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Mal eine Thrash-Platte auf Deutsch

Mal eine Thrash-Platte auf Deutsch

Sodom gehören im Thrash Metal zum Besten, was Deutschland zu bieten hat / Mit dem Album „Decision Day“ untermauern die Ruhrpotter ihren Ruf / Sänger Tom Angelripper erklärt die Erfolgsformel

Ist es zu euphorisch, das neue Album mit eurem Genre-Klassiker „Agent Orange“ von 1989 zu vergleichen?

Tom Angelripper: Für mich ist es einfach nur ein neues Album. Mit einem anderen Produzenten, anderem Sound, anderen Texten, anderer Musik. Ich freu mich, wenn man Parallelen zu unseren älteren Sachen zieht. Das zeigt, dass wir unsere Herkunft nicht verleugnen, dass wir uns nie angepasst haben. Wir machen die Musik, die in uns ist.

Es ist sehr heftig und klingt nach den späten 80ern. Und das von alten Zauseln, wo andere eher altersmilde werden.

T.A.: Wir haben uns aber auch nie geändert, im Gegensatz zu anderen Bands, die in den 90ern kommerzieller wurden. Wir können es genau wie früher. Unser Produzent fand zum Beispiel, dass meine Stimme von den alten Sodom-Sachen super zu den neuen Songs passt. Ich kann wie Tom Araya von Slayer, wie Cronos von Venom oder wie Quorthon von Bathory klingen. Den typischen Black-Metal-Gesang hat ja nicht Quorthon erfunden, sondern ich. Ich habe damit angefangen, da nehme ich mir auch das Recht raus, heute so zu singen.

Kannst du dir vorstellen, wieder genau solche geknüppelten Black- Metal-Alben zu machen wie in euren Anfangstagen, als ihr das Genre miterfandet?

T.A.: Ja, absolut. Aber da müssen die andere mitentscheiden. Auch textlich will ich mich nicht festnageln lassen. Songs wie „Belligerence“ hätten auch damals gut reingepasst. Ist ja nicht so, dass ich immer nur über Politikscheiße schreibe – Dritter Weltkrieg und was uns da noch so bevorsteht. Oder „Caligula“ – ein historischer Text. Der ist wahrlich nicht zum Schmunzeln. Das ganz Extreme haben wir natürlich abgelegt. Das haben wir bei „In The Sign Of Evil“ ausgelebt, aber es kann durchaus sein, dass ein Album mal wieder in die Black-Metal-Richtung geht.

Du sagst uns den Dritten Weltkrieg voraus.

T.A.: Ich habe da wirklich meine Bedenken. Wenn man hört, dass die Nato das größte militärische Aufgebot seit dem Zweiten Weltkrieg an die europäische Ostgrenzen verfrachtete, muss das einen Grund haben. Schau es dir an: Ukraine, Türkei, die EU zerbricht, die Bündnispartner fallen weg ... Irgendwann wird was passieren. Und wenn sie sogar sagen, ihr müsst euch Vorräte für zehn Tage anlegen ... Wie kommen die darauf? Warum soll man sich plötzlich für zehn Tage Ravioli in den Keller stellen? Ist doch komisch. Für mich führt da kein Weg mehr raus. Ich hoffe nicht, dass „Decision Day“ der Weltuntergangssampler wird, sondern erst das nächste Album (lacht).

Das größte Heavy-Metal-Festival Europas, das Wacken Open Air, hat mit den Jahren komplett sein Gesicht verändert? Ist es noch das Epizentrum des Heavy Metal?

T.A.: Viele sagen, es würde die Atmosphäre fehlen und es sei nicht mehr richtig Metal. Aber man kann sich ja auch für andere Festivals entscheiden, die noch Metal sind. Wir müssen aber trotzdem immer mal wieder in Wacken spielen, da dort genug sind, die uns mögen. Als Band hat man es da auch ziemlich gut (lacht). Als Fan würde ich da nicht mehr hinfahren. Es hat Volksfestcharakter. Die Bands sind da fast Beiwerk. Für viele ist Wacken eine Party, und die wissen gar nicht, wer da spielt.

In der Jagdzeitschrift „Wilde Hunde“ schmückst du die Titelseite. Dort zeigst du dich als Jäger.

T.A.: Ich bin als Kind schon durch die Wälder gestreift, habe Rehe beobachtet und war fasziniert von Tieren. Und dann habe ich einen Hang zu Waffen. Da lief das zusammen. Die Jägerprüfung habe ich 1992 gemacht. Das habe ich nie an die große Glocke gehängt, es mag ja auch nicht jeder. Nach einer Amerika-Tournee zum Beispiel gehe ich in mein Jagdrevier und habe den totalen Ausgleich zum Musikerleben. Es geht bei der Jagd nicht platt ums Tiere töten. Da gehört viel mehr dazu. Auf dem neuen Album haben wir den Song „Blood Lions“, der beschreibt die Großwildjagd der Reichen, in diesem Fall auf Löwen. Das hat mit der weidgerechten Jagd nichts zu tun.

„Ausgebombt“, „Wachturm“, „Die stumme Ursel“ – Sodom bringt man mit Thrash Metal auf Deutsch in Verbindung. Wie sieht es da in Zukunft aus?

T.A.: Vielleicht mal ein Album sowohl in Englisch als auch in Deutsch. So was hat es im Thrash noch nie gegeben. Würde ich gern mal machen. Die meisten Fans haben wir in Deutschland, wir sind Deutsche – da liegt es nahe.

Jens-Uwe Berndt

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