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Scartazzinis Oper „Edward II.“ in Berlin

Uraufführung Scartazzinis Oper „Edward II.“ in Berlin

Mit einem Auftragswerk bringt der Schweizer Komponist Andrea Lorenzo Scartazzini den schwulen König Edward II. auf die Bühne. Die Opern-Provokation bleibt auf halbem Weg stecken.

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Szene aus der Oper „Edward II“ von Andrea Lorenzo Scartazzini an der Deutschen Oper in Berlin.

Quelle: Monika Rittershaus/deutsche Oper

Berlin. Er war homosexuell, wurde von der Kirche verfolgt und musste elend sterben: Edward II. ist schon eine besondere Gestalt in der Reihe der englischen Monarchen. Der Shakespeare-Zeitgenosse Christopher Marlowe, Bertolt Brecht und Kultregisseur Derek Jarman haben den König in Literatur und Kino verewigt.

Jetzt kommt der tragische Herrscher aus dem 14. Jahrhundert als Opernfigur auf die Bühne. Der Schweizer Komponist Andrea Lorenzo Scartazzini hat dem König ein 90 Minuten langes Stück gewidmet, die Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin bekam am Sonntag brausenden Beifall.

Tatsächlich liefert Edwards Leben (1284-1327) genug Stoff für eine satte Geschichte. Der König verkracht sich mit dem Vater und legt sich mit dem Adel an, scheitert als Krieger und stirbt am Ende qualvoll. Obendrein stellt ihm seine Frau Isabella nach, Edwards Geliebter Piers de Gaveston wird nach Irland verbannt.

Mit „Edward II.“ hat der 1971 in Basel geborene Scartazzini sein drittes Stück für das Musiktheater herausgebracht. Das Libretto schrieb Thomas Jonigk, der sich auf das Theaterstück von Marlowe (1564-1593) und andere Texte aus der Zeit stützt.

Doch leider bleibt in der Neufassung die Sprache auf der Strecke - Jonigk liefert einen hölzernen Text, in dem sich mittelalterliche Bezüge mit Alltags-Slang vermischen. „Mama, was heißt "geil"?“, fragt etwa Edwards Sohn. Königin Isabella will nicht als „dekorative Leiche“ sterben, am Ende werden wie im Nachspann zu einem Film die Lebensdaten des Königs aufgesagt und ein Touristenführer versichert dabei bemüht, dass Edward bis heute „eine identifikationsstiftende Figur der Homosexuellenbewegung sowie Inspiration für Historiker und Künstler“ sei.

Regisseur Christof Loy lässt die Szenen aus Edwards Leben vor schwarzem Hintergrund um eine Kirchenruine kreisen (Bühne: Annette Kurz/Licht: Stefan Bolliger). Auch Loy hebt die Zeitenfolge auf. Mal tritt der Chor als mittelalterlicher Mob auf, später in bunten Straßenkleidern mit Plakaten gegen die „Homoehe“, am Ende gar als Touristengruppe, die durch ein Museum spaziert. Edward und der in Feinripp eher spärlich bekleidete Piers liegen sich meistens in den Armen, der Bischof von Coventry taucht in glitzerndem Kleid auf (Kostüme: Klaus Bruns) und geißelt die Sodomie - und die Juden.

Derweil summt und surrt es im Orchestergraben, der Synthesiser fährt auf, Posaunen und Schlagzeug kommen auf ihre Kosten. Klangmassen prallen aufeinander, lyrische Momente wechseln sich unter der Leitung von Thomas Søndergård mit heftigen Ausbrüchen ab.

Bravourös schlagen sich dabei der Bariton Michael Nagy in der Titelpartie, die schwedische Sopranistin Agneta Eichenholz als Isabella sowie Ladislav Elgr in der Rolle des königlichen Geliebten. Auch Burkhard Ulrich trumpft als Bischof auf. Markus Brück und Gideon Poppe liefern, mal als Soldaten, mal als Räte oder Geistliche, in Uniform, Kutte oder als Ledermänner die komödiantischen Einlagen des Abends.

dpa

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