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Trauer um den großen Tenor Nicolai Gedda

Abschied Trauer um den großen Tenor Nicolai Gedda

Über Jahrzehnte war er schier allgegenwärtig in der Opernwelt: Der Schwede Nicolai Gedda galt als vielseitigster Tenor der Nachkriegszeit. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

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Der schwedische Sänger Nicolai Gedda i1994 in Mainz.

Quelle: Erwin Elsner

Genf. Wer noch einen Beweis seiner Vielseitigkeit gesucht hätte, bekam ihn 1989: Damals sang der schwedische Tenor Nicolai Gedda konzertant im Musical „Candide“ von Leonard Bernstein - noch immer mit leichter Höhe und wunderbar weichem Timbre. Und das zum Ende einer Weltkarriere, die fast 40 Jahre zuvor begonnen hatte. Wie jetzt bestätigt wurde, ist Gedda bereits am 8. Januar im Alter von 91 Jahren im schweizerischen Tolochenaz gestorben.

Als „Poet unter den Tenören“ wurde er gefeiert, als „the world's most recorded tenor“ bewundert. Wer einen seiner späten Auftritte erlebt hat, fühlte sich an eine vergangene, glanzvolle Epoche des Singens erinnert - es war ein Singen wie im Traum.

Von Beginn an profitierte er von seinen glänzenden hohen Tönen: Die Oper von Stockholm suchte einen Tenor mit leichter Höhe - und vor allem mit einem hohen D - für die Partie des Chapelou in Adolphe Adams Oper „Le Postillon de Lonjumeau“. Der Gesang studierende Bankangestellte bekam die Partie.

Kurz nach dem Debüt 1952 erschien in Stockholm der mächtige Plattenproduzent Walter Legge, der für eine Aufnahme von Mussorgskys „Boris Godunow“ Sänger suchte. Gedda beeindruckte ihn mit seiner Musikalität - und seinen Sprachkenntnissen. Legge telegrafierte an Herbert von Karajan und den Intendanten der Mailänder Scala, Antonio Ghiringhelli: „Habe soeben den größten Mozart-Sänger meines Lebens gehört. Sein Name ist Nicolai Gedda.“

Das Plattendebüt mit Mussorgsky katapultierte ihn in die Karriere. Doch ein tenoraler Superstar wie später die „Drei Tenöre“ Pavarotti, Domingo und Carreras wurde er nie, dafür fast immer zur „Stimme der Musik“, die er sang, wie der Kritiker und Autor Jürgen Kesting schrieb. Das erreichte er vor allem dank seiner raffinierten Gesangstechnik und seiner sprachlichen Sicherheit. „Geddas Anstrengungen sind darauf gerichtet, Probleme zu lösen; die der meisten Sänger, sie zu umgehen“, urteilte der US-Kritiker Irving Kolodin.

Gedda sei „der vielseitigste Stilist unter allen Tenören der Nachkriegszeit“, sagte Kesting zum 85. Geburtstag Geddas der Deutschen Presse-Agentur. So habe der Sänger mehr Raritäten im Repertoire als Pavarotti Hauptrollen. Seine Markenzeichen wurden das einschmeichelnd weiche Timbre und eine mühelose, leicht ansprechende Höhe. „Ihr Volumen war gering, die Durchschlagskraft nicht groß, die Tragfähigkeit hingegen gut, der Umfang außergewöhnlich“, schrieb Kesting über die Stimme des jungen Gedda. Überragend sei er im französischen und russischen Fach gewesen - aber auch ein wichtiger Mozart-Tenor, „obwohl er bei seinen Aufnahmen etwas Pech hatte“.

Silbrig schimmernd und betörend süß klang Geddas Stimme schon auf seiner ersten Soloplatte - in den ersten Phrasen von Nadirs a-Moll-Arie aus Bizets „Les Pecheurs de Perles“ (Die Perlenfischer). Gedda war 27 Jahre alt, als er die Arie aufnahm. Und bis 2001 hat er in mehr als 100 Rollen auf der Bühne gestanden. Er selbst bezeichnete sich als schüchtern - so war denn der Sänger, der mit der Stimme zu schauspielern verstand, auf der Bühne eher gehemmt.

Das Geheimnis seiner langen Karriere: Disziplin und das Wissen um die Grenzen der Stimme. Vor zu schweren Rollen in jungen Jahren und all zu vielen Auftritten hat er sich gehütet. Das Leben jener Stars, die von Aufführung zu Aufführung jetten, kritisierte er scharf. „Lässt man dies zur Gewohnheit werden, um möglichst viel Geld zu verdienen, verkürzt man seine Karriere um mindestens zehn Jahre“, schrieb Gedda in seiner Autobiografie.

„Leider dient er viel zu wenig als Vorbild“, bedauerte Kesting damals. „Junge Sänger haben sich eingeschworen auf ein Einheits-Espressivo der Generation Carreras und Domingo“ - wo Gedda unendlich fein differenzierte. So blieb er unnachahmlich für die meisten und kaum wieder zu erreichen.

dpa

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