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„Wir hatten es uns mit Rick Rubin zu gemütlich gemacht“

„Wir hatten es uns mit Rick Rubin zu gemütlich gemacht“

Die Red Hot Chili Peppers haben ihr elftes Studioalbum herausgebracht / Der OZelot sprach mit dem Bassisten Flea

Das Hotel „The Four Seasons George V“, in einer Seitenstrasse der Champs-Élysées gelegen, ist selbst für abgebrühte Luxuskenner ein Spektakel. Das Gold funkelt, der Marmor glänzt, und die Mitarbeiter sind sensationell freundlich. Mitten in dieser Hoteloase sitzen die Red Hot Chili Peppers, um Interviews zum neuen, elften, Studioalbum „The Getaway“ zu geben.

Flea, geht es dir gut?

Flea: Ehrlich gesagt: nein. Meine Freundin und ich, wir haben uns getrennt am Wochenende, jetzt bin ich ganz schön traurig. Aber ich versuche tapfer zu sein.

Die Chili Peppers haben in zehn Tagen fünf Festivals gespielt. Wie locker steckt ihr das weg?

Flea: Viel Energie ist nötig, um Abend für Abend vor 80 000 Leuten zu spielen. Das sind Menschen, die mir etwas bedeuten, und unsere Musik bedeutet mir auch sehr viel, also gibt man wirklich alles. Mit dieser Band ein großes Werk zu vollbringen, das ist die Mission meines Lebens. Es gibt Zeiten, da ist es wirklich brutal hart, diese Power aufzubringen. Es gibt Abende, an denen bin ich einfach hundemüde und möchte am liebsten ins Bett.

Du malst auf „The Getaway“ mit einer sehr großen Palette an Farben. Das Album klingt enorm reichhaltig, detailliert und oftmals für Chili-Peppers-Verhältnisse recht sanft.

Flea: Ich selbst kann es noch extrem schlecht einschätzen, was wir da eigentlich genau gemacht haben. Ich weiß nur, dass wir etwas wirklich Schönes geschaffen haben. Wie das Album bei den Leuten ankommen wird, kann ich überhaupt nicht beurteilen. Ich kann aber sagen: Für mich klingt diese Platte nach Bewegung, nach Veränderung und nach Entwicklung. Wir sind als Band gewachsen, und das höre ich in diesen Songs.

Wie wichtig ist euch der Verkaufserfolg von „The Getaway“?

Flea: Will ich, dass diese Platte ein gigantischer Erfolg wird? Fuck, ja, und ob ich das will! Wie fantastisch wäre es doch, als Band noch einmal ein kulturelles Phänomen zu sein. Den Zeitgeist abzubilden. Doch ich glaube eher nicht, dass das geschehen wird.

Warum habt ihr Brian Burton als Produzenten des neuen Albums verpflichtet?

Flea: Aus vielen Gründen. Der wesentliche Grund war, dass wir es uns mit Rick Rubin ziemlich gemütlich gemacht hatten. Zu gemütlich. Wir wollten einen neuen Weg finden, unsere Songs umzusetzen, und dazu war ein anderer Produzent notwendig. Brian hat uns dazu gebracht, Dinge zu tun, die wir vorher so nicht getan haben. Der ganze Aufnahmeprozess war anders, was uns sehr gut getan hat.

Was konkret ist der Unterschied zwischen den beiden Produzenten?

Flea: Mit Rick haben wir alles im Probenraum entwickelt und sind dann mit den fertigen Arrangements ins Studio gegangen, um unsere vorbereitete Musik dort aufzunehmen. Brian hat alles erst im Studio entstehen lassen. Auf diese Weise erklären sich die vielen Schichten und Ebenen in den Songs.

Du hast vor kurzem in einem Interview gesagt, dass Rockmusik tot sei und dafür sehr heftige Reaktionen im Internet bekommen. Hattest du damit gerechnet?

Flea: Nein (lacht). Ist mir auch egal, was andere zu dem Thema denken. Die herausragende Rockmusik passierte zwischen den 50er und den 80er Jahren, vielleicht noch ein wenig in den frühen Neunzigern. Aber seit Grunge ist Schluss. Also, egal, was die Leute von mir halten, ich stehe zu meiner Aussage: Rock’n’Roll ist tot.

Interview von Steffen Rüth

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