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Springsteen spricht bei Geheim-Lesung über dunkle Stunden

«Born to Run» Springsteen spricht bei Geheim-Lesung über dunkle Stunden

Sieben Jahre lang hat der „Boss“ an seiner Autobiografie „Born to Run“ geschrieben. Zur Frankfurter Buchmesse liest der US-Rockstar daraus vor. Und erzählt vom Traum einer Karriere bei den Stones.

Frankfurt/Main. Bruce Springsteen sieht aus wie man sich Bruce Springsteen vorstellt: Der „Boss“ sitzt am Donnerstagabend in einem Fünf-Sterne-Hotel in Frankfurt breitbeinig da, trägt schwarze Boots, ein graues Sakko und Blue Jeans. Und immer wenn er kurze Passagen aus seinen Memoiren „Born to Run“ vorliest, zückt er seine Lesebrille.

„I am an old man, yeah“, sagt der 67-Jährige mit seinem New-Jersey-Akzent. „Yeah“ ist überhaupt sein Lieblingswort an diesem Abend, den der Heyne Verlag zum Prominenten-Event der diesjährigen Frankfurter Buchmesse aufgebaut hat.

Es herrscht strengste Geheimhaltung. Der Name des Hotels durfte von den mehr als 100 geladenen Gästen aus halb Europa nicht kommuniziert werden. Kurzfristig hat das Springsteen-Management auch untersagt, Tonaufnahmen des moderierten Gesprächs mitzuschneiden. Der Weltstar der Mittelschicht lässt mit seiner einnehmenden Art und seiner Selbstironie dann aber den ganzen PR-Rummel rasch vergessen.

Mit viel Offenheit spricht Springsteen zum Beispiel über seine Depressionen. „Ich mache seit 30 Jahren Psychoanalyse, mein erster Arzt ist schon gestorben“, sagt er und lacht. Er erzählt, dass ihm die Prosaform des 672 Seiten langen Buches im Vergleich zur „limitierten Form“ von Songtexten die Möglichkeit gab, mit noch mehr Tiefe die „Kämpfe“ seines Vaters Doug zu beschreiben, der bei Ford am Fließband arbeitete, trank und eine bipolare Störung hatte, wie sich herausstellte. „Meine Depressionen habe in meinem irischen Blut weitergegeben bekommen“, also von väterlicher Seite.

Seine italienischstämmige Mutter Adele lebt noch. Wie sie auf das Buch reagiert habe? „Sie leidet schwer an Alzheimer, aber sie wollte immer, dass ich Autor werde. Ich denke, es hätte ihr gefallen“, meint Springsteen. Bei manchen Antworten schließt er die Augen.

Es gibt aber auch viele launige Momente an diesem Abend. So trägt Springsteen die Textpassage vor, als er als „local kid“, als Junge von nebenan mit Akne, davon träumte, dass Mick Jagger erkrankt und er für ihn bei den Rolling Stones einspringen kann. Er erzählt auch, wie er damals in Hamburg mit dazugehörigem Reeperbahn-Besuch sein erstes Deutschland-Konzert gab und ihn Pete Townshend von The Who zuvor gewarnt hatte: „Deutschland hat das schlechteste Publikum der Welt.“ Und immer noch beeindruckt erinnert sich Springsteen an seinen Auftritt 1988 vor 160 000 Zuschauern in Ost-Berlin, als „handgemachte US-Flaggen im Ost-Berliner Wind wehten“.

Schließlich bedankt er sich noch explizit bei den Journalisten, „dass ihr mir keine Fragen zu Donald Trump gestellt habt“. Die Medienvertreter verabschieden den „Boss“ mit lautem Klatschen, etliche stürmen anschließend auf ihn zu, um sich Bücher signieren zu lassen. Und was macht der „Boss“? Der kreiselt zum Abschied seine Zeigefinger in der Luft - wie nach einem seiner Konzerte, ruft „Whohoo“ und verschwindet lässig aus der Seitentür.

dpa

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