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Musik Vom Theater auf die Clubbühne: Daniel Freitag
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00:00 26.10.2017

Man darf durchaus ein paar illustre Namen bemühen, um die Musik des Berliner Singer-Songwriters Daniel Freitag zu beschreiben. Die britische Indie-Helden Radiohead sind eine der möglichen Referenzen, oder die hoch geschätzte US-Artpop-Truppe Grizzly Bear. Oder die bayerischen Kollegen The Notwist, deren Produzent Olaf Opal auch bei Freitags Solo-Debüt „Still“ mitmischte.

Das Aufhorchen liegt zum einen an der Stimme des 31-Jährigen, die ihn in ähnliche Falsett-Höhen trägt wie die Frontmänner oben genannter Bands, Thom Yorke und Ed Droste. Respekt nötigen aber auch die exquisiten Arrangements und unverbrauchten Sound-Ideen ab, die „Still“ zu einer unverhofften Indierock-Perle aus Deutschland machen. Wenn etwa „Don’t“ als Pophymne mit kleinen Widerhaken bezaubert, wenn „Maria“ von einer zarten Gitarrenballade unvermutet in ein wildes Jazz-Crescendo kippt, wenn „Careful What You Wish For“ einen bombastischen Schlusspunkt setzt - dann fragt man sich verblüfft, wie dieser Daniel Freitag quasi aus dem Nichts auftauchen konnte. Aber ganz so wundersam ist die Entstehungsgeschichte dieses Hybrids aus Indierock, Jazz, Avantgarde und Klassik dann doch nicht.

Denn der aus Ostwestfalen stammende Freitag hat schon eine Karriere als Theaterkomponist hinter sich, die ihn auf die kunstvollen Klangbilder seiner ersten Studioplatte vorbereitete. An der Berliner Schaubühne steuerte er seit 2010 Musik zu Produktionen der Regisseure Thomas Ostermeier und Ivo van Hove bei, mit Sandra Hüller („Toni Erdmann“) sang er in München. Die Top-Schauspielerin tritt denn auch im schrägen Video zu „Don’t“ als etwas andere Superheldin auf.

Nach rund dreijährigen Aufnahmen in Eigenregie zusammen mit Musikern aus der Berliner Szene ist Daniel Freitag ein anspruchsvolles und doch zugängliches Album geglückt. Seine Pop-Talentprobe hat er mit „Still“ locker bestanden.

Werner Herpell

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