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Kevin Rowlands Dexys: Die Legende lebt

Berlin Kevin Rowlands Dexys: Die Legende lebt

Das Comeback des Kevin Rowland vor vier Jahren war eines der künstlerisch spektakulärsten seit langem.

Berlin. Das Comeback des Kevin Rowland vor vier Jahren war eines der künstlerisch spektakulärsten seit langem. Nun legt er mit einem Album nach, das so recht zu diesem genialen Querkopf und kompromisslosen Karriereblockierer passt.

„Let The Record Show: Dexys Do Irish & Country Soul“ (100%/Warner) besteht im Gegensatz zum Vorgänger nicht aus Eigenkompositionen, sondern aus einem Dutzend Coverversionen teils sehr bekannter Songs von „anno dunnemals“. Also keine theatralische Vergangenheitsbewältigung mit exzentrischen und perfekt gestylten Popsongs wie noch auf „One Day I’m Going To Soar“ (2012). Sondern die - freilich auch sehr eigene - Interpretation alter Gassenhauer durch den inzwischen 62-jährigen Rowland und die aktuelle Ausgabe seiner wunderbaren Band Dexys (früher Dexys Midnight Runners).

Rückblende: Mit einer bis dahin ungehörten Mixtur aus keltischem Folk, Northern Soul, Punk-Rotzigkeit und New-Wave-Frische tauchten die Dexys Midnight Runners vor gut 35 Jahren in einer Szene auf, die noch von Postpunk geprägt war, sich aber bereits wieder für puren Pop und Glamour öffnete.

ABC („The Lexicon Of Love“), Spandau Ballet, Scritti Politti, Orange Juice, Haircut 100 waren plötzlich die Bands der Stunde, und Kevin Rowland passte mit seinem überdrehten Gesang, seinem Gefühl für Mode und Style, aber auch seiner politischen Agenda als Brite mit irischen Wurzeln perfekt in diese Zeit. Die Alben „Searching For The Young Soul Rebels“ (1980) und „Too-Rye-Ay“ (1982) mit dem Welthit „Come On Eileen“ gelten längst als Klassiker der 80er.

Mit dem (über)ambitionierten Flop „Don't Stand Me Down“ (1985) ging es für Kevin Rowland bergab - bis zum Tiefpunkt „My Beauty“ (1999), das den Sänger in Damenunterwäsche präsentierte. Schon damals aber bewies er seine Nehmerqualitäten, denn alle Buhs und Spötteleien steckte er tapfer weg - bis zur triumphalen Wiederkehr mit dem autobiografisch gefärbten, vor Energie und Melodieseligkeit nur so glühenden Comeback vor vier Jahren.

Schon das missglückte „My Beauty“ war ein Coveralbum gewesen, so dass langjährige Rowland-Fans dem ähnlich konzipierten neuen Werk nun etwas bang entgegenblickten. Sie können beruhigt sein: „Let The Record Show...“ tut der Dexys-Reputation keine Gewalt an. Bei weitem nicht alle Lieder sind dem Irish-Folk-Repertoire entnommen, und wenn doch (etwa „Women Of Ireland“, „Curragh Of Kildare“ oder „Carrickfergus“), dann behandelt Rowland sie sehr liebe- und respektvoll.

Daneben nimmt sich der Bandboss einige nicht mehr ganz taufrische Pop-Oldies vor: das fast totgecoverte „To Love Somebody“ von den Bee Gees, „Smoke Gets In Your Eyes“ (bekannt geworden in der Version Frank Sinatras), „You Wear It Well“ von Rod Stewart, „How Do I Live“ von Diane Warren, „Both Sides Now“ von Joni Mitchell. Nicht allen Neuinterpretationen bekommt die Pathos-Infusion durch Rowland und seine mit Streichern verstärkte Truppe gleichermaßen. Aber alles in allem lässt sich fast nur Gutes über diese mit ganz viel Herzblut gespielten Preziosen sagen.

Vor allem ist auch dieses neue Album wieder eine große Kevin-Rowland-Show - keiner stürzt sich so furchtlos-euphorisch in seine eigenen und auch fremde Lieder wie diese unnachahmliche Rampensau. Wer noch einen Beweis für dessen charmante Schrulligkeit braucht, dem sollte ein Blick aufs Albumcover genügen: Der Meister mit hellblauem Käppi und blassrosa Falten-Beinkleid - das muss man erstmal bringen. Die Dexys-Legende lebt.

dpa

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