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The Killers: „Wonderful“ zurück

The Killers: „Wonderful“ zurück

Auf ihrem neuen Album präsentiert sich die Band aus Las Vegas persönlicher und melancholischer

Mit „Wonderful Wonderful“ meldet sich die Rockband The Killers aus Las Vegas nach fünf Jahren mit einem neuen Studioalbum zurück. Mit Tourneen, Soloprojekten und Kindern waren die Musiker um Sänger Brandon Flowers seit dem Vorgänger „Battle Born“ (2012) gut ausgelastet. Auf der neuen Platte kehren die Killers gereift zurück und werden mitunter ungewohnt persönlich und emotional. „Das Album sollte repräsentieren, wo wir gerade stehen“, erklärt Frontmann Flowers. „Wir sind älter geworden.“

Die erste Single-Auskopplung, die wuchtig produzierte Funknummer „The Man“ ist herrlich ironisch. Das Musikvideo zeigt Flowers als klischeehaften Macho und Möchtegern-Cowboy. „I got money in the bank, I got gas in the tank“ (Ich hab Geld in der Bank und Benzin im Tank), singt der 36-Jährige. Dass der Song eine Parodie ist, hätten nicht alle Fans verstanden, sagt Flowers. „Eigentlich verrückt, dass manche das nicht kapieren, erst recht nach dem Video!“

„The Man“ ist auch ein selbstkritischer Rückblick auf die Anfänge der Band. „Wir sind alle zu Männern geworden“, sagt Schlagzeuger Ronnie Vannucci. Aber die Definition der Männlichkeit habe sich verändert. „Ich hab darüber nachgedacht, was ich mit 21 oder 22 Jahren für eine Vorstellung davon hatte“, sagt Flowers. „Ich war übertrieben arrogant und dachte, es geht nur ums Geld. Ich hab den Macho gespielt und angegeben. Jetzt, wo ich älter bin, ist mir klar, dass es darum überhaupt nicht geht, sondern um Anteilnahme und Einfühlungsvermögen. Das muss man als echter Mann haben, glaube ich.“

Der Sänger hat auf dem neuen Album für einige sehr emotionale Momente gesorgt, insbesondere wenn seine Kinder in der Ballade „Some Kind Of Love“ am Ende „We really need you at home“ (Wir brauchen dich wirklich zu Hause) singen. Es ist eine Botschaft an ihre Mutter. „Meine Frau leidet an einer schweren Depression“, berichtet Flowers. „Sie war wirklich an einem Tiefpunkt, tiefer geht es nicht.“

Viele Songs auf dem Album seien ihr gewidmet, dadurch werde es manchmal etwas „schwermütig“, räumt Flowers ein. Ein Nachteil ist das nicht.

In „Tyson vs Douglas“ verarbeitet der Sänger dagegen mit Witz, aber auch mit Melancholie, ein beinahe traumatisches Kindheitserlebnis – die Niederlage seines bis dato ungeschlagenen Idols Mike Tyson im Jahr 1990. „Ich war ein großer Tyson-Fan als Kind, ich war etwa acht Jahre alt“, erinnert sich Flowers, der inzwischen selbst Vater von drei Kindern ist. „Tyson war einfach perfekt. Er sah unglaublich aus und hat nie verloren. Doch dann haut James Buster Douglas ihn um. Das hat mein Weltbild verändert!“ Heute sei er für seine Kinder ein Idol wie einst Tyson für ihn, scherzt Flowers. „Aber ich möchte auf keinen Fall wie er k.o. gehen.“

In ihrer Heimatstadt Las Vegas werden regelmäßig ältere Gebäude abgerissen, um Platz für Neues zu machen. Gut möglich, dass das auch die Band beeinflusst habe. Stillstand soll es bei den Killers jedenfalls nicht geben. „Wir wollen uns als Band stetig verbessern“, betont Vannucci. „Dazu muss man sich ab und zu mal neu erfinden.“ Vielleicht das außergewöhnlichste Beispiel dafür auf „Wonderful Wonderful“ ist der beinahe psychedelische Titelsong, der entfernt an die frühen Pink Floyd oder Jefferson Airplane erinnert.

Doch „Wonderful Wonderful“ bietet auch typische Killers-Kost, falls es so was denn überhaupt gibt. „Run For Cover“ erinnert an frühere Killers-Rocksongs wie „Mr. Brightside“ oder „When You Were Young“.

Über die Jahre seien alle in der Band besser geworden, sagt Flowers. „Als wir angefangen haben, wusste ich nicht mal annähernd, wie ich die Töne treffe, die ich heute draufhab.“ Die Musik sei dadurch aber nicht besser geworden. „Rock’n’Roll ist seltsam. Manche Leute mochten es lieber, wie ich früher gesungen habe, als ich es noch nicht draufhatte“, wundert sich der Sänger. „Es klang wohl cooler. Besser oder schlechter? Wer kann das schon sagen. Aber wir haben uns verändert.“

Philip Dethlefs

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