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Knallbunter Stilmix: Berlin feierte Lollapalooza

Berlin Knallbunter Stilmix: Berlin feierte Lollapalooza

Das Lollapalooza ist eines der buntesten Festivals überhaupt. Mit Zirkusartisten, Seifenblasen und viel guter Musik. Doch nicht alle können es in Berlin genießen.

Berlin. Seifenblasen steigen in den Berliner Sommerhimmel. Ein Einhorn wippt im Takt zu Indie-Rock und Reggae. Zwischen Zirkusartisten und Karussell spielen Kings of Leon, Paul Kalkbrenner und Philipp Poisel - und um alles zu toppen: Radiohead.

Zehntausende Musikbegeisterte feiern mit ihnen auf dem wohl buntesten aller deutschen Festivals, dem Lollapalooza in Berlin.

Zum zweiten Mal macht der europäische Ableger des US-Festivals Station in Berlin. Geboten wird auf vier Bühnen ein knallbunter Stilmix von Elektro-House und Indierock, Schmusepop und Hip-Hop.

Die Besucher schwitzen bei 30 Grad selbst in Hotpants, die Glitzerschminke verläuft. Endlich mal ein Festival mit Sommerstimmung - nachdem Rock am Ring und das Hurricane in diesem Jahr in Regen und Gewittern abgesoffen waren. 70 000 Tickets sind für jeden der zwei Tage verkauft. Es ist voll, es riecht nach Schweiß und Bier und Sonnencreme. Die Luft schmeckt nach feinem Staub.

Poisel, bei dem die Menge am Samstag fast jedes Lied laut mitsingt, tanzt wild über die Bühne „als gäb's kein morgen mehr“. Max Herre und sein Kahedi Orchestra mixen Reggae mit Hip-Hop, Soul mit Folk. Schon am Nachmittag wird es voll bei den Kaiser Chiefs, beim britisch-norwegischen DJ Alan Walker, bei Milky Chance und James Blake. Am späten Abend müssen sich die Fans zwischen Kings of Leon und New Order entscheiden. Offizieller Headliner ist die US-Rockband Kings of Leon, die erst am Vortag ihre neue Single „Waste a Moment“ vorgestellt hat. Tausende lassen sich von ihrem Sound in die Nacht tragen.

Am nächsten Tag fällt die Entscheidung zwischen Major Lazer und den Beginnern mit Jan Delay. Wer die Electronic-Fusion-Band aus den USA wählt, sichert sich zugleich einen Platz vor den Hauptbühnen für das direkt folgende Festival-Highlight: Radiohead spielen ihr einziges Deutschland-Konzert in diesem Jahr. Sie haben die neue Platte „A Moon Shaped Pool“ im Gepäck. Die Sonne ist untergegangen, es bleibt warm, stellenweise bewegt sich die Menge wie eins.

Und sonst? Einhörner sind überall, ob aufgeblasen, selbst gebastelt oder auf dem Brillenglas. Indianerschmuck hat die Blumenketten abgelöst. Viele haben die regenbogenfarbenen Windräder aus der Deko mitgehen lassen. Und selbst Männer tragen Goldglitter zu Basecap und Achselshirt. Artisten turnen an schwebenden Reifen. Konfetti fliegt.

Verdrängt sind die Anwohnerproteste, wegen derer das Festival noch Tage vor dem Start auf der Kippe gestanden hatte. Weil auf dem Tempelhofer Feld Flüchtlinge untergebracht sind, musste das Lollapalooza von dort in den Treptower Park umziehen. Anwohner befürchteten nicht nur Lärm, sondern auch Zerstörung. Zehn Botschafter aus Staaten des ehemaligen Ostblocks hatten schriftlich protestiert, weil im Park auch ein sowjetisches Ehrenmal steht. 

Erst Tage vor dem Start gibt ein Gericht die endgültige Genehmigung. Die Lollapalooza-Organisatoren hatten die Tickets zuvor auf eigenes Risiko verkauft - doch für Berlin, das sich gern mit dem Image der hippen Partystadt schmückt, wäre eine Absage fast undenkbar gewesen. Das Ehrenmal wurde eingezäunt. Die Veranstalter hinterlegten eine Millionenkaution für den Park. Bis die Wiese wieder grün ist, wird es aber dauern.

Die meisten Festival-Gäste bekommen davon nichts mit. Sie tragen Indianerfedern im Haar, lassen Seifenblasen in den Nachthimmel steigen. Das Einhorn in ihrer Hand tanzt. 

dpa

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