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„Popmusik steht für Demokratie“

Zwei „Popmusik steht für Demokratie“

Das Berliner Duo 2raumwohnung kehrt auf der neuen Platte „Achtung fertig“ zu alten elektronischen Wurzeln zurück.

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Inga Humpe und Tommi Eckart alias 2raumwohnung sind im Leben und im Beruf ein Paar.

Quelle: promo

Inga Humpe und Tommi Eckart sind 2raumwohnung. Das umtriebige Liebespaar aus Berlin durchforstet seit zwölf Jahren die elektronische Musiklandschaft auf der Suche nach neuen Klängen. Auf ihrem aktuellen Album haben die beiden — nach Ausflügen in die Welt des Bossa Nova, Techno, Neo-Wave und Punk — wieder zu ihren elektronischen Wurzeln gefunden. Inga Humpe (57) sprach mit dem OZelot über Freiheit und Frustration.

OZelot: Inga, „Achtung Fertig“ ist bereits das siebte Album von 2raumwohnung. Fällt dir die kreative Arbeit leicht?

Inga Humpe: Kreativität kommt immer in Wellen. Es gibt leichte Phasen, in denen man vier Ideen übereinander hat, aber auch mühsame und schwere, in denen nichts geht und nur ein Satz passiert. Wer als Künstler kreativ arbeiten will, muss vor allem Frustration aushalten können.

OZelot: Wie überwindest du schwierige Phasen?

Inga: Manchmal mache ich dann etwas ganz anderes, gehe auf die Straße und gucke mir die Leute an. Und dann passiert irgendwas. Manchmal lese ich oder versuche, mich zu beruhigen.

Manchmal gibt es große Diskussionen mit anderen Kreativen. Diesen Zustand kennt jeder.

OZelot: In welcher Grundstimmung hast du die neuen Songs geschrieben?

Inga: Ich würde sagen: Aufbruch. In einer fremden Stadt wie Los Angeles zu arbeiten, wo dich keiner kennt. Das fühlt sich irgendwie wie ein Neubeginn an. Man erfährt sich selber auf eine neue Art. Frisch!

OZelot: Wie findet ihr eure Themen?

Inga: Nun, ich könnte in den Songs auch erzählen, wie schlecht die Welt ist. Meiner Erfahrung nach macht es aber mehr Sinn, die Einfachheit von Popmusik stärker herauszustellen. Sie wird oft banalisiert nach dem Motto: Wer braucht schon Tralala? Man muss sich aber mal bewusst machen, dass in etlichen Ländern Popmusik verboten ist. Berlin ist eine sehr freie Stadt. Sobald du hier rausgehst, bekommst du einen anderen Blick auf die Welt. Deswegen ist Popmusik auch ein Ausdruck von Demokratie, Freiräumen und Lebensfreude, die Menschen teilen dürfen.

OZelot: In L.A. habt ihr mit dem Produzenten der Gorillaz gearbeitet. Was habt ihr dort noch erlebt?

Inga: Wir waren bei der Grammy-Verleihung und haben uns geballt die Gewinner von 2012 angeschaut — von den Beach Boys bis Rihanna. Die Vielfalt der Künstler dort ist sehr, sehr groß.

Los Angeles ist aber nicht die USA. Es ist eine sehr spezielle Stadt. Sie ist militärisch angeordnet mit diesen geraden Straßen. Alle Leute fahren unendlich viel Auto, auch wir. In den Autos wird alles gemacht: Büroarbeiten, Fingernägel lackieren, rasieren, Texte schreiben. Das Tolle an L.A. ist, dass dort 60 Nationen zusammen leben. Offensichtlich funktioniert das.

OZelot: Das Album markiert eine Rückkehr zu den elektronischen Wurzeln von 2raumwohnung. Ist L.A. daran schuld?

Inga: Bereits in dem Moment, wo wir wussten, dass wir ein neues Album machen, haben wir uns gefragt, wie wir es machen. Man kann sowas nicht planen, aber man kann sich einen musikalischen Rahmen setzen. Hier in Deutschland gibt es eine Tradition von elektronischer Musik, die für unser Gefühl nicht so richtig fortgeführt wird. Wir wollten mit dieser Platte deutlich machen, dass elektronische Musik ein Teil der hiesigen Kultur ist.

OZelot: Was kann elektronische Musik, was handgemachte Musik nicht kann?

Inga: Elektronische Musik klingt grundsätzlich dichter als handgemachte. Die Maschine hat etwas Muskulöses und Tanzorientiertes. Alles, was man live an Instrumenten und kleinen „Fills“ dazu spielt, klingt dann besonders lebendig. Da drauf zu singen ist ganz anders als auf eine Live-Band zu singen.

Die Platte „36 Grad“ war der größte Erfolg
Das Elektropopduo 2raumwohnung hat sich um die Jahrtausendwende in Berlin gegründet. Sängerin Inga Humpe und ihr Lebensgefährte Tommi Eckart   brachten 2001 ihre erste Platte „Kommt zusammen“ heraus. Den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere erreichten sie mit dem Album „36 Grad“.

2001 traten sie in der Fernsehserie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ auf. Geschafft hat das Duo es auch in die deutsche Literatur: So tanzt im Roman „Nachrückende Generationen“ ein Junge zum Song „Wir sind die anderen“.

Live: 31.10, Berlin (Heimathafen Neukölln), 1.11.Hamburg (Mojo Club)

 

 

Interview von OIaf Neumann

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