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Joe Jackson triumphiert beim Berliner Heimspiel

Berlin Joe Jackson triumphiert beim Berliner Heimspiel

Am Ende wirkte Joe Jackson überwältigt von all dem Jubel, fast demütig. Der genialische Brite, einst von Konzertbesuchern als notorischer Publikumsbeschimpfer gefürchtet, ...

Berlin. Am Ende wirkte Joe Jackson überwältigt von all dem Jubel, fast demütig. Der genialische Brite, einst von Konzertbesuchern als notorischer Publikumsbeschimpfer gefürchtet, genoss den Triumph mit aufrichtiger Fassungslosigkeit.

Es war aber auch ein großer Auftritt, den der lange Zeit in der Versenkung verschwundene 80er-Jahre-Popstar in der Berliner Universität der Künste hingelegt hatte. Zwei Stunden hochkonzentrierte, perfekt abgemischte Musik, große Songs aus alten und neueren Zeiten, beste Laune bei Jackson und seinen drei Mitstreitern an Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der 61-jährige, inzwischen schlohweiße Pianist und Sänger flirtete lässig mit seinem Publikum, hatte Spaß - und ließ frühere Eskapaden mit öffentlich ausgetragener schlechter Laune und Zickigkeit völlig vergessen.

Zunächst trat Jackson solo am E-Piano auf und zelebrierte Balladen aus dem herausragenden Kreativ-Comeback „Fast Forward“ (2015), aber auch bekannteres Material wie „You Can't Get What You Want“ oder „Be My Number 2“. Einige höhere Töne meisterte der zeitweise in Berlin lebende Raucher und Asthmatiker zwar nur mit hörbarer Mühe, doch nach einer Handvoll Songs wurde die markante Näselstimme geschmeidiger.

Nach und nach schlich sich die Band um Jacksons langjährigen Bass-Begleiter Graham Maby auf die Bühne (eine wunderbar beiläufige Choreografie, die sich gegen Ende des Heimspiel-Konzerts beim Abgang wiederholte). Diesen grandiosen Musikern bei der Arbeit zuzuschauen, machte im fast ausverkauften UdK-Saal so richtig Spaß. Uneigennützig, aber selbstbewusst legte das Trio einen edlen Klangteppich für den Meister und seine ebenso edlen Lieder.

Coverversionen von Joni Mitchell („Big Yellow Taxi“ radikal verändert im New-Orleans-Stil mit Boogie-Klavier), David Bowie (die obligatorische Hommage, hier war es „Scary Monsters“) und Tom Verlaine/Television („See No Evil“) wurden eingestreut zwischen „Fast Forward“-Songs und Nostalgie. Der größte Hit „Stepping Out“ erklang radikal entschleunigt, mit dem herrlichen „Slow Song“ ging die Show zu Ende.

Fazit: Eine perfekte Mixtur aus quirligem Piano-Pop, Latin-Rhythmen, Pubrock und gerade klassischen Late-Night-Balladen, die das auch aus vielen jungen Besuchern bestehende Berliner Publikum von den Sitzen riss. Joe Jackson ist reif für ein starkes Alterswerk - und als Live-Musiker nicht nur (weiterhin) große Klasse, sondern jetzt auch noch ausgesprochen sympathisch.

dpa

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