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Prince-Magie wirkt auch posthum

Berlin Prince-Magie wirkt auch posthum

Wer das finanzielle Erbe von Prince antritt, ist so unklar wie die Umstände seines Todes mit 57 Jahren. Sicher ist jedoch, dass noch viel Musik des Pop-Magiers in den Archiven liegt. Der Mann war bis zum Schluss kreativ - wie auch sein letztes offizielles Album zeigt.

Berlin. Sieben Alben von Prince in den deutschen Charts, zwei seiner Platten an der Spitze der US-Hitparade Billboard: Die Welt hört dem jahrelang zur Pop-Randerscheinung herabgesunkenen einstigen US-Superstar wieder zu - nun, da er nicht mehr lebt.

Während die Umstände seines überraschenden Todes am 21. April auf dem Studio-Wohnkomplex bei Minneapolis noch untersucht werden und das Gerangel um die Dollar-Millionen mangels Testaments losgeht, darf über das kommerzielle Posthum-Potenzial von Prince spekuliert werden - des Mannes, der Rock, Soul, Funk, Blues und Jazz so kongenial verband wie noch keiner zuvor.

In einem zwei Jahre alten Interview, das die Fachzeitschrift „Rolling Stone“ soeben veröffentlichte, sagte Prince: „Ich habe täglich Musik aufgenommen.“ Da lägen „Lieder in der Schatzkammer, die noch niemand gehört hat. Und es gibt mehrere Schatzkammern.“ Er habe so viel Material eingespielt, dass daraus ganze Alben nach Schaffensperioden zusammengestellt werden könnten, fügte der damals 55-jährige Sänger und Multi-Instrumentalist hinzu. Auf die Reporterfrage, ob solche Kompilationen später, also nach seinem Tod, herauskommen sollten, sagte Prince:  „Über ein 'Später' denke ich nicht nach. Ich denke nur Richtung Zukunft.“

Nun war Prince auch in den vergangenen 15 Jahren, als er den Status eines Pop-Erneuerers und zuverlässigen Hitlieferanten aus den 80ern und 90ern endgültig verloren hatte, nicht gerade geizig mit Veröffentlichungen. Im Gegenteil - sein künstlerischer Output wirkte oft ziellos, er brachte neben hochwertigen Songs viel Halbgares heraus, der Wahlspruch „Just killers, no fillers“ („Nur Topsongs, kein Füllmaterial“) galt nicht mehr. Prince verscherbelte Platten als Zeitungsbeilage, anderes Material war nur auf obskuren Vertriebswegen erhältlich, einige Alben verschenkte er bei seinen weiterhin fabelhaften Konzerten.

Solch rares Fan-Futter war ursprünglich auch „HitnRun Phase Two“, eine wohl nicht ganz zufällig seit Ende April (also erst nach dem Todestag) überall problemlos auf CD erhältliche Songsammlung. Es könnte sich dabei um das letzte vom Meister selbst - und nicht von Nachlassverwaltern - autorisierte Prince-Album handeln. Und es beweist, dass der Mann, wenn er sich denn konzentrierte, immer noch in Gänze erstklassige Platten aufnehmen konnte.

Zudem kann man anhand dieser Sessions vermuten, dass Prince in seinen geheimnisvollen Studio-Tresoren im berühmten Paisley-Park-Komplex nicht nur noch sehr viele, sondern auch sehr gute Lieder gebunkert hat. „Ich habe den Plattenfirmen nicht immer die besten Songs gegeben“, sagte er dem „Rolling Stone“.

„HitnRun Phase Two“ ist das nach offizieller Zählung 39. Prince-Studioalbum in knapp 40 Jahren Karriere - schon die reine Masse an zu Lebzeiten veröffentlichtem Material dieses Hyperaktiven ist atemberaubend. Die fast 60 Minuten lange Platte erschien vor einigen Monaten unter Ausschluss eines breiten Publikums beim Prince-Eigenvertrieb NPG Records als Download. Eine CD erhielten  Konzertbesucher zwischen dem 16. Februar und dem 14. April - bis Prince wegen Krankheit und Schwäche die Tournee abbrechen musste.

Die Platte ist wie „ein Kessel Buntes“: Sechs Stücke waren zwar als Studioaufnahmen bekannt, aber auf keinem Album zu finden, andere sind wirklich ganz neu. Die nicht nur für langjährige, sondern auch für jetzt hinzukommende Fans wichtigste Frage: Taugt das alt-neue Prince-Zeugs noch etwas? War er noch gut bei Stimme?

Die Antwort lässt Gutes erhoffen für die Nachlassverwertung dieses stilbildenden, eigenwilligen Künstlers: „HitnRun Phase Two“ ist das womöglich stärkste Prince-Album seit langer Zeit. Keine komplette Neuorientierung, aber eben auch kein schaler Aufguss voller Selbstzitate. Sondern eine vor Energie vibrierende Mixtur aus schnittigem Bläser-Funk (Earth, Wind & Fire lassen grüßen), toll gesungenen Soul-Balladen („When She Comes“), Jazz-Sprengseln und ambitioniertem Pop. Mit „Baltimore“, seinem Lied über staatliche Gewalt gegen US-Afroamerikaner, lässt sich Prince auch mal wieder als politischer Songwriter vernehmen. Das Fazit: Sein Tod mit 57 ist längst nicht das Ende der Legende.

dpa

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