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Nonsens am Neckar: Helge Schneider wieder auf Tournee

Anarcho-Jazzer Nonsens am Neckar: Helge Schneider wieder auf Tournee

„Ene Mene Mopel“ heißt das neue Programm von Helge Schneider, aber eigentlich ist alles wie immer. Zum Auftakt des Deutschland-Teils präsentiert der Improvisationskönig aus Mülheim an der Ruhr wieder erhabene Sinnlosigkeit und spielt sich quer durch die Musikstile.

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Zwischen Heiterkeit, Ernst und Wahnsinn: Helge Schneider in der Heidelberger Stadthalle.

Quelle: Uwe Anspach

Heidelberg. In der Welt von Helge Schneider ist alles möglich. Der Entertainer und Musiker schwenkt mitten im Quatsch-Hit „Katzeklo“ plötzlich in die Weber-Oper „Der Freischütz“ um und erklärt an anderer Stelle das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ zur Nationalhymne der Schweiz.

Zum Auftakt des Deutschland-Teils seiner neuen Tournee präsentiert sich der 62-Jährige in Heidelberg in Bestform und kaspert auf etlichen Instrumenten herum. Bis Jahresende plant der Improvisationskönig aus Mülheim an der Ruhr rund 40 Gastspiele, darunter zwei Auftritte in der Elbphilharmonie.

In der Heidelberger Stadthalle wird den etwa 1350 Zuschauern schnell klar, dass der Tourneetitel „Ene Mene Mopel“ nichts mit dem Programm zu tun hat. Alles ist wie immer bei diesem Multitalent - erhabene Sinnlosigkeit, gepaart mit lässigen Jazzeinsprengseln. Schneiders Augen funkeln verschmitzt, wenn er sich zwischen bekannten Liedern wie „Es gibt Reis, Baby“ oder „Der Wurstfachverkäuferin“ Zeit nimmt für Witzeleien. Etwa für die Neuigkeit, dass der Schlager „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (1965) in Wirklichkeit von Beethoven geschrieben wurde („Der Komponist mit der frechen Frisur“).

Amüsiert winken die Besucher ab, wenn der Quatschmacher Heidelberg aufs Korn nimmt. „Diese Halle ist untrennbarer Teil meiner Karriere. Wie andere Hallen in anderen Städten auch“, sagt er etwa vernuschelt. Und ergänzt: „Ich würde ja öfter kommen, aber ich finde in Heidelberg keinen Parkplatz.“ Die Romantikstadt „am Rhein“ sei weltberühmt, sogar ein Tourist aus Andorra sei da. „Getroffen habe ich den leider nicht, er ging in der Parallelstraße.“ Sein Bassist Rudi Olbrich habe lange im Heidelberger „Körperwelten“-Museum mit präparierten Leichen gearbeitet und trage „heute Abend erstmals wieder Haut“.

Dass in mehr als zwei Stunden nicht jede Pointe zündet, wird dem Ruhrpott-Clown verziehen. Wenn Schneider dann in seiner schnodderigen Art genug albernes Zeug geredet hat, legt er los mit raffinierten Rhythmen. Mit Olbrich am Kontrabass und Peter Thoms am Schlagzeug spielt sich der Anarcho-Jazzer quer durch die Musikstile, singt etwa Folkloresongs in Fantasiespanisch und wirkt bei Swingsongs wie ein Frank Sinatra des Absurden. Seine aus zwei Generationen zusammengekommenen Fans danken es ihm mit viel Applaus.

Auf der „Ene Mene Mopel“-Tour bietet der kauzige Schneider ein Gemisch aus intelligenter Unterhaltung und Nonsens, ein Feuerwerk aus Kalauern und seltsamen Liedern. „In meiner Show bin ich Komiker, aber mein Herz schlägt für die Musik“, hatte er vor kurzem in einem Interview gesagt. Ein guter Musiker müsse sich selbst nicht so wahnsinnig ernst nehmen - sondern die Musik. „Er muss sie als eigenständiges Lebewesen anerkennen. Die Musik war immer schon da.“

Der Mann mit der wirren Frisur, der sich selbst oft als „Singende Herrentorte“ bezeichnet, lässt sich nicht gerne in eine Schublade stecken. Schneider will improvisieren, mit Instrument und Sprache. Er präsentiert Kinderkram mit heiligem Ernst und lacht immer wieder über seine eigenen Einfälle. Der schmale Mann im blauen Anzug wirkt an diesem Abend in Heidelberg, als wisse er selbst nicht so genau, was er da eigentlich treibt. Ist das vielleicht sein Witz-Geheimnis?

Die Idee sei einfach, sagte Schneider vor kurzem. Er wolle einen guten Auftritt hinlegen, mehr könne man nicht von ihm verlangen. „Du gehst auf die Bühne, da ist Publikum, du machst was, das Publikum applaudiert, alle sind froh, und dann ist es zu Ende und auch schon vergessen.“ Ab Dezember will der Freigeist auch wieder solo spielen.

dpa

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