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„Selig ist für mich eine Lebenshaltung“

„Selig ist für mich eine Lebenshaltung“

Die Hamburger Band hat sich getrennt, erfolgreich wieder vereint – und macht heute lässigere Musik denn je

Lenard „Leo“ Schmidthals (47) arbeitet als Komponist, Produzent oder Gastmusiker, für Kollegen wie Revolverheld, Fury in the Slaughterhouse, Johannes Oerding, Heinz Rudolf Kunze oder Udo Lindenberg.

 

OZ-Bild

Lenard Schmidthals (v.l.), Stephan Eggert, Jan Plewka und Christian Neander sind die Rockband „Selig“.

Quelle: Sony

Auf Improvisationslust, Unberechenbarkeit und Risiko kommt es an.“Leo Schmidthals, Bassist

Seine große Liebe ist aber die Band Selig, bei der er Bass spielt.

Leo, soll euer neues Album noch in diesem Sommer erscheinen?

Leo: Ja, mehr oder weniger. Wenn es nach Jan ginge (Sänger Jan Plewka, Anm. d.Red.), würden wir durcharbeiten. Aber wir sind echt fleißig dabei und bündeln unsere Kräfte für neue Ideen, die wirklich massig nach vorne drängen. Wir haben auch ganz viele Stücke geschrieben; eines ist ganz fertig. Das fühlt sich gut an. Es gibt auch ganz viele Songideen, Dinge, die man ausdrücken möchte?

Das ist vermutlich das Schwierigste, wenn man so lange im Geschäft ist wie Selig: Die Dinge, die einem anfangs auf der Seele brannten, dürften längst gesagt worden sein, oder?

Leo: Stimmt. Aber: Es gibt zwar heute ganz viele deutschsprachige Musik. Doch was wir machen, ist, denke ich, sehr eigen. Diese Eigenheit noch einmal ganz klar herauszuarbeiten, das ist unser Ziel.

Wer oder was ist Selig heute? Auf jeden Fall doch eine Band, die es nicht geben müsste, die sich getrennt und freiwillig wieder zusammengekommen ist.

Leo: Nach den zehn Jahren Pause haben wir gesagt, dass wir nur weitermachen können, wenn wir etwas zu sagen haben. Vorher hatten wir alles Zwischenmenschliche geklärt; das hat ein halbes Jahr gedauert. Dann war das Außermusikalische geklärt. Wir haben uns im Probenraum getroffen – und haben in rasender Geschwindigkeit die ersten Songs geschrieben – als hätte sich ein Ventil geöffnet. Und wir haben gemerkt, dass wir Musik machen, die so in Deutschland keine andere Band macht.

Das heißt?

Leo: Wir haben vielleicht eine gewisse Lässigkeit, was die Grooves angeht, dazu ein Rock’n’Roll-Feeling – in der Hinsicht haben wir alle viel erlebt. Und, dank Jan, mit Texten, die in die Tiefe gehen.

Im Gegensatz zu all den altklugen Poesiealben-Versen aus den Charts? Müssen die alten Kerle noch das Fähnchen hochhalten?

Leo: Irgendwie schon. Als wir bei unserer Plattenfirma waren, da wird natürlich auch viel über Radiolieder diskutiert. Aber wir sind davon inzwischen total befreit. Zum Glück: Vieles heute ist sehr uniformiert. Das widerspricht auch dem Lebensgefühl als Musiker, mit dem wir mal angefangen haben: dass wir uns frei fühlen und uns auch frei fühlen wollen. Die Energie, der Schweiß, der Lärm auf der Bühne – all das ist ungezähmt. Darauf kommt es an: Improvisationslust, Unberechenbarkeit und Risiko. Das widerspricht zwar dem Geschäft, ist uns und vielen anderen Bands aber unheimlich wichtig. Wie will man leben? Will man alles abgezählt haben? Oder auch mal Momente haben, die nicht geplant sind?

Du arbeitest als Theatermusiker, Komponist von Filmmusik, Produzent, also in Tätigkeitsfelden mit weniger Spontaneität – ist Selig der Ausgleich dafür oder umgekehrt?

Leo: Selig ist mein Leben, und bei den anderen ist das auch so. Es ist mehr als ein Job, sondern eine Lebenshaltung. Wir sind eine Gang von Leuten, die zusammen losziehen; da fühlt man sich so jung wie in der ersten Bande, die man als Grundschüler gegründet hat.

• Online: www.selig.eu

von Stefan Gohlisch

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