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Was für und was gegen den ESC spricht

Stockholm Was für und was gegen den ESC spricht

Der Eurovision Song Contest changiert zwischen der Einordnung als Europas größter Show und Sendung zum Fremdschämen. Ein Pro und Kontra.

Stockholm. Kult? Kitsch? Multikulti? Wettstreit der Nationen? Der seit 1956 veranstaltete Eurovision Song Contest (ESC) - von Nostalgikern nach wie vor oft „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ genannt - ist ein friedlicher Musikwettbewerb und eine große Show mit Beiträgen aus Dutzenden Ländern.

Musik verbindet - selbst wenn man die Sprache der Texte nicht versteht. Oder handelt es sich um ein klischeeförderndes, peinliches Event?

Ein Pro & Kontra in jeweils fünf Punkten:

PRO

- In der Außensicht - etwa kürzlich in einer Rede von US-Präsident Barack Obama in Hannover - ist der ESC ein völkerverbindendes Event, das den Zusammenhalt Europas stärkt.

- Der ESC schafft einmal im Jahr ein paar Tage eine internationale Öffentlichkeit und ist geeigneter Smalltalk-Stoff - ähnlich wie Fußball.

- Der ESC hat unzählige Hits und Prominente hervorgebracht, ohne die die Musikgeschichte ärmer wäre und auch viele (Karaoke-)Partys weniger Songs zu spielen hätten.

- Der ESC lenkt die Aufmerksamkeit auf Länder und Städte, die sonst weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

- Der ESC ist Kult (vor allem die Punkte-Schalte am Ende), eine spaßige Show, die Lockerheit und internationalen Humor ins Fernsehen bringt. Ein kontinentaler Konsens.

KONTRA

- Der ESC befördert Klischees („Osteuropäer schanzen sich Punkte zu“, „Die lustigen Holländer machen dies und das“, „Typisch Balkan“, „Die schwulen Fans sind so und so“).

- Die ESC-Musik ist meist Ware vom Band, belangloser Pop. Nach einem sehr langen Abend mit Dutzenden Songs kann man sich an so gut wie keinen mehr erinnern und muss sich erstmal die Ohren waschen.

- Aussehen und Auftreten der ESC-Musiker scheinen inzwischen viel wichtiger als die Komposition - obwohl es doch eigentlich ein „Song Contest“ (Liederwettbewerb) ist und keine Star-Castingshow.

- Bis auf wenige Aufnahmen hat der ESC eigentlich nur Eintagsfliegen hervorgebracht und viele Fremdschäm-Momente, was Lieder, Mode und technische Ausstattung angeht.

- Im Angesicht des politischen Streits (etwa um die Flüchtlingskrise) erscheint der ESC als verlogene Veranstaltung, die einen europäischen Geist beschwört, der kaum existiert.

dpa

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