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Musik Wie Minneapolis an Prince erinnert
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07:38 07.10.2016
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Minneapolis

Wer ihn von außen betrachtet, der sieht in diesem Vorort von Minneapolis nur einen langweiligen Bürobau aus den 1980er Jahren, typisch für Vorstädte: Kastenförmig, riesige helle Kacheln an der Fassade und dahinter ein zweites kleineres Gebäude, eine Rotunde mit Kuppel wie ein Planetarium.

Doch Fotos aus dem Inneren liefern andere Eindrücke: Modern ausgestattete Tonstudios, mit lilafarbenem Licht inszenierte Balkone und überall Erinnerungen an den Mann, der diese Studios baute: Prince.

Es sind die Paisley Park Studios in Chanhassen, einem Städtchen rund 30 Kilometer westlich von Minneapolis in Minnesota. Hier wurde das Multitalent Prince am 21. April tot aufgefunden - und von Donnerstag an können Fans die Wirkungsstätte eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts besichtigen.

Für rund 50 Dollar (45 Euro) bekommen sie Erinnerungsstücke wie Konzertkostüme oder die sieben Grammys des Sängers, Produzenten und Schauspielers zu sehen. Man darf alleine durch die Aufnahmeräume streifen und die Mischpulte betrachten oder sich in Princes privatem Musikclub bewegen - und hat dafür knapp anderthalb Stunden Zeit, denn die Inhaber, ein Trust zur Verwaltung von Princes Nachlass, planen mit straffem Durchsatz. Zwischen 1500 und 2000 Besucher erwarten sie laut einem von der Zeitung „Star Tribune“ veröffentlichten Businessplan pro Tag. Dafür arbeiten sie unter anderem mit den Machern hinter Elvis Presleys Gedächtnisort Graceland zusammen.

Dem Stadtrat der 30 000-Einwohner-Stadt war das dann auch zuviel: Er verweigerte am Dienstag wegen Sorgen zur Verkehrs- und Parkplatzlage die dauerhafte Genehmigung für einen Museumsbetrieb. Am Mittwoch dann gab es eine Sondergenehmigung für drei Tage, um bisherige Ticketinhaber nicht völlig zu verprellen. Am Donnerstag, dem folgenden Samstag und am 14. Oktober darf geöffnet werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die Massen wirklich kommen, denn bisher will sich in Minneapolis und Umgebung kein Fankult à la Graceland einstellen. Zwei Tage zuvor sind selbst für den Eröffnungstag von Paisley Park noch viele Tickets online zu haben. Bereits kurz nach dem Tod von Prince an einer versehentlichen Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl hatte ein Touranbieter mit Busfahrten in der Region begonnen. Er ist nicht mit Princes Nachkommen oder offiziellen Anbietern verbunden und bietet derzeit gerade noch zwei Mal wöchentlich die 99 Dollar teuren Ausflüge im Minibus an. 

Auch ein für den 13. Oktober geplantes Gedächtniskonzert mit Stars wie Stevie Wonder, Christina Aguilera und John Mayer wird eine Nummer kleiner ausfallen als zunächst geplant. Statt im 65 000 Zuschauer fassenden US Bank Stadium spielen die Stars nun im XCel Energy Center, einer Halle für immerhin noch 20 000 Fans. Während es online dafür keine günstigen Tickets mehr gibt, sind in höheren Preisregionen um die 150 Dollar noch Karten zu haben.

Noch will sich also in Minneapolis keine nachhaltige Erinnerungskultur einstellen. „Als Prince noch gelebt hat, da hat er solche Dinge sehr an sich gezogen“, sagt Tom Maloney vom Tourismusamt in Minneapolis. „Vielleicht dauert es einfach noch etwas.“ Direkt nach dem Tod des Künstlers vor rund einem halben Jahr habe es einen Peak gegeben, sagt er. „Die Leute haben sich getroffen und fast eine Woche lang Partys gefeiert“, sagt Maloney. „Aber auch jetzt bekommen wir hier viele Anfragen. Wir haben eine Liste mit Orten zusammengestellt, bieten aber selbst keine Tour.“

Teil dieser Liste ist der Club „First Avenue“. Der Prince-Film „Purple Rain“ spielte zum Teil hier, noch immer ist die Halle einer der wichtigsten Konzertorte der Stadt. Und hier zeigt sich dann auch ein klein wenig die Magie des Sängers, denn Hunderte Sterne zieren die Fassade des Clubs, alle sind silberfarben - nur der von Prince ist seit dem 4. Mai golden.

Wer den Stern des Sängers übermalt hat, ist unklar, aber das Datum lag exakt 13 Tage nach seinem Tod. In Princes großem Hit „Nothing Compares 2 U“, der später auch als Cover von Sinead O’Connor berühmt wurde, heißt es: "„It’s been seven ours and 13 days“ („Jetzt ist es sieben Stunden und 13 Tage her“). Abseits der kommerziellen Zweitverwertung des Promi-Todes entsteht also doch vielleicht so etwas wie ein angemessenes Andenken.

dpa

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