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Neil Young live: Wutbürger mit Öko-Botschaft

Berlin Neil Young live: Wutbürger mit Öko-Botschaft

Er war, ist und bleibt ein liebenswerter Spinner. Neil Young macht schon seit Jahrzehnten, was er will - manchmal ziemlichen Mist, oft tolle Sachen.

Berlin. Er war, ist und bleibt ein liebenswerter Spinner. Neil Young macht schon seit Jahrzehnten, was er will - manchmal ziemlichen Mist, oft tolle Sachen. Jetzt also wieder mal eine Platte mit Konzertaufnahmen, die irgendwo dazwischen liegt.

Auf „Earth“ (Reprise/Warner), einem Live-Doppelalbum (mit gewissen Einschränkungen, dazu später mehr), lässt der 70-jährige Kanadier seiner seit Jahren offensiv vertretenen Öko-Botschaft und der Wut gegen US-Großkonzerne freien Lauf. Nicht umsonst heißt die Platte, wie sie heißt. Und nicht umsonst ist „Mother Earth“ der Opener - ein Lied, in dem es um den Schutz von Mutter Erde vor der Gier und Herzlosigkeit des Menschen geht.

Später kommt der an den weltweit umstrittenen Saatgutkonzern Monsanto adressierte Titelsong von Youngs letztem Studioalbum, „The Monsanto Years“, hinzu. Und auch die olle Kamelle „My Country Home“ oder der Klassiker „After The Gold Rush“ passen ins umweltbewusste Konzept dieses merkwürdigen Werks.

Merkwürdig (und für manche sicher gewöhnungsbedürftig) ist „Earth“ vor allem, weil Young und seine neue Begleitband Promise Of The Real die Live-Stücke im Studio nachbearbeitet haben, und zwar nicht für einen besseren Sound. „Warning: Contains Modified Content“ steht schon als Hinweis auf dem Cover, der Hörer ist also in Hab-Acht-Stellung.

Was dann auf ihn zukommt, ist auch für Neil-Young-Verhältnisse äußerst seltsam: Die insgesamt 13 mehr oder weniger bekannten Tracks sind mit Tier-, Natur- und (wenigen) Stadtgeräuschen verziert. Entweder in Song-Überleitungen oder auch mal mittendrin wiehert, bellt, röhrt, zwitschert, kreischt oder keckert es nach Herzenslust. Dazu spielt die Band - unter anderem zwei Söhne des mit Young befreundeten Country-Rebellen Willie Nelson - einen amtlichen Crazy-Horse-Sound.

Rau, wütend und verzerrt wie einst beim legendären Begleitertrio um den Bassisten Billy Talbot klingt auch Promise Of The Real, und Neil Young singt dazu mit der typischen Fistelstimme, spielt grandios seine Alter-Recke-Gitarre und bedient nebenbei Mundharmonika, Piano und Pumporgel. Das Klangbild des Albums ist teilweise - nun ja, archaisch. Höhepunkt ist - wie so oft in Youngs Konzerten - das mitreißende „Love And Only Love“ in einer ziemlich irren 28-Minuten-Version.

Insofern alles beim Alten also, zumal Crazy Horse zuletzt ja etwas gebrechlich wurden und die neuen Buddies jetzt jung und frisch auf der Bühne stehen. Neil-Young-Fans werden auch diese x-te Live-Platte des Meisters mögen und sich auf die kommende Europa-Tournee freuen, die ihn unter anderem nach Montreux in der Schweiz (12.7.), Leipzig (20.7.), Berlin (21.7.) und Linz (Schloss Klam) in Österreich (23.7.) führen wird.

Dort sollen Zelte und Info-Stände von Öko-Organisationen und anderen sozial engagierten Vereinen aufgebaut sein. Man darf gespannt sein, ob auch die Tierstimmen ihren Auftritt bekommen. „'Earth' passt nicht zu iTunes“, hat der ewige Querkopf Young über sein neues Werk wohlweislich gesagt (und damit gleich einen seiner Lieblingsfeinde angesprochen). „Es bricht alle Regeln.“ Recht hat er. Man kann ihn auch dafür nur verehren.

dpa

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