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Nörgler, Styler, Camper: Typologie der Festivalbesucher

Scheeßel Nörgler, Styler, Camper: Typologie der Festivalbesucher

Die einen sitzen den ganzen Tag im Campingstuhl unter ihrem Pavillon, die anderen pogen in der feiernden Menge vor der Bühne und wieder andere schlendern durchgestylt über das Gelände: auf Festivals trifft man immer wieder auf die gleichen Typen.

Scheeßel. Sommer ist Festivalzeit - und am Wochenende strömen wieder Zehntausende Musikfans im niedersächsischen Scheeßel zum „Hurricane“ und in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg zum „Southside“. Wer da so unterwegs ist - ein Überblick:

DIE ANGEBER waren schon überall: Auf dem „Melt!“, der „Fusion“ oder bei „Rock am Ring“. Sie zeigen das entweder mit reihenweise Festivalbändchen der vergangenen Jahre am Handgelenk oder nähen lauter bunte Aufnäher auf ihre Lederjacken.

DIE CAMPER fahren nicht zum Festival, um Musik zu hören. Sie kommen fürs Drumherum. Sie grillen schon zum Frühstück. Lassen Leute nur durch, wenn sie Limbo unter einer gespannten Leine getanzt haben. Und sitzen in ihren Anglerstühlen, wenn sie nicht gerade das allseits beliebte Trinkspiel Flunkyball spielen.

DIE DEKADENTEN kamen früher mit dem Wohnmobil zum Festival und kaufen sich heute ein Ticket fürs Resort. Auf dem „Hurricane“ zum Beispiel, wo es eine „Ruhe-Insel im Festival-Wahnsinn“ mit beleuchteten Gehwegen, täglicher Müllabfuhr und WLAN gibt. Die Light-Version: Das Green-Camping für Umweltbewusste - kostet auch nicht mehr.

DIE NÖRGLER meckern, wenn das Zelt nass und vor der Bühne eine Schlammpiste ist, die Dixie-Klos stinken und die Nachbarn zu laut sind oder die Raviolis in der Dose auf dem Gasbrenner nicht heiß werden. Fast alle anderen wünschen sich, sie wären nicht gekommen.

PFANDSAMMLER haben sich längst ausgerechnet, was ein Wochenende mit Getränken für Zehntausende Menschen in den Geldbeutel bringt. Sie kaufen die teuren Festival-Tickets und räumen die 25-Cent-Dosen auf. Nur ärgerlich, wenn sie auf PFANDVERMEIDER treffen: Die haben vorgesorgt und ihr Bier hinter der deutschen Grenze gekauft.

DIE SCHMUTZIGEN springen im Matsch, schwitzen in der Sonne und bekleckern sich mit Bier. Sie verzichten dennoch drei Tage lang aufs Umziehen, Zähneputzen und Waschen. Wer wird schon sauber in den provisorischen Duschkabinen.

DIE SELBSTVERSORGER bringen vom Frühstück bis zum Abendbrot alles mit. Und das, obwohl Festivals mittlerweile mit einem Essensangebot von Bio bis Fast-Food und Supermärkten das reinste Konsumparadies sind. Tage vor dem Ereignis wird Kuchen gebacken, Salat geschnippelt und Grillgut gekauft. Den Alkohol schmuggeln sie in Tetrapacks vor die Bühnen.

DIE STYLER laufen in abgeschnittener Jeans, Gummistiefeln und mit Sonnenbrille übers Festival-Gelände. Längst gibt es in jedem Online-Shop „Festival Outfits“ zu kaufen. Und wer seins vergessen hat, kann mittlerweile in den zahlreichen Läden auf den Festival-Geländen auf Shopping-Tour gehen.

DIE WAHREN FESTIVALISTEN zeigen die Pommesgabel, brüllen „Helga!“ und lachen immer noch über diesen alten Running Gag, pogen in der ersten Reihe und sind bei jeder ihrer Lieblingsbands am Start. Die besonders mutigen unter ihnen springen ins Publikum und lassen sich auf den Händen der Masse tragen - zum Leidwesen der Securitys.

dpa

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