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John Grant über sein neues Album „Pale Green Ghosts“

Berlin John Grant über sein neues Album „Pale Green Ghosts“

„Wir können das ganze Interview gern auf Deutsch machen“, sagt John Grant. Der Singer-Songwriter aus Denver/Colorado ist vernarrt in Sprachen, ein Sammler von Klängen und Worten.

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John Grant hat ein feines Gespür für Worte und Töne. Foto: Cooperative Music

Berlin. Vor längerer Zeit hatte Grant mal zwei Jahre in Deutschland studiert, noch heute beherrscht er die Sprache nahezu akzentfrei. „Ich habe als Teenager DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) und Nina Hagen gehört, ich wollte unbedingt ihre Texte verstehen“, erzählt der Musiker im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Momentan lernt er isländisch, eine „komplizierte Sprache“, aber genau das habe ihn schon immer gereizt.

Nicht nur deshalb hat es ihn auf die Insel vor dem nördlichen Polarkreis verschlagen. Er ist offenbar endlich angekommen bei seiner musikalischen Sprache, nach einem entbehrungsreichen Weg. Sein zweites Solo-Album hat der ehemalige Czars-Sänger auf Island produziert. „Pale Green Ghosts“ (Cooperative Music/Universal) kann man als ein weiteres Aufarbeitungsstück Richtung „Freisein“ verstehen. Grant hat tief in die Elektrokiste der 80ziger Jahre gegriffen und damit auch tief in seine Jugend. „Ich wusste seit Jahren, dass ich so eine Platte machen will, hatte aber keine Ahnung, wie ich das technisch umsetzen kann“, erzählt der 44 Jährige.

Der Weg, bis Grant mit neuen Songs im Gepäck Reykjavik erreichte, war schmerzhaft. „Ich habe mir gesagt: Du bist zu alt und nicht gut genug, um Musik zu machen. Ich kam mir lächerlich vor“, beschreibt er sein Gefühl, das noch nachwirkt. Untergekommen war er nach einer überstandenen Alkohol- und Drogensucht und einer zerbrochenen Liebsbeziehung bei Midlake in Texas, große Fans des Musikers. „Die Midlake-Jungs sagten, ich sei noch nicht fertig und hätte noch viel zu sagen“, sagt Grant über die Unterstützung der Alternativ-Rocker aus Denton, die sich bestens auskennen mit dunklen, psychedelischen Klangfarben. „Sie haben an mich geglaubt“, sagt Grant.

Sein erstes, sehr gelungenes Solo-Album „Queen of Denmark“ unter der Obhut von Midlake wurde von der Musikwelt begeistert aufgenommen. Die irische Sängerin Sinéad O'Connor coverte einen Song und lud den „Meister der Melancholie“ nach seinem Konzert in Dublin zu sich nach Hause ein. „Dann saß ich mit meinem Idol aus der Jugendzeit plötzlich auf dem Sofa und unterhielt mich gemütlich“, schmunzelt John Grant.

2011 wurde wieder ein bewegendes Jahr für Grant. Der Musiker, selbstbewußter geworden, nahm Einladungen zu Festivals an, darunter auf Island. Zwischen Auftritten und der Arbeit an neuen Songs bekam er die Diagnose: HIV-positiv. Grant vergrub sich nicht, er verfolgte seine Spur weiter, kehrte zurück nach Reykjavik, machte Bekanntschaft mit isländischen Musikern wie den Soundpionieren Birgir Þórarinsson und Biggi Veira (GusGus), die seine mitgebrachten Songs in Elektoklanglandschaften betteten.

Das Ergebnis ist kein ganzes Album voller sehnsuchtsvoller Balladen, wie das Erstlingswerk. Es gibt keine überbordenden Streicherarangements, keine vordergründige Melancholie. Der Sound auf „Pale Green Ghosts“ ist widersprüchlich.

Die Songs bewegen sich zwischen endloser Traurigkeit und scharfer Kälte. Es scheint, als würde Grant noch einmal alles ausleben: Wut, Hass, Hilflosigkeit, Verzweiflung. Es ist eher eine Reise zu sich als Teenager, in die Vororte von Denver, für ihn ein „Zurück“ in eine schmerzhafte Zeit ohne viele Möglichkeiten. „Ich wusste damals, dass ich schwul bin, hatte aber gelernt, dass das etwas Perverses ist“, erinnert sich der Musiker. „Ich war deprimiert“. In dieser Zeit hörte Grant viel elektronische Musik. Eurythmics, Fad Gadget. „Das war schräg, ich war der Chorjunge, der Kirchenjunge, dreimal in der Woche. Und ganz für mich war ich jemand anderes“.

dpa

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