen. Dubstep mag ich auch. Weil es eine Art von Musik ist, die nur Höhen und Tiefen hat. Es geht nicht darum, alles zu mögen. Die ersten Alben, denen ich wirklich verfallen bin, waren von den Beastie Boys und DJ Shadow. Eigentlich alles Hip-Hop-Alben.

OZelot: Live variierst du deine Show gern. Wird das schwieriger, wenn das Publikum größer wird?

Jamie: Ich mache irgendwie immer dasselbe, und damit meine ich, dass ich nicht zu viel plane. Bei einer sehr großen Menge, zum Beispiel bei Festivals, musst du immer davon ausgehen, dass nicht alle deinetwegen da sind. Da muss man darauf achten, dass es irgendwie passt, aber dafür kann man ja immer an der Setlist schrauben. Ansonsten ist es egal, ob ich nur für eine Person oder für Tausende Menschen spiele. Ich muss nur immer aufpassen, dass ich mich nicht verliere.

Album: Momentum (Universal)

Als Kleinkind am Klavier
Der Brite Jamie Cullum (* 20. August 1979 in Essex, England) hat einen israelischen Vater (dessen Mutter — eine gebürtige Ostpreußin — vor der Judenverfolgung des Nationalsozialismus nach Palästina floh) und eine Mutter aus Burma. Beide spielten in der Band „The Impacts“. Dort sammelte Jamie bereits als Kleinkind erste Erfahrungen am Klavier, später hatte er Gitarren- und Gesangs-Unterricht. Seine erste Platte „Heard It All Before“ erschien 1999. „Momentum“ ist sein fünftes Album.


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