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Mutiger Mix im Barberini

Potsdam Mutiger Mix im Barberini

Die neue Ausstellung im Potsdamer Museum erzählt das Selbstverständnis von vier Künstler-Genera– tionen der DDR. Es ist Vergangenheit in 117 Bildern.

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Kuratorin Valerie Hortolani vor einem Bild von Arno Rink („Porträt Henry Schumann“, 1968)

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Bisher war es ein großes Geheimnis, welche Bilder das Museum Barberini für die Sonderausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ aus privaten und öffentlichen Sammlungen ausleiht. Vier Wochen vor der Eröffnung liegt die Liste der 117 Werke vor, die in den beiden unteren Etagen im neu errichteten Palais am Alten Markt in Potsdam gezeigt werden.

„Die Kuratoren hatten den Auftrag, allein von den Werken auszugehen. Auch die Künstlerbiografien sollten nicht mitentscheidend sein“, betont Direktorin Ortrud Westheider. Das Museum Barberini habe viel Post mit Empfehlungen bekommen. „Ich weiß, für Künstler und auch für ihre Angehörigen ist es oft ein schmerzhafter Prozess, historisiert zu werden“, so Westheider.

Gefahndet wurde nach den interessantesten Motiven, in denen das Selbstverständnis von Künstlern zum Ausdruck kommt, die unter den Bedingungen der DDR gearbeitet haben. Westheider spricht gern von der „Selbstbehauptung der Künstler“ – denn alle Maler, ob von den Zielen des Sozialismus überzeugt oder nicht, waren mit den kunstpolitischen Vorgaben von Partei und Staat konfrontiert. Die Ausstellungsmacher haben darauf geachtet, dass jedes Werk wirklich zwischen 1945 und 1990 in der DDR entstanden ist. So mag es überraschen, dass auch ein Bild von A.R. Penck aufgetrieben wurde, der nach seiner Ausbürgerung 1980 auf dem internationalen Kunstmarkt einen atemberaubenden Durchbruch erlebte. „Ich“ heißt das extreme Breitformat, das der gebürtige Dresdner 1970 malte und das bereits mit einem Strichmännchen und grafischen Zeichen aufwartet.

Der Raum, in dem das Penck- Bild hängen wird, ist mit „Spiegelungen. Freie Zugänge zum Selbst“ überschrieben. Abstrakte Arbeiten, etwa von Gerhard Altenbourg oder Hartwig Ebersbach, werden darin realistisch-allegorischen Darstellungen gegenübergestellt: Ölbilder wie „Verlorene Illusion“ (1945) von Elisabeth Voigt, „Selbstbildnis“ (1970) von Willy Wolff, ein „Stillleben mit Selbstbildnis“

(1971) von Eberhard Löbel oder das „Selbstbildnis in Leipziger Häusern“ (1978) von Irene Kiele. Der frische Blick der Kuratoren hat dafür gesorgt, dass auch unbekanntere Namen und Bilder ins Rampenlicht rücken. So taucht ein „Selbstbildnis“ (1977) von Gerda Lepke auf, das sich aus schwarzen Farbsprenkeln zusammensetzt. Die Technik erinnert an die launigstrengen Porträts von Max Uhlig, der mit Lepke seit 1973 zusammenlebt.

Warum ist Uhlig in der Ausstellung nicht vertreten? Hätte das Museum Barberini die Ausstellung „Hinter der Maske“ nicht auf das zweite Obergeschoss ausdehnen können, um noch viel mehr Beispiele zu zeigen, die sich aufdrängen? „Das haben wir alles genau abgewogen, auch die Frage Uhlig oder Lepke“, beteuert die Museumsdirektorin. „Aber durch mehr Bilder wäre unsere Erzählung nicht schärfer geworden.“

Die Kuratoren haben es wirklich gewagt, vier Malergenerationen in den Blick zu nehmen. Einzelnen Künstlern werden sie nicht gerecht. Wer etwa die vergnügten, comicartigen Wuselbilder von Frieder Heinze kennt, mag erstaunt sein, auf ein vergrübeltes Frühwerk mit dem Titel „Selbstverständnis“ (1979) zu treffen. Noch ganz im Stile der Leipziger Schule gestaltete der Tübke- und Heisig-Schüler hier ein erzählendes Tafelbild – aber mit einer surrealistischen Anspielung. Dass bei dem knapp bemessenen Platz manche Maler mit mehreren Bildern vertreten sind, ist als Statement zu werten.

Karim Saab

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