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Musik Roxanne de Bastion: Englische Sängerin mit Berliner Wurzeln
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14:35 02.05.2017
Roxanne de Bastion geht ihren eigenen Weg. Quelle: Peter Zschunke
Mainz

Zart und verletzlich auf der einen, heiter und kraftvoll auf der anderen Seite: Das zweite Album der britischen Sängerin Roxanne de Bastion bringt die vielfältigen Facetten der in Berlin geborenen Musikerin zum Klingen.

Diese geht musikalisch ebenso ihre eigenen Wege wie als unabhängige Singer-Songwriterin. Ihr Publikum findet Roxanne de Bastion über zahllose Live-Auftritte und die Internet-Plattformen Soundcloud, YouTube und Twitter. Im Frühjahr hat sie eine eigene USA-Tournee mit 21 Auftritten in fünf Wochen organisiert, im September will sie zu Konzerten nach Deutschland kommen.

Bislang sind noch meist die kleinen Räume wie der Info-Laden in Wiesbaden ihre Bühne gewesen, Räume, in denen Roxanne ihrem Publikum ganz nah ist, allein mit ihrer klaren und im Tonumfang ungewöhnlich weiten Stimme, Gitarre und einem oft etwas verstimmten Klavier. In diesen Wochen aber tourt sie zum ersten Mal mit Band durch England und tritt auf großen Festivals auf. 

Ihre Persönlichkeit kommt vielleicht am besten in dem Lied „Train Tracks“ zum Ausdruck. Der dritte Song des Albums verdankt seinen Titel wie seinen Rhythmus den vielen Bahnfahrten auf den selbst organisierten Tourneen: „Do what you love, do what you can, don’t buy into their shit - do it with style, do it with grace, and never loose your temper.“ (Tu, was du liebst, tu, was du kannst, lass dich nicht auf ihren Mist ein, mach es mit Stil, mach es mit Anmut und verliere nie die Geduld). 

Das in dieser Woche erscheinende Album „Heirlooms and Hearsay“ (Erbstücke und Hörensagen) ist eine Hommage an den eigenen Großvater - und an den Flügel, der im Familienbesitz geblieben ist. „Ich habe ihn nie gekannt, aber ich habe immer dieses Klavier gekannt“, erklärt sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wie wunderbar, dass es überlebt hat und ich darauf spielen kann!“

Am Ende des Albums ist der Leipziger Blüthner-Flügel von 1905 in einer sehr persönlichen Aufnahme aus dem Jahr 1954 zu hören, mit einer Komposition ihres Großvaters. Dem Pianisten Stephen de Bastion ist auch das erste Lied „Run“ gewidmet, in Erinnerung an dessen Leben in Ungarn während deutscher Besatzung und der Flucht nach England in der Nachkriegszeit.

Roxanne ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Mit „Wasteland“ ist ihre Geburtsstadt im neuen Album vertreten, und auch hier geht es um die Vergangenheit, um Botschaften auf der Mauer, und wie wir damit umgehen. „In einer schnelllebigen Stadt wie Berlin bekommt man eine Idee, wie fließend diese historischen Momente sind und schnell wir dazu neigen zu vergessen. Veränderung ist gut und unvermeidlich, aber es ist auch wichtig, nicht zu vergessen, damit wir nicht dieselben Fehler wieder machen.“

In Berlin hörte sie zum ersten Mal die Beatles mit dem „Yellow Submarine“, die sie ebenso geprägt haben wie Bob Dylan oder Regina Spektor. Als Roxanne mit der Schule in Berlin fertig war, „beschloss ich, dass es Zeit ist, mein eigenes musikalisches Leben zu beginnen und so packte ich eine Tasche und meine Gitarre und flog 2007 mit einem Einfachticket nach London“. 

Nach zahllosen Gigs in kleinen Kneipen oder intimen Wohnzimmer-Konzerten legte sie 2012 ihr erstes Album vor, „The Real Thing“, unter ihrem eigenen Label „Nomad Songs“. Die innigen, nachdenklichen Lieder erzählen von ihren Beobachtungen und Begegnungen, sie sind nah am Alltag, verzichten auf große Gesten und sprühen vor Gefühl und musikalischem Esprit. 

Das neue Album geht diesen Weg weiter, auch wenn die Instrumentierung jetzt häufiger über die Sologitarre hinausgeht. In „Thicker Skin“ wird die Zumutung, sich eine dicke Haut zulegen zu sollen, von einem tiefen Cello-Vibrato begleitet. „Wir können alle mehr Empathie gebrauchen“, fordert die Sängerin im Gespräch. Stattdessen würden empfindsame Menschen viel zu oft als „Sensibelchen“ angegangen. In „All that Remains“ unterstreichen behutsam eingesetzte Effekte die Innigkeit, in „Within“ unterstützt ein Schlagzeug den treibenden Gestus und den immer leicht quer zu den Hörgewohnheiten liegenden Roxanne-Sound. Aber die Leichtigkeit des Pops kommt auch mit wenig Mitteln aus: Im Video zu „Heart of Stone“ malt Roxanne ihr Klavier mit Kreide auf Hauswände und spielt darauf. 

Nationalismus, Menschenfeindlichkeit, Verhärtungen auf allen Seiten - Roxanne de Bastion greift die Eindrücke dieser Zeit auf ihre Weise auf und setzt ihre eigenen Kontrapunkte dagegen, behutsam, aber entschlossen und geduldig: „It takes time to unwind.“

dpa

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