Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Sprühregen

Navigation:
Very british: Madness haben Spaß am Altern

Ska-Straßenjungs Very british: Madness haben Spaß am Altern

So britisch wie Big Ben oder Buckingham-Palast ist die seit Ende der 70er Jahre aktive Ska-Pop-Band Madness. Auch mit knapp Sechzig lassen sich die netten Londoner Kiez-Chaoten nicht aufhalten.

Berlin. Eine wild wogende, fröhlich winkende Menschenmasse - das schaffen Madness bei ihren Konzerten auch nach 35 Jahren noch mit links, gerade erst wieder im Juni beim riesigen Glastonbury-Festival oder Anfang Oktober im Berliner Tempodrom.

Die vielköpfige Band ist seit ihren ersten Hits „One Step Beyond“ und „My Girl“ von 1979 eine britische Pop-Institution. Spätere Gassenhauer wie „Our House“ oder „It Must Be Love“ dürfen auch heute noch auf keiner 80er-Jahre-Party fehlen.

Die ewigen Londoner Ska-Straßenjungs um Sänger Graham „Suggs“ McPherson, Pianist Mike Barson und Saxofonist Lee Thompson sind jetzt in Würde zu Mitt- und Endfünfzigern gereift. Ihr neues Album „Can't Touch Us Now“ spielt mit eben diesem Klischee: Wir wollen eigentlich nicht erwachsen werden, aber wenn es schon sein muss, dann doch mit so viel Spaß wie möglich. Und: Ihr könnt uns nichts anhaben - wie auch der augenzwinkernd-selbstbewusste aktuelle Albumtitel der liebenswerten Madness-Irren klarmacht.

Konkret heißt das in ihrem Fall: „Can't Touch Us Now“ ist eine überwiegend mächtig aufgedrehte, sehr britische Tanz-Schaffe mit 16 Songs, deren inhaltlicher Tiefgang eher zweitrangig ist. Man könnte auch sagen, dass Lieder wie „Good Times“, „Grandslam“ oder „You Are My Everything“ mit ihren Texten nicht unbedingt zum Nachdenken anregen wollen. Das war bei Madness aber auch vorher fast nie der Punkt - obwohl das tolle Comeback „The Liberty Of Norton Folgate“ (2009) als Konzeptalbum über einen alten Londoner Kiez durchaus beachtliches Songwriting-Niveau aufwies.

„Mr. Apples“, die erste Single von der neuen Platte, ist nun noch vergleichsweise anspruchsvoll - der Song porträtiert einen Mann mit Doppelleben zwischen biederem Bürgerleben und heimlicher Spielsucht. „Tagsüber ist er eine Stütze der Gesellschaft - streng moralisch und  voreingenommen“, sagt Suggs über diese Figur mit Jekyll-and-Hyde-Anklängen. „Wenn aber dann die Sonne untergegangen ist, trifft man ihn in den anrüchigen Stadtvierteln. (...) Mr. Apples ist ein wirklich böser Junge.“

Ansonsten nehmen sich die wieder mit Barsons hämmerndem Kneipen-Klavier, viel Gebläse und knackigen Rhythmen aufgepeppten Stücke von „Can't Touch Us Now“ nicht allzu ernst. In Suggs haben Madness zudem einen Leadsänger, dessen einstige Lausejungenstimme zwar inzwischen einige Oktaven tiefergelegt und zigarettenrauchgegerbt klingt, der aber sein Entertainer-Geschäft weiterhin versteht - nicht nur als „Rampensau“ für große Bühnen, sondern auch auf Tonkonserve.

Balladen sind allerdings nicht die große Stärke dieser Band, „Pam The Hawk“ beispielsweise wäre verzichtbar gewesen. Zumal das Album mit fast einer Stunde Spielzeit ohnehin überlang ist und gerade zum Ende deutlich an Dynamik verliert. Ein spätes Meisterwerk wie „...Norton Folgate“ ist Madness also diesmal nicht geglückt, sondern „nur“ eine sehr solide Pop-Scheibe. Für den Tournee-Tingeltangel vieler Oldie-Bands aus den 70er und 80er Jahren sind Suggs & Co damit immer noch viel zu gut.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neu«Eine Zeitmaschine»

Auf ein Comeback von Abba hoffen die Fans seit langem. Nun kündigen die vier schwedischen Pop-Legenden ein gemeinsames Projekt an.

mehr
Mehr aus Musik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.