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Berlin Musiktheater als Haus der Geschichte

Berliner Staatsoper Unter den Linden wiedereröffnet – mit viel Prominenz und einem wenig schlagkräftigen „Faust“

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Zur feierlichen Eröffnung der Staatsoper gab’s den „Faust“.

Quelle: Foto: Martin Müller /imago

Berlin. Die Berliner Staatsoper war immer ein Theater, das nationale Interessen spiegelte: Friedrich der Große wollte mit dem Bau des Hauses im Zentrum der Macht vor 275 Jahren der preußischen Kultur Glanz und Gloria verleihen, später schätzte es Hermann Göring als Lieblingstheater. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Musentempel sozialistische Überlegenheit in künstlerischen Dingen demonstrieren. Dafür nahm die DDR-Führung sogar in Kauf, das zerstörte Gebäude am Originalzustand orientiert wiederaufzubauen. Der Dirigent Erich Kleiber, der hier in den Zwanziger Jahren Generalmusikdirektor war und mit dem das Politbüro sich unbedingt schmücken wollte, hatte das zur Bedingung gemacht. Im September 1955 erstand die Staatsoper als DDR-Version preußischer Prachtarchitektur aus den Kriegsruinen.

Wenn das Theater Unter den Linden nun die dritte große Eröffnung seiner wechselhaften Geschichte feiert und dabei von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als „ein besonderes Haus nicht nur für Berlin, sondern für das ganze Land“ gepriesen wird, erstrahlt es als Synthese der beiden wesentlichen vorigen Bauzustände. Die aufwendige Sanierung hat sieben statt der ursprünglich angesetzten drei Jahre gedauert und 400 Millionen Euro gekostet.

Die Akustik, so scheint es ja spätestens seit der Eröffnung der Elbphilharmonie, ist eine der wesentlichen ästhetischen Fragen des 21. Jahrhunderts. In Berlin hat man sie jetzt mit viel Geschick beantwortet: Die „Szenen aus Goethes Faust“ von Robert Schumann, die bei der Eröffnungsgala vor einer beeindruckenden Menge Prominenz aus Politik und Kultur gespielt wurden, tönten luftig und licht, aber auch warm und angenehm gemischt. Unter der Leitung von Daniel Barenboim hat sich die Staatskapelle den Bronzeton vergangener Zeiten bewahrt, der gut in den historisierenden Rahmen passt.

Doch Wohlklang allein macht noch keinen großen Opernabend aus. Die Kunst könne „Dinge bewirken, die die Möglichkeiten von Politik und Wirtschaft überschreiten“, hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu Beginn in ihrem Grußwort orakelt. Die Inszenierung von Jürgen Flimm ist nicht geeignet, das zu deuten.

Warum spielt man so einen altbackenen „Faust“ zur Eröffnung eines der modernsten Theater der Welt?

Nach dem turbulenten Start schließt die Berliner Staatsoper noch einmal für einige Monate. Dann werden die letzten Türen gestrichen und die erste reguläre Premiere wird vorbereitet: Im Dezember kommt „Hänsel und Gretel“ auf die frisch sanierte Staatsbühne. Etwas Großes stellt man sich irgendwie anders vor.

Stefan Arndt

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