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Lea: „Ich brauche viel Ruhe“

Lea: „Ich brauche viel Ruhe“

Die 23- jährige Hannoveranerin hat mit „Vakuum“ ein nachdenkliches, intimes Popalbum herausgebracht / Dem OZelot sagt sie, warum es ihr manchmal guttut, ganz allein zu sein

Lea, früher unter dem Namen Lea-Marie aktiv, hat ein wirklich schönes, melancholisches Piano-Pop-Songwriter-Debütalbum in deutscher Sprache gemacht. Die Songs sind verträumt und manchmal noch ein bisschen mädchenhaft-poetisch. Gleichwohl begleitet man Lea gern auf ihrer musikalischen Reise zu sich selbst.

 

OZ-Bild

Liebt die Menschen, aber braucht auch viel Zeit für sich, das Gefühl von Einsamkeit und reist gerne alleine in Städte wie Barcelona: die Sängerin Lea (23) aus Hannover.

Quelle: Cathleen Wolf

Lea, eines deiner Lieder heißt „Nachtzug“. Schon mal mit einem gefahren?

Lea: Tatsächlich noch nie. Würde ich aber total gerne mal machen. Als ich den Song schrieb, habe ich mir vorgestellt, wie das sein würde.

Wie denn?

Lea: Richtig gemütlich. Mit dunkelroten Sesseln, in denen ich versinke. Und es ist ganz ruhig. Man hört nur das Rattern vom Zug und beobachtet durchs Fenster die Lichter.

In dem Song fährst du durch Madrid. Warst du dort denn schon mal?

Lea: Nachdem ich „Nachtzug“ geschrieben hatte, bin ich extra dort gewesen, zum ersten Mal. Ich bin tatsächlich mit dem Zug gefahren, das war auch voll schön, allerdings natürlich nicht so romantisch wie in meiner Fantasie.

Bist du ganz alleine gefahren?

Lea: Ja. Solche Städtetrips mache ich am liebsten alleine, ich war auch schon zwei Mal alleine in Barcelona. Allein habe ich am meisten Zeit für mich selbst, ich höre dann sehr gern und lange in mich hinein, während ich irgendwas mache oder einfach so durch die Gegend spaziere. Ich bin auch beim Songschreiben fast immer alleine. Das muss so sein, der Raum muss leer sein, ich brauche die totale Ruhe, um dieses Gefühl von Einsamkeit zu spüren. Mir tut es total gut, wenn ich nicht abgelenkt bin von irgendetwas oder irgendwem.

Bist du insgesamt ungern mit anderen Menschen zusammen?

Lea: Nein, auf keinen Fall. Ich liebe Menschen, ich brauche eben nur viel Zeit für mich allein.

„Mein Raum ist voll, obwohl ich hier alleine bin“ singst du im Titelsong „Vakuum“.

Lea: Das ist ein typischer Satz für mein Schaffen, überhaupt auch ein typischer Satz für mich. Für mich persönlich ist „Vakuum“ sowieso der tiefste und persönlichste Song des ganzen Albums.

Ich stelle mir tatsächlich oft vor, ich würde meine Lieder in einem völligen Vakuum schreiben.

Dein Vater ist Musiktherapeut. Du irgendwie auch, oder?

Lea (lacht): Und ob. Eigentlich therapiere ich mich mit meiner Musik total selbst. Die Lieder erklären mir sehr vieles über mich.

Bist du über deinen Vater zur Musik gekommen?

Lea: Ja. Mein Vater hat über die Jahre sehr viele Instrumente gesammelt, ich wollte die immer schon alle ausprobieren. Er ist viel gereist und hat sich die Instrumente dann per Schiff bringen lassen, aus Brasilien oder so. Klavier spiele ich, seit ich sechs bin, wollte aber nie Pianistin werden. Mit zwölf oder 13 merkte ich, dass ich mich gut mit Musik ausdrücken kann und habe das Klavier dann eher als Mittel zum Zweck benutzt.

Es heißt, du bist durch Youtube bekannt geworden. Was war passiert?

Lea: Mit 15 habe ich meinen ersten Song, den ich mit Klassenkameraden im Musikraum aufgenommen hatte, ins Netz gestellt. In der großen Pause hatten wir auch gleich ein Video dazu gedreht. Ich wollte wissen, was die Leute von meiner Musik halten, die mich nicht persönlich kennen. Plötzlich hat Youtube meinen Clip auf die Startseite gestellt, und ich hatte innerhalb einer Nacht 45 000 Klicks. Das war überwältigend, schön und spannend.

Du warst also Youtube-Star?

Lea: Nein, ich bin weiter ganz normal zur Schule gegangen, habe vielleicht einmal pro Jahr einen neuen Song hochgeladen und erstmal Sonderpädagogik und Musik in Hannover studiert. Youtube hat Türen geöffnet, für mich war auch klar, dass ich Musik machen will, aber das Studium ist mir auch wichtig. Nur die Bachelor-Arbeit muss ich noch abgeben, dann bin ich fertig.

Live: 4. Mai, Hamburg (Häkken), 5. Mai, Berlin (Berghain Kantine)

Von Interview von Steffen Rüth

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