Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Musik Konsum ist nur Glücks-Ersatz
Nachrichten Kultur Musik Konsum ist nur Glücks-Ersatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 23.02.2017

Wir sprachen mit dem Mutabor-Sänger Axl Makana über Kinder, Konsum, die Macht der Musik und das, was seine Band schon so lange zusammenhält.

Axl, ihr meldet euch mit neuen Songs und einer Tour aus einer Babypause zurück. Wer hat denn Nachwuchs bekommen?

Axl Makana: Ich bin Vater geworden und gleichzeitig auch der Gitarrist. Ich habe einen Sohn bekommen und verarbeite dieses Ereignis, das ja auch viel mit Euphorie zu tun hat, im Song „Schietbüttel“. Einerseits beflügelt es mich, Vater zu sein, andererseits habe ich Augenringe und Schlafentzug. Aber es ist wirklich toll.

Im Song „Euphoria“ blickt ihr zurück auf die 25 Jahre Bandgeschichte, die schon hinter euch liegen. Es ist ein flotter Song im typischen Stil eures „BlockflötenPunkRockFolk“, wie eure Musikrichtung mal bezeichnet wurde. Ganz schön lang, 25 Jahre!

Das ist im Musikgeschäft eigentlich eine astronomische Zahl.Vor jeder neuen Produktion, in die man Zeit und Geld steckt, fragt man sich: Warum macht man das eigentlich? Warum tut man sich das an? Wir machen das, weil es so ein schönes Gefühl ist, zusammen auf der Bühne zu stehen. Das ist das, was uns die ganzen Jahre angetrieben hat und deshalb haben wir diesen Titel „Euphoria“ gewählt.

Es ist toll, auf der Bühne zu stehen und zu merken, wie die Leute abgehen!

Wenn du zurückblickst auf die 25 Jahre Bandgeschichte, die hinter euch liegen mit vielen personellen Wechseln und einem zwischenzeitigen Auflösen der Band. Was waren deine persönlichen Höhepunkte in dieser Zeit? Was ist dir im Kopf besonders hängen geblieben?

Nie vergessen werde ich das gigantische Konzert 2006, als wir uns eigentlich trennen wollten. Zu dem Open Air in Berlin kamen 2600 Leute. Direkt davor gab’s ein starkes Unwetter, nach dem das Wasser kniehoch an der Bühne stand. Die Leute haben sich dann Eimer besorgt, Ketten gebildet und das Wasser weggeschöpft. Pünktlich zum geplanten Konzertbeginn rissen dann die Wolken auf und die Sonne kam raus. Dieses wunderschöne Konzert hatte dann auch zur Folge, dass wir uns gesagt haben: „So was Schönes können wir nicht einfach aufgeben“ – und wir haben uns ein paar Jahre später wieder zusammengefunden.

Auf „F***Ed up“ sagt ihr explizit eure Meinung zu Rechtsruck und der Konsumwelt, in der wir leben. „Als Konsument bist du der Esel im Gespann“, singst du unter anderem. Achtet ihr selbst denn im Alltag darauf, dass ihr möglichst wenig „eingespannt“ seid? Ist das überhaupt möglich?

Ich kritisiere mich mit meinen Texten auch durchaus selbst. Es ist natürlich im Alltag schwer möglich, genau auf die Produkte zu gucken und das genau mitzuverfolgen, ob da nun der Riesenkonzern Nestlé mit dranhängt und so etwas. Letztendlich bestimmt die Wirtschaft heute die Politik. Der Song war wichtig, weil wir gemerkt haben: Das geht gerade in die falsche Richtung.

„Don't fuck up my soul“ singst du und sprichst damit eine Welt an, die im Song als „fucking world“ bezeichnet wird. Fühlst du dich hilflos, angesichts dessen, wie sich viele Dinge auf der Welt gerade entwickeln? Stichwort Trump & Co?

Das ist ein Aufschrei, dass ich mir nicht auch noch meine Seele versauen lasse dadurch. Der Song ist ein Beitrag – auch für mich selber – sich nicht einwickeln zu lassen, weder von der Konsumwelt noch vom Rechtsruck.

Macht es dir denn Angst, dass jemand wie Trump in den USA gewählt wurde?

Ich denke, es muss sich erst einmal polarisieren. Nur so wachen die Leute auf und sehen, was für einen Typen sie da gewählt haben. Da ich jetzt ein Kind habe, macht mir das natürlich mehr Angst als vorher. Ich finde es besser, einfach mal zu sagen: „Ich hab’ keinen Bock auf sowas“, als sich einfach regieren zu lassen.

Du singst in dem Song auch „I want to live in another world“. Wie sieht die Welt aus, in der du gerne leben willst?

Ich versuche, in einer Welt zu leben, die auf Miteinander, Respekt und Nachhaltigkeit beruht. Konsum ist ja nur ein Ersatz für Glück. Ich bin ja auch noch im Projekt „Viva La Humanidad“ in Afrika aktiv. Da sehe ich, was Glück eigentlich ist. Da geht’s um Geben, sich Freude teilen – dazu braucht man keinen Konsum-Wahnsinn. Wer viel besitzt, bei dem wächst auch die Angst, alles wieder zu verlieren. So werden die Menschen natürlich auch immer empfänglicher für Angst-Parolen und sehen Ausländer als Bedrohung, weil sie angeblich alles klauen.

Im vergleichsweise ruhigen Wanderlied“ singt du: „So muss ich wandern dem Herzen auf der Spur / Auf immer neuen Wegen wie ein Troubadour“. Spiegelt dieser Satz deine Lebenseinstellung wieder?

Betrachtest du das Leben als ein Wandern auf immer neuen Wegen?

Das spiegelt vor allem die Suche wieder, die einen in jungen Jahren antreibt. Der Text stammt aus dem Jahr 1776 und ist vom Philosophen Justinus Kerner. Ich hab’ einen Refrain dazu geschrieben und natürlich die Musik gemacht. Dass der Text so alt ist, zeigt, dass die Menschen auch früher den starken Drang hatten, das Weite zu suchen – insbesondere dann, wenn Krieg herrschte und Seuchen grassierten.

Ihr habt jetzt erst mal nur vier Songs herausgebracht. Folgt eine Platte?

Wir müssen jetzt erst einmal wieder Geld verdienen. Das ist alles sehr teuer, weswegen wir auch die Pressung weggelassen haben. Bei einer EP lohnt sich das nicht. Vielleicht bringen wir das Ganze mal auf Vinyl, da arbeiten wir dran.

Ihr habt euch ja in Wismar gegründet. Ist es etwas Besonderes für euch, in MV zu spielen?

Auf jeden Fall. Ich bin ja gerne da und viel, es ist meine Heimat. Ich könnte mir perspektivisch auch durchaus vorstellen, wieder zurückzuziehen.Interview: Nele Baumann

OZ

Mehr zum Thema

Sex, Heuchelei, Ehebruch, Rache und Entführung: Das sind klassische Themen der Mythologie. Wie aktuell sie heute noch sind, zeigt die Inszenierung der Oper „Semele“ bei den Karlsruher Händel-Festspielen.

18.02.2017

Die besten Musiker stehen hinter ihm. Von ihnen lässt sich Matthias Schweighöfer durch ein engagiertes Konzert tragen. Lachen, Weinen und Tanzen hat er garantiert - und sein Versprechen gehalten.

19.02.2017

Mit einem Auftragswerk bringt der Schweizer Komponist Andrea Lorenzo Scartazzini den schwulen König Edward II. auf die Bühne. Die Opern-Provokation bleibt auf halbem Weg stecken.

20.02.2017

Ben und Ross Duffy kommen aus dem englischen Northamptonshire. Von dort aus haben die Brüder bereits ein bisschen die (Pop-)Welt erobert.

23.02.2017

Bela B., der Schlagzeuger der Band Die Ärzte, hat eine neue Solo-Platte mit dem Titel „Bastard“ herausgebracht

23.02.2017

Allzu leicht klingt das alles nicht. Wendja wurde 1989 in der österreichischen Provinz geboren, in Freistadt. Der Vater stammt aus Peking, die Mutter aus dem Ort.

23.02.2017