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Japanisches Mädchen-Trio stellt die Metal-Welt auf den Kopf

Japanisches Mädchen-Trio stellt die Metal-Welt auf den Kopf

Babymetal bieten den bizarrsten Stilmix in der Rockmusik / Während ihrer Welt-Tournee gibt die Band zwei Konzerte in Deutschland / Das zweite Album ist erschienen

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Babymetal starteten als quietschiges Kinder-Trio. Mit den Jahren wurden Yiumetal, Su-Metal, Moametal (v.l.) nicht nur groß, sondern düsterer.

Sie sehen in sich nichts Geringeres als die Wiedergeburt des Heavy Metal — und legen dabei alles auf die Schlachtbank, was einem Headbanger heilig zu sein scheint.

OZ-Bild

Babymetal bieten den bizarrsten Stilmix in der Rockmusik / Während ihrer Welt-Tournee gibt die Band zwei Konzerte in Deutschland / Das zweite Album ist erschienen

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Konzerte im Juni

Live sind Babymetal am 7. Juni in Köln (Live Music Hall) und am 8. Juni in Stuttgart (LKA Longhorn) zu erleben. Beide Konzerte beginnen um 20 Uhr. Tickets kosten rund 40 Euro.

• Online: www.eventim.de www.babymetal.com/home

Babymetal aus Japan sind derzeit vermutlich der bizarrste Act, den die moderne Rockmusik zu bieten hat. Denn wer hätte es je für möglich gehalten, dass man Death, Thrash und Power Metal auf der einen Seite mit Hip Hop, Techno, japanischer Folklore und J-Pop auf der anderen zusammenbringen kann? Alle Stilelemente in einem Song vereint wohlgemerkt.

Und damit nicht genug: Im Gründungsjahr 2010 schlugen Babymetal mit ihrem ersten Song „Doki Doki Morning“ nicht nur sämtliche musikalischen Erwartungshaltungen kurz und klein, auch das Erscheinungsbild widersprach den bekannten Klischees, sowohl denen im Heavy Metal als auch jenen des sogenannten Idol-Pop. Da hüpften drei quietschige 11- und 13-jährige Mädchen im stimmlichen Chipmunks- Modus vor Metal-Musikern in Overalls mit Skelettmotiven nach ausgeklügelten Choreographien, die sich zwischen Kindergeburtstags-Ringelpiez und coolem Rock-Ballett bewegten.

Heute sind Su-Metal, Yuimetal und Moametal (wir belassen es bei den Pseudonymen) 18 und 16 Jahre alt. Dass es so lange dauern würde, war niemandem klar gewesen. Nicht einmal den Babymetal-Erfindern, galt der Mädchen-Dreier doch lediglich als „Projektzirkel“ der Idol-Pop-Band Sakura Gakuin. (Die ersten Songs erschienen noch als Bonustracks auf deren CDs.) Aber während der durchgeknallten Kollaboration zum einen abgrundtiefe Abscheu entgegenschlug, fand sie zum anderen sofort kultische Verehrung einer Fangemeinde.

Japan war schnell erobert: 2012 erschienen eine Split-CD mit der Metalcore-Band Kiba of Akiba und die Single „Headbangeeeeerrrrr!!!!!“. Achtungserfolg. Schon ein Jahr später überrannten Babymetal die heimischen Charts: „Ijime, Dame, Zettai“ und „Megitsune“ legten die Latte auf die oberste Kante, präsentierten doch beide Stücke in einem irrwitzigen Tempo jenen Stilmix, wie er bis dato nicht für möglich gehalten wurde. Obendrein waren die Nummern von bestechender Qualität, Ohrwürmer und komplexe Kunstwerke zugleich.

Live-Konzerte wurden zu Prozessionen, in denen die japanischen Fans den vorgegebenen Bewegungen des Mädchen-Trios folgen und dabei eine Ekstase erreichen, wie es in den 70er Jahren nicht einmal Kiss erlebten. Bei Festivals wurden Babymetal zum Großereignis und Heavy-Metal- Bands wie X Japan oder Dragonforce aus England gaben bei Einzelauftritten die Begleitkapelle.

Die Live-Truppe von Babymetal nennt sich Kami Band oder unbescheiden Gods Of Metal. Bei den Musikern — die Gitarristen und der Drummer haben jeweils einen Ersatzmann — handelt es sich um extrem versierte Instrumentalisten, die unverhohlen Vorbilder zitieren. Mal klingen die Twin-Leads wie Iron Maiden auf 78 Umdrehungen, mal hat ein melodiöses Intro was vom Sound der Queen-Gitarre, mal gebärdet sich die Band komplex wie Dream Theater.

Die erste Babymetal-LP wurde 2014 zum Türöffner in Europa: Die Japaner nahmen die Britischen Inseln im Sturm. Jetzt sind die englischen Metal-Fans im Babymetal-Fieber: Die Wembley-Arena war für den Welttournee-Auftakt am 2. April schon nach wenigen Tagen komplett ausverkauft. Am Konzerttag setzte sich der Rausch fort: An Merchandising-Ständen gab‘s bereits über eine Stunde vor Auftrittsbeginn nichts mehr.

Seit 1. April gibt es mit „Metal Resistance“ den Debüt-Nachfolger. Die Stilvielfalt ist wieder atemberaubend. Mit dem progressiven „Tales Of The Destinies“ ist diesmal ein Song für Freunde der Zählzeiten enthalten. „Karate“ ist nicht nur eines der besten Babymetal- Stücke, sondern wird auch vom aufwendigsten und düstersten Video der Band flankiert. Überhaupt: Babymetal verabschieden sich trotz perfekter, unverbrauchter Pop-Melodien aus der Idol-Ecke. Nichts Geringeres als die Eroberung der Metal-Welt ist das Ziel.

Von Jens-Uwe Berndt

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