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Tim Bendzko ist „Immer noch Mensch“

Nicht perfekt Tim Bendzko ist „Immer noch Mensch“

Der große Erfolg kam schon mit der ersten Single. Drei Alben später ist Tim Bendzko nicht mehr nur der Weltretter vom Dienst, sondern hat sich im deutschen Pop etabliert. Auf „Immer noch Mensch“ geht er neue Wege - ein Blindflug, wie der Sänger selbst sagt.

Berlin. Nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Mit dem Druck im Pop-Business hat dieser Song nichts zu tun. „Überhaupt nichts“, betont Tim Bendzko im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

„Keine Maschine“ heißt das Lied, um das es geht, und das seit Wochen in den deutschen Charts steht. „Immer noch Mensch“ heißt das dazugehörige Album, das jetzt erschienen ist.

Was man nach dem ersten Hören also weiß: Tim Bendzko ist keine Maschine, aber immer noch Mensch. Das ist der Status quo, fünf Jahre, nachdem er sich mit „Nur noch kurz die Welt retten“ ins Herz vieler Menschen in Deutschland gespielt hat. Wer Bendzko mag, mag oft auch Silbermond, Adel Tawil und die Söhne Mannheims. Gefühliger Deutschpop ist seit Jahren so beliebt wie lange nicht.

Es ist eine klassische Songwriter-Situation. Bendzko möchte ein Lied schreiben, ihm fällt nichts ein, stattdessen denkt er: „Ich bin doch keine Maschine, es ist total ok, wenn du den Song jetzt nicht schreibst, dann schreibst du ihn halt in drei Wochen.“ So einfach. Im Lied heißt es dann: „Ich bin ein Mensch mit all meinen Fehlern/meiner Wut und der Euphorie/bin keine Maschine/ich leb von Luft und Fantasie.“

2009 siegte der Singer-Songwriter aus Berlin bei einem Talentwettbewerb der Söhne Mannheims. Mit „Wenn Worte meine Sprache wären“ gewann er 2011 Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, holte zwei mal den Echo, Doppelplatin; sein zweites Album „Am seidenen Faden“ landete auf Platz eins der Charts. Außerdem saß er in der Jury der Kindercastingsendung „The Voice Kids“ und war unter anderem Gastsänger auf dem letzten Tabaluga-Album von Peter Maffay.

Mit dem neuen Album setzt Bendzko seinen Weg fort. Und wagt doch Neues. Erstmals ist er Songwriter, Musiker und Produzent zugleich. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, ich drücke mich vor Verantwortung, wenn ich das nicht selber mache. Und drücke mich auch vor Arbeit.“ Niemand habe sich das Album angehört, während es entstanden ist. „Das ist dann schon ein Blindflug“, sagt Bendzko. „Ein sehr selbstbewusster Blindflug.“ Beim ersten Vorspielen der neuen Lieder sei bei ihm dann doch die ein oder andere Schweißperle geflossen.

Auch musikalisch probiert der Sänger sich aus, verzichtet auf elektronische Beats und setzt aufs Handgemachte. Heraus kommt ein klassischer Bendzko: warmer Deutschpop ohne doppelten Boden. Bendzko wünscht sich „Hinter dem Meer“ zu sein, fragt „Kann man das noch reparieren“ und singt „Du bist perfekt wie du bist“. Die Texte handeln vom Suchen und Finden der Liebe und des eigenen Ichs.

Das klingt oft weinerlich („Reparieren“, „Hinter dem Meer“, „Immer noch Mensch“), eher selten fröhlich und beschwingt („Wie wir sind“, „Leichtsinn“). Streicherteppiche sind wieder dabei und getupfte Pianoakkorde. Auch dem dritten Album täten weniger Pathos und mehr Kanten gut, mitsingen will man die Lieder dennoch schon beim zweiten Hören.

Das Liederschreiben hat für Bendzko eine therapeutische Wirkung. „Ich schreibe mir da tatsächlich Sachen von der Seele, von denen ich meistens gar nicht weiß, dass sie mich so beschäftigen.“ Die gleiche Wirkung haben die Lieder auf seine Fans: Die schwärmen auf Bendzkos Facebook-Seite regelmäßig, die Lieder sprächen ihnen aus der Seele.

Bendzko, der Welt- und Seelenretter. Seinen Überhit „Nur noch kurz die Welt retten“ ist er immer noch nicht leid - was auch daran liegt, dass er sich mit weiteren Hits davon emanzipiert hat. Dennoch sei es das größte Geschenk, dass gleich der erste Song so erfolgreich war, jeder den Text kennt. „Ich kann dem tatsächlich nichts Schlechtes abgewinnen und finde es Wahnsinn, auf einem Konzert zu stehen und zu wissen, dass ich diesen Song nicht singen müsste.“

dpa

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