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Musik Poliça: Revolution, Baby!
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00:00 17.03.2016
Alles andere als unpolitische Menschen: die Musiker der Band Poliça um Sängerin Channy Leaneagh. Quelle: Mon And Pop Music

Die zweifache Mutter aus Minneapolis sieht sich zwar immer noch als die Folksängerin, die sie früher einmal war. Allerdings steht das Quintett Poliça, das seit Erscheinen des Debütalbums „Give you the Ghost“ 2012, von Kritik und Publikum gefeiert wird, heute in erster Linie für alternativen Synthie-Pop, Electro, R&B, Indie, Jazz, Softrock und New Wave. Manch ein Song des dritten Albums „United Crushers“ ist wie geschaffen für die großstädtische Indie-Disco. Kein Wunder, dass Poliça das neue Album jüngst ausgerechnet im Berliner Club „Berghain“ uraufführte. Tags darauf sprachen wir mit Channy Leaneagh.

Sängerin Channy Leaneagh hat viel Idealismus. Cameron Wittig Quelle: Foto:

Channy, wer oder was sind die United Crushers?

Channy Leaneagh: Das ist eine Crew von Graffiti-Aktivisten, die in meiner Heimatstadt Minneapolis aktiv ist. Sie machen großartige Graffiti-Kunst, um das System zu verbessern und den Zusammenhalt zu stärken.

Euer vorheriges Album war von der kanadischen Feministin Shulamith Firestone inspiriert, das neue also von anarchischen Sprayern.

Channy: Ich bewundere Menschen, die sich gegen das Establishment auflehnen und die Ordnung der Dinge bekämpfen.

Im Video zu „Wedding“, das an die „Sesamstrasse“ erinnert, unterhältst du dich mit Puppen über Polizeibrutalität. Aktivismus schon für Kinder?

Channy: Man kann nicht früh genug anfangen. Der Song dreht sich um die menschenverachtende Symbiose zwischen Polizeimacht und Drogengewalt in den USA. Die beiden füttern sich gegenseitig. Und so tritt die Polizei dann in manchen Vierteln auf wie eine Besatzerarmee, mit Panzern und martialischen Waffen, um die Bewohner zu terrorisieren. Die Leute kennen oft ihre Rechte nicht, zum Beispiel das Recht auf Protest. Deshalb erinnere ich sie daran.

Bist du selbst eine Rebellin?

Channy: Ich mag das Wort ‘Rebellin‘ nicht besonders, aber ich mag es, Autoritäten zu hinterfragen und zu kritisieren. Wenn du aktuell wach durchs Leben gehst, kannst du gar nicht anders, als für eine Revolution kämpfen zu wollen. Ungerechtigkeiten nicht hinzunehmen, seien sie rassistischer, chauvinistischer oder welcher Art auch immer, einzutreten für Schwächere, Solidarität zu zeigen — das sind Werte, für die ich persönlich und mit unserer Musik stehen möchte.

Ich nehme an, du hältst im Präsidentschaftsrennen zu Bernie Sanders?

Channy: Ich würde mein linkes Bein verschenken, sollte Sanders tatsächlich Präsident werden. Immer mehr Amerikaner sind begeistert von ihm und seinen ‚europäischen‘ Ideen.

Habt ihr den Song „Berlin“ tatsächlich auch dort komponiert?

Channy: Zum Teil. Unser Produzent Ryan Olson hat den Beat in Berlin geschrieben. Im Sommer werden wir wieder einige Zeit in Berlin verbringen, um mit der tollen Gruppe Stargazer an neuer Musik zu arbeiten. Wir lieben Berlin. So ziemlich das Tollste, was mein guter Freund Justin Vernon von Bon Iver je zu mir sagte, war: „Channy, ihr hört euch an wie eine richtig coole, deutsche Band.“

Angesichts der ernsten Themen auf „United Crushers“ klingt euer elektronischer Synthie-Pop herzhafter und aufbauender als je zuvor.

Channy: Ich bin nicht superoptimistisch, was die Gesamtlage angeht. Aber ich finde es wichtig, Hoffnung zu haben und auch ein bisschen heiter aufzutreten. Ich habe zwei kleine Kinder, und die sollen in dem Wissen aufwachsen, dass es sich lohnt und Spaß macht, für eine bessere Welt zu kämpfen.

Live: 29. Oktober, Hamburg

(Uebel&Gefährlich); 4. November,

Berlin (Astra Kulturhaus)

Von Interview von Steffen Rüth

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