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Travis schwelgen wieder in Melodien

Travis schwelgen wieder in Melodien

Die vier Schotten besinnen sich mit ihrer aktuellen Platte „Where You Stand“ auf Qualitäten ihrer Anfangsjahre.

Nach fünf Jahren Pause haben Fran Healy, Dougie Payne, Andy Dunlop und Neil Primrose ihr siebtes Album „Where You Stand“ herausgebracht. Dem OZelot sagt der Sänger Fran Healy, warum er nicht wieder auf einer großen Welle des Erfolges schwimmen will.

OZelot: Fran, täuscht der Eindruck, dass ihr auf „Where You Stanfd“ Album zurückgefunden habt zum hymnischen Stil der Anfangsjahre?

Fran Healy: Oh ja, dieser Eindruck trifft ins Schwarze. „Where You Stand“ ist ein klassisches Travis-Album. Wir hatten wieder Lust, in Melodien zu schwelgen.

OZelot: Wieso war die Lust auf Melodien abhandengekommen?

Fran: Travis hat gewissermaßen ein Gesicht und einen Rücken. Unsere Alben „The Man Who“ und „The Invisible Band“ waren Riesenerfolge, sie waren die freundlichen Gesichter. Aber dann wollten wir auch die Kehrseite zeigen, die wir ja auch mögen. Manche Leute mochten unseren Rücken, viele andere wandten sich ab. Auf „Where you stand“ sind wir nun wieder bereit, die Menschen aus offenen Gesichtern anzuschauen.

OZelot: Travis waren um die Jahrtausendwende die vielleicht größte Band der Welt. Bist du erleichtert darüber, dass diese irren Zeiten vorbei sind?

Fran: Ja, ich bin heute glücklicher als damals. Man muss bedenken: Travis sind nicht als erfolgreiche Rockband auf die Welt gekommen. Als wir unser zweites Album „The Man Who“

herausbrachten, war es auf unserem Gebiet total still. Britpop war noch die dominante Richtung, und es gab keine andere Band, die ruhigen Gitarrenrock machte. Wir waren wie Urlauber, die durch Zufall eine wunderbar einsame Insel entdecken. Wir ließen uns an diesem coolen Ort nieder — und vier Jahre später stand dort Las Vegas.

OZelot: Weil plötzlich alle Travis kopierten?

Fran: Klar, das ist ja auch logisch. Wir waren damals wie ein Surfer, der auf dem Meer herumpaddelt und plötzlich eine gigantische Tsunami-Welle erwischt. Anfangs freust du dich, wie du auf der Welle reitest, aber dann macht die Welle mit dir, was sie will, du gerätst in einen Strudel, gehst unter und bist froh, wenn du es am Ende heil herausschaffst. Wir waren fertig, ich litt an Depressionen und wollte nur noch meine Ruhe haben.

OZelot: Der Erfolg hat euch also nicht glücklich gemacht?

Fran: Er hat mich wohlhabend gemacht. Aber Glück? Glück ist etwas anderes.

OZelot: Und wenn ihr mit dem neuen Album wieder eine Riesenwelle erwischt?

Fran: Ich hoffe, das wird nicht passieren. Denn wenn es passierte, könnte ich meinen Sohn kaum noch sehen. Ich will nicht mehr diesen krassen Erfolg, denn ich liebe mein Leben so wie es jetzt ist. Ich habe auch nicht die Lust dazu, so extrem im Rampenlicht zu stehen. Ich erlebe es bei Freunden in anderen Bands, wie die Medien ihre Familien verfolgen und finde das ätzend. Ich will meinem Jungen ein Vater sein. Das ist mir wichtiger als alles andere.

OZelot: Dein Sohn Clay ist jetzt sieben. Deine Frau Nora Kryst ist eine deutsche Fotografin. Ihr lebt seit fünf Jahren im Berliner Viertel Prenzlauer Berg. Ist das jetzt deine Heimat?

Fran: Total. Ich will auf Dauer in Berlin bleiben, wir haben ein schönes Leben hier. Die Nachbarn sind nett, der Kiez ist sympathisch. Ich empfinde die Stadt als sehr liberal, frei und freundlich. Ich mag das Gemischte der Kulturen.

 

Interview von Steffen Rüth

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