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„Wir machen Songs für alle Lebenslagen”

„Wir machen Songs für alle Lebenslagen”

Zu allem entschlossen: Die Schwedinnen Aino Jawo (27) und Caroline Hjelt (25) sind Icona Pop.

„I don‘t care … I love it”. Egal, ob man nachts durch Kneipen stolpert oder tagsüber an Schulhöfen vorbeiläuft — immer muss man damit rechnen, dass einem Menschen, gern im Rudel, adoleszent und weiblichen Geschlechts, diesen Refrain von Icona Pops Riesensingle entgegenbrüllen. Jetzt haben Aino Jawo (27) und Caroline Hjelt (25), die beiden Stockholmerinnen mit Hauptwohnsitz New York, auch das dazugehörige Debütalbum fertig. Es heißt „This is … Icona Pop“ und erfreut mit weiteren kernigen Mädchenhymnen. OZelot sprach mit dem Duo im Berliner Hotel „Indigo“.

OZelot: Caroline, Aino, was ist das Erfolgsrezept von Icona Pop?

Aino Jawo: Wir machen Musik für die Party, das Auto, das Bett und den Strand. Unsere Songs kannst du wirklich in allen erdenklichen Lebenslagen und zu jeder Zeit hören.

Caroline Hjelt: Und wir erreichen extrem viele unterschiedliche Leute mit unserer Musik. Wir haben jetzt den ganzen Sommer auf Festivals gespielt und mit Begeisterung festgestellt, dass Kleinkinder mitsingen, aber auch richtig alte Punks, die diese Art von Musik sonst nicht mit der Kneifzange anpacken würden. Die Leute mögen, dass wir eine chaotische, unperfekte Popband sind.

Ozelot: Ihr habt gesagt, ihr seid angetreten, um das gesamte Genre der Popmusik zu revolutionieren. War das ernst gemeint oder ein Witz?

Hjelt: Teils, teils. Ein ernstgemeinter Witz. Eine Revolution kriegst du heutzutage ja nicht mehr hin. Wir versuchen, den Pop ein bisschen weiter in eine coole Richtung zu treiben. Wir sind frech und laut, haben trotzdem mit unseren Liedern etwas zu sagen und spielen mit ganz vielen Genres wie HipHop und Electro.

OZelot: Euer erster Hit, „I love it“ , ist seit vielen Monaten in den Charts und war vor kurzem erst auf Platz eins in Großbritannien. Warum geht das Lied nicht mehr weg?

Jawo: Na ja, weil die Leute es einfach geil finden. Die Leute spüren, wie ehrlich wir den Song meinen. Sie merken, wie entschlossen und wütend wir waren, als wir ihn aufnahmen. Und wenn du „I love it“ live auf der Bühne singst, dann gucken dich die Leute im Publikum an, als würdest du ihn nur für sie singen. Der Song hilft den Menschen, sich auszukotzen und gleichzeitig des Lebens zu freuen. Niemand wird „I love it“ leid und wir selbst am allerwenigsten.

Hjelt: Das Lied lebt auch deshalb so lange, weil wir es Land für Land veröffentlicht haben. Zuerst in Schweden, dann in Skandinavien, dann in Deutschland und dem übrigen Mitteleuropa, dann in Amerika, dann in England, bald ist Asien dran. Wir wollten uns in jedem Land Zeit nehmen.

Jawo: Was in den USA bedeutet hat, dass wir monatelang von einer kleinen Radiostation zur nächsten gefahren sind, denen den Song auf den Tisch knallten und sagten: „So, Freunde, eine geilere Popnummer werdet ihr dieses Jahr nicht hören, also spielt sie, verdammt noch mal!“ (lacht). Es reicht heutzutage nicht mehr, einen guten Song zu haben. Man muss den Leuten, speziell wenn man noch neu im Geschäft ist, auch sagen, dass man einen guten Song hat.

OZelot: In der TV-Serie „Girls“ kam die Nummer zum Beispiel auch zum Einsatz. Ist „I love it“ eine Trennungshymne für verlassene, stinksaure Mädchen? Immerhin ist es ja nicht sehr nett zu sagen „I crashed your Car into a Bridge“.

Jawo: Manche Typen haben nichts Besseres verdient. Außerdem singen wir das ja nur, wir haben so etwas noch nie gemacht, höchstens hunderttausendmal gedacht. Ich glaube, wenn du frisch getrennt bist, gibt es nichts Befreienderes, als „I love it“ lauthals mitzusingen. Das tut gut, versprochen.

OZelot: Seht ihr euch in der Tradition der Spice Girls und ihrer „Girl-Power“? Songs vom Album, wie „Ready for the Weekend“ oder „We got the World“, zielen ja auch stark auf das Selbstbewusstsein der Hörerinnen.

Jawo: Wir sind in den Neunzigern aufgewachsen, wir fanden die Spice Girls großartig und lustig. Aber wir stehen auch beide auf PJ Harvey oder die Beatles. Selbstbewusst rüberzukommen und auch zu sein, das ist uns wichtig. Unsere Songs sind aber nicht durchgängig ein „Fuck you“ an die Adresse aller Jungs da draußen. Wir haben Männer wirklich gern. Wir sind zwei starke Frauen mit teilweise heftigen Gefühlsausbrüchen, die sich wie alle anderen Menschen nach wahrer Liebe sehnen. Und die Spaß am Leben haben und diesen Spaß auch rüberbringen.

Hjelt: Wir haben so dieses „Wir gegen die Welt“-Ding verinnerlicht. Als wir Icona Pop vor vier Jahren gründeten, interessierte sich niemand für uns, und so schnell änderte sich das nicht.

Wir waren uns sicher, wir sind die tollste Band der Welt, und doch mussten wir zunächst noch blöde Nebenjobs machen, um leben zu können.

OZelot: Streitet ihr euch oft?

Jawo: Richtig Krach hatten wir nur ein einziges Mal. Wir diskutieren viel. Frauen sollten nicht gegeneinander kämpfen, sondern solidarischer mit dem eigenen Geschlecht sein.

 

Interview von Steffen Rüth

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